eBook.de : Ihr Online Shop für eBooks, Reader, Downloads und Bücher

Connect 01/2015 eBook-Shops: Testsieger im epub Angebot, Testurteil: gut Die Welt: Kundenorientierte Internetseiten Prädikat GOLD
+49 (0)40 4223 6096
€ 0,00

Zur Kasse

Der Partner

Roman. Originaltitel: The Partner. 'Heyne-Bücher Allgem…
Sofort lieferbar Pünktlich zum Fest*
Taschenbuch
Taschenbuch € 9,95* inkl. MwSt.
Portofrei*
Dieses Taschenbuch ist auch verfügbar als:
Produktdetails
Titel: Der Partner
Autor/en: John Grisham

ISBN: 3453151658
EAN: 9783453151659
Roman.
Originaltitel: The Partner.
'Heyne-Bücher Allgemeine Reihe'.
Übersetzt von Christel Wiemken
Heyne Taschenbuch

September 1999 - kartoniert - 448 Seiten

»Ein erzählerischer Triumph, eine stilistische Freude.« Daily Telegraph

Bevor sie die Falle zuschnappen ließen, hatten sie Danilo Silva rund um die Uhr bewacht. Er führte ein ruhiges Leben in einem heruntergekommenen Viertel in einer kleinen Stadt in Brasilien. Nichts deutete darauf hin, dass er neunzig Millionen Dollar beiseite geschafft hatte ...


John Grisham wurde am 8. Februar 1955 in Jonesboro, Arkansas, geboren, studierte in Mississippi und ließ sich 1981 als Anwalt nieder. Der aufsehenerregende Fall einer vergewaltigten Minderjährigen brachte ihm zum Schreiben. In Früh- und Nachtschichten wurde daraus sein erster Thriller, 'Die Jury', der in einem kleinen, unabhängigen Verlag erschien, der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte.

1




Sie spürten ihn in Ponta Porã auf, einem verschlafenen Nest in Brasilien, an der Grenze zu Paraguay, einer Gegend, die auch heute noch einfach nur das Grenzland genannt wird.
Sie stellten fest, daß er zurückgezogen in einem Ziegelsteinhaus in der Rua Tiradentes lebte, einer breiten Straße mit Bäumen auf dem Mittelstreifen und einer Horde barfüßiger Jungen, die Fußball spielend über das heiße Pflaster tobte.
Sie stellten fest, daß er, soweit sie erkennen konnten, allein lebte. Während der acht Tage, die sie auf der Lauer lagen und ihn ausspähten, kam und ging gelegentlich eine Putzfrau.
Sie stellten fest, daß er ein angenehmes, aber keineswegs luxuriöses Leben führte. Das Haus strahlte Bescheidenheit aus und hätte jedem x-beliebigen einheimischen Kaufmann gehören können. Der Wagen, ein 1983er Käfer, Massenfabrikat, in São Paulo gebaut, war rot, sauber und auf Hochglanz poliert. Ihr erstes Foto von ihm war ein Schnappschuß, der ihn hinter dem Tor zur Auffahrt seines Hauses beim Einwachsen des Käfers zeigte.
Sie stellten fest, daß er abgenommen hatte. Die hundertfünfzehn Kilo, die er mit sich herumgeschleppt hatte, als er zum letztenmal gesehen worden war, waren verschwunden. Sein Haar und seine Haut erschienen dunkler; sein Kinn war vergrößert und seine Nase verfeinert worden. Perfekte plastisch-kosmetische Korrekturen des Gesichts. Sie hatten dem Schönheitschirurgen in Rio, der zweieinhalb Jahre zuvor die Operation vorgenommen hatte, ein kleines Vermögen für die Informationen bezahlen müssen.
Sie spürten ihn nach vier Jahren ebenso gewissenhafter wie ermüdender Suche auf, vier Jahren, in denen sie sich in Sackgassen verrannt hatten, vier Jahren kalt gewordener Spuren und falscher Hinweise, vier Jahren, in denen viel Geld geflossen war und, wie es schien, gutes Geld schlechtem hinterhergeworfen worden war.
Aber sie fanden ihn. Und sie warteten. Anfangs drängte sie alles zum schnellen Zugriff, drängte
es sie, ihn zu betäuben und in ein sicheres Haus nach Paraguay zu schmuggeln, ihn zu schnappen, bevor er sie sah oder bevor ein Nachbar argwöhnisch wurde. Aber nach zwei Tagen beruhigten sie sich und warteten. Sie hielten sich, wie die Einheimischen gekleidet, an verschiedenen Stellen entlang der Rua Tiradentes auf, tranken Tee im Schatten, mieden die Sonne, aßen Eis, unterhielten sich mit den Kindern und beobachteten sein Haus. Sie folgten ihm, wenn er zum Einkaufen in die Innenstadt fuhr, und sie fotografierten ihn über die Straße hinweg, als er die Apotheke verließ. Auf einem Obstmarkt schoben sie sich so nahe an ihn heran, daß sie hören konnten, wie er sich mit einem Verkäufer unterhielt. Er sprach ein ausgezeichnetes Portugiesisch, mit einem kaum wahrnehmbaren Akzent eines Amerikaners oder eines Deutschen, der sich große Mühe mit dem Erlernen der Sprache gegeben hatte. Er bewegte sich schnell und zielstrebig durch die Innenstadt, erledigte seine Einkäufe und kehrte nach Hause zurück, wo er das Tor sofort wieder hinter sich abschloß. Sein kurzer Ausflug zum Einkaufen lieferte ein Dutzend guter Fotos.
In seinem früheren Leben hatte er gejoggt; aber in den Monaten vor seinem Verschwinden war seine Laufleistung in dem Maße geschrumpft, wie sein Gewicht nach oben gegangen war. Jetzt, wo sein Körper sich am Rande der Auszehrung bewegte, waren sie nicht überrascht, ihn wieder laufen zu sehen. Er verließ sein Haus, schloß das Tor hinter sich ab und bewegte sich in langsamem Trab die Rua Tiradentes hinunter. Neun Minuten für die erste Meile, als die Straße völlig gerade verlief und die Häuser weiter auseinander rückten. Am Stadtrand ging das Pflaster in Schotter über, und ungefähr in der Mitte der zweiten Meile war sein Tempo auf acht Minuten pro Meile gestiegen, und Danilo war ganz hübsch ins Schwitzen geraten. Es war Oktober, um die Mittagszeit, die Temperatur betrug ungefähr fünfundzwanzig Grad, und er wurde noch schneller, als er vorbei an einer kleinen, mit j
ungen Müttern überfüllten Klinik und vorbei an einer kleinen Kirche, die die Baptisten gebaut hatten, die Stadt verließ. Die Straßen wurden staubiger, als er mit sieben Minuten pro Meile in die offene Landschaft lief.
Er nahm die Sache mit dem Laufen sehr ernst, ein Umstand, der sie mit tiefer Genugtuung erfüllte. Danilo würde ihnen praktisch in die Arme laufen.




Am Tag, nachdem sie ihn zum erstenmal zu Gesicht bekommen hatten, wurde von einem Brasilianer, der Osmar hieß, eine kleine, heruntergekommene Hütte am Rand von Ponta Porã gemietet, und innerhalb kurzer Zeit trudelte der Rest des Verfolgerteams dort ein. Es bestand zu gleichen Teilen aus Amerikanern und Brasilianern, wobei Osmar die Befehle auf portugiesisch gab und Guy Kommandos auf englisch zu bellen pflegte. Osmar beherrschte beide Sprachen und fungierte als so etwas wie der offizielle Dolmetscher des Teams.
Guy kam aus Washington. Er war ein ehemaliger Secret-Service-Mann, angeheuert, um Danny Boy zu finden, wie sie ihn unter sich nannten. Manche Leute hielten Guy für ein Genie auf seinem Gebiet. Gesichtslos und ohne Spuren zu hinterlassen, war Guy ein Mann ohne Vergangenheit. Sein fünfter Einjahresvertrag, Danny Boy aufzuspüren, lief, und für das Ergreifen der Beute winkte ihm ein hübscher Bonus. Obwohl er es stets gut zu verbergen wußte, drohte Guy unter dem Druck, Danny Boy nicht finden zu können, über die Jahre langsam den Verstand zu verlieren.
Vier Jahre und dreieinhalb Millionen Dollar. Und nichts, was man hätte vorweisen können.
Aber jetzt hatten sie ihn aufgespürt.
Osmar und seine Brasilianer hatten nicht die geringste Ahnung von Danny Boys Sünden, aber jeder auch nur halbwegs mit Verstand Begabte konnte sehen, daß er untergetaucht sein und sich mit ihm entschieden zu viel Geld in Luft aufgelöst haben mußte. Osmar hatte rasch gelernt, keine Fragen zu stellen. Guy und die Amerikaner hatten zu diesem Thema nichts zu sagen.
Die Fotos von D
anny Boy wurden auf zwanzig mal fünfundzwanzig vergrößert und an eine Wand in der Küche der heruntergekommenen kleinen Hütte geheftet, wo sie wieder und wieder von Männern mit harten Augen verbissen studiert wurden, Männern, die Kette rauchten und angesichts der Fotos die Köpfe schüttelten. Sie flüsterten miteinander und verglichen die neuen Fotos mit den alten, denen aus seinem früheren Leben. Dünnerer Mann, eigenartiges Kinn, andere Nase. Sein Haar war kürzer und seine Haut dunkler. War es wirklich ihr Mann?
Sie hatten das alles schon einmal durchgemacht, in Recife, an der Nordostküste, neunzehn Monate zuvor, wo sie eine Wohnung gemietet und ebenfalls Fotos an einer Wand betrachtet hatten, bis beschlossen wurde, den Amerikaner zu greifen und seine Fingerabdrücke zu überprüfen. Falsche Fingerabdrücke. Falscher Amerikaner. Sie pumpten noch ein paar Drogen mehr in ihn hinein und entsorgten ihn in einem Straßengraben.
Sie scheuten davor zurück, allzu tief in das gegenwärtige Leben von Danilo Silva einzudringen. Wenn er tatsächlich ihr Mann war, dann verfügte er ausreichend über Geld. Und Bargeld, das wußten sie, wirkte bei den einheimischen Behörden stets Wunder. Jahrzehntelang hatten sich Nazis und andere Deutsche, die sich in Ponta Porã eingenistet hatten, mit Bargeld ausgesprochen erfolgreich Schutz erkaufen können.
Osmar wollte einen schnellen Zugriff. Guy sagte, sie würden warten. Am vierten Tag verschwand er urplötzlich, und sechsunddreißig Stunden lang herrschte in der heruntergekommenen kleinen Hütte ein ziemliches Chaos.
Sie sahen noch, wie er in den roten Käfer stieg. Er hatte es eilig, lautete der Bericht. Er raste durch die Stadt zum Flughafen, ging im letzten Augenblick an Bord einer kleinen Maschine, und weg war er. Sein Wagen blieb auf dem einzigen Parkplatz des Flugplatzes zurück, wo sie ihn in den nächsten Tagen keine Sekunde aus den Augen ließen. Das Flugzeug flog mit vier Zwischenlandungen in Richtung São Paulo.
Sofort
gab es den Plan, in sein Haus einzudringen und alles zu inventarisieren. Es mußte ganz einfach Unterlagen geben. Irgendwie mußte das Geld ja verwaltet werden. Guy sah es direkt vor sich; er träumte davon, Bankunterlagen zu finden, Belege für telegrafische Überweisungen, Kontoauszüge; alle möglichen Dokumente, alles fein säuberlich in Ordnern abgeheftet, die ihn direkt zu dem Geld führen würden.
Aber er wußte es besser. Wenn Danny Boy ihretwegen die Flucht ergriff, dann würde er auf keinen Fall irgendwelches Beweismaterial zurücklassen. Und wenn er tatsächlich ihr Mann war, dann war sein Haus bestimmt sorgfältig gesichert. Danny Boy würde, wo immer er war, vermutlich sofort Bescheid wissen, wenn sie seine Haustür oder ein Fenster öffneten.
Sie warteten. Sie fluchten und stritten und litten noch stärker unter dem Zwang zum Erfolg. Guy rief täglich in Washington an, eine unerfreuliche Aufgabe. Sie beobachteten den roten Käfer. Jedes eintreffende Flugzeug ließ sie die Ferngläser und Handys zücken. Sechs Flüge am ersten Tag. Fünf am zweiten. In der heruntergekommenen kleinen Hütte wurde es heiß und stickig. Die Männer flüchteten ins Freie - die Amerikaner dösten im mickrigen Schatten eines Baumes auf dem Hinterhof vor sich hin. Die Brasilianer spielten, am Zaun im Vorgarten sitzend, Karten.
Guy und Osmar unternahmen eine ausgedehnte Fahrt und schworen sich, daß sie sofort zuschlagen würden, sollte er jemals zurückkehren. Osmar äußerte sich zuversichtlich, daß er wieder auftauchen würde. Vermutlich war er nur kurz geschäftlich unterwegs, was immer das auch heißen mochte. Sie würden ihn schnappen, ihn identifizieren, und sollte sich herausstellen, daß er der Falsche war, würden sie ihn einfach in irgendeinem Straßengraben abladen und verschwinden. Wie beim letztenmal.
Am fünften Tag kam er zurück. Sie folgten ihm in die Rua Tiradentes, und alle waren glücklich.
Am achten Tag leerte sich die heruntergekommene kleine Hütte; alle Brasilianer und a
lle Amerikaner gingen auf Position.
Die Laufstrecke war sechs Meilen lang. Er hatte sie seit seiner Rückkehr jeden Tag zurückgelegt, war fast immer zur gleichen Zeit gestartet, trug die gleichen blau-orangenen Laufshorts, abgetragenen Nikes, Socken, kein Hemd.
Die ideale Stelle für den Zugriff lag zweieinhalb Meilen von seinem Haus entfernt, hinter einer kleinen Anhöhe auf einem Schotterweg, nicht weit vom Wendepunkt seiner Laufstrecke entfernt. Danilo kam nach zwanzigminütigem Lauf über die Anhöhe, ein paar Sekunden früher als erwartet. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund war er schneller als gewöhnlich. Vielleicht wegen der Wolken.
Auf der anderen Seite der Anhöhe stand ein Kleinwagen mit einem scheinbar platten Reifen und blockierte, hinten aufgebockt, die Straße. Sein Fahrer, ein kräftiger, untersetzter junger Mann, tat so, als wäre er vom Anblick des asketisch wirkenden Mannes überrascht, der schwitzend und keuchend auf der Anhöhe erschien. Danilo verlangsamte für eine Sekunde sein Tempo. Rechts war mehr Platz.
Bom dia, sagte der stämmige junge Mann und tat einen Schritt auf Danilo zu.
Bom dia, sagte Danilo, sich dem Wagen nähernd.
Der Fahrer holte plötzlich eine großkalibrige Pistole aus dem Kofferraum und hielt sie Danilo zwischen die Augen. Dieser erstarrte; seine Augen fixierten die Pistole, er atmete schwer mit offenem Mund. Der Fahrer hatte massige Hände und lange, kräftige Arme. Er packte Danilo am Genick, riß ihn mit einem Ruck zum Wagen hin und drückte ihn dort neben der Stoßstange auf den Boden. Die Pistole verschwand in einem Halfter, und ehe Danilo sich versah, fand er sich in den Kofferraum des Wagens verfrachtet. Danny Boy wehrte sich und trat um sich, aber er hatte nicht den Hauch einer Chance.
Der Fahrer schlug den Kofferraumdeckel zu, ließ den Wagen herunter, warf den Wagenheber in den Straßengraben und fuhr davon. Nach etwa einer Meile bog er in einen schmalen Feldweg ein, wo man bereits unruhig auf i
hn wartete.
Sie schlangen Nylonseile um Danny Boys Handgelenke und verbanden ihm mit einem schwarzen Tuch die Augen, dann wuchteten sie ihn auf die Rückbank eines Vans. Osmar saß zu seiner Rechten, ein weiterer Brasilianer zu seiner Linken. Jemand griff sich seine Schlüssel aus der mit Klettband befestigten Velcros-Bauchtasche, die er um die Taille trug. Danilo sagte nichts, als der Van startete und Fahrt aufnahm. Er schwitzte noch immer und atmete sehr schwer.
Als der Van auf einer staubigen Straße neben einer landwirtschaftlich genutzten Fläche abrupt anhielt, brachte Danilo seine ersten Worte hervor. Was wollt ihr? fragte er auf portugiesisch.
Kein Wort! kam die Antwort von Osmar, auf englisch. Der Brasilianer links neben Danilo holte eine Spritze aus einem kleinen Metallkasten und zog ein schnell wirkendes Beruhigungsmittel auf. Osmar hielt Danilos Handgelenke fest zusammengepreßt, während der andere Mann ihm die Nadel in den Oberarm jagte. Danilo versteifte sich und versuchte sich loszureißen, dann wurde ihm klar, daß es hoffnungslos war. Er entspannte sich sogar ein wenig, als der Rest des Mittels in seinen Körper ging. Seine Atmung verlangsamte sich, sein Kopf begann zu schwanken. Als ihm das Kinn auf die Brust gesackt war, hob Osmar sanft mit dem rechten Zeigefinger die Shorts an Danilos rechtem Oberschenkel und fand genau das, was er erwartet hatte. Blasse Haut.
Das Laufen hielt ihn schlank, und es hielt ihn auch braun.
Entführungen waren im Grenzgebiet keine Seltenheit. Amerikaner waren leichte Opfer. Aber weshalb gerade ich, fragte sich Danilo, als er immer benommener wurde und ihm die Augen zufielen. Er lächelte, während er durch den Weltraum stürzte, Kometen und Meteoren auswich, nach Monden griff und ganze Galaxien angrinste.




Sie stopften ihn unter ein paar mit Melonen und Früchten gefüllte Pappkartons. Die Grenzposten winkten sie durch, ohne sich von ihren Stühlen zu erheben, und Danny Boy war nun
in Paraguay, obwohl ihm im Moment nichts gleichgültiger sein konnte als das. Er ließ sich glücklich auf dem Boden des Vans liegend durchrütteln, als die Straßen schlechter und die Landschaft unwegsamer wurde. Osmar rauchte Kette und deutete gelegentlich in diese oder jene Richtung. Eine Stunde nach dem Zugriff bogen sie ein letztes Mal in einen unscheinbaren Feldweg ab. Die Hütte lag in einer Schlucht zwischen zwei steil aufragenden Bergen, von der schmalen Landstraße aus kaum zu sehen. Sie schleppten ihn wie einen Mehlsack hinein und luden ihn auf einem Tisch ab; dann machten sich Guy und der Fingerab-druck-Experte ans Werk.
Danny Boy schnarchte, während ihm von allen acht Fingern und den beiden Daumen Abdrücke genommen wurden. Die Amerikaner und die Brasilianer drängten sich um ihn und registrierten jeden Handgriff. In einem Karton neben der Tür standen ungeöffnete Whiskeyflaschen, für den Fall, daß dies der richtige Danny Boy sein sollte.
Der Fingerabdruck-Experte verließ mit den frischen Abdrücken den Raum und begab sich in sein auf der Rückseite des Hauses gelegenes Zimmer, wo er sich einschloß und die frischen Abdrücke vor sich ausbreitete. Er justierte die Lampe und holte den Vergleichssatz hervor, jene Abdrücke, die Danny Boy so bereitwillig geliefert hatte, als er noch wesentlich jünger war, damals, als er Patrick hieß und seine Zulassung als Anwalt im Staat Louisiana beantragt hatte. Merkwürdig, dieses Abnehmen der Fingerabdrücke bei Anwälten.
Beide Sätze waren in sehr gutem Zustand, und es war bereits auf den ersten Blick erkennbar, daß sie perfekt übereinstimmten. Aber er prüfte akribisch alle zehn. Er hatte keine Eile. Sollten die da draußen doch warten. Er genoß den Augenblick. Endlich öffnete er die Tür und starrte das Dutzend erwartungsvolle Gesichter mit steinerner Miene an. Dann lächelte er. Er ist es, sagte er auf englisch, und sie klatschten erlöst Beifall.
Guy genehmigte zur Feier des Tages den Whiskey, aber nur in Maßen
. Es gab schließlich noch einiges mehr zu tun. Danny Boy, immer noch apathisch vor sich hin dämmernd, wurde, mit einem weiteren Schuß ruhiggestellt, in ein kleines Schlafzimmer gebracht, ohne Fenster und mit einer massiven Tür, die von außen abgeschlossen werden konnte. Hier drinnen würde man ihn verhören und, falls erforderlich, auch foltern.




Die barfüßigen Jungen, die auf der Straße Fußball spielten, waren zu sehr mit sich und ihrem Ball beschäftigt, um irgend etwas Ungewöhnliches zu bemerken. An Danny Boys Schlüsselbund hingen lediglich vier Schlüssel, und deshalb war das kleine Tor zur Straße hin schnell aufgeschlossen und blieb angelehnt. Ein Komplize in einem Mietwagen hielt unter einem großen, vier Häuser entfernten Baum. Ein anderer, auf einem Motorrad, stellte seine Maschine am anderen Ende der Straße ab und begann, sich intensiv mit deren Bremsanlage zu beschäftigen.
Sollte eine Alarmanlage losheulen, würde der Eindringling einfach die Flucht ergreifen und sich nie wieder blicken lassen. Wenn nicht, dann würde er sich drinnen einschließen und Danny Boys Hab und Gut inventarisieren.
Die Tür ließ sich ohne Probleme öffnen. Kein Alarm ertönte. Die Schalttafel an der Wand informierte jeden, der es wissen wollte, daß die Alarmanlage ausgeschaltet war. Er holte tief Luft und verharrte eine Minute lang absolut regungslos, dann begann er mit seiner Arbeit. Er entfernte die Festplatte aus Danny Boys PC und sammelte sämtliche Disketten ein. Er durchstöberte die Papiere auf dem Schreibtisch, fand aber nichts außer den üblichen Rechnungen, einige davon bezahlt, andere noch offen. Das Faxgerät war billig und ohne auffällige Sonderausstattung. Der Anzeige zufolge war es nicht betriebsbereit. Routiniert fotografierte er die Räumlichkeiten. Er machte Fotos von Kleidung, Nahrungsmitteln, Möbeln, Bücherregalen, Zeitschriftenständern.
Fünf Minuten nach dem Öffnen der Eingangstür wurde auf Danilos Dachboden ein stummes Signal ausgelö
st, und es erfolgte ein Anruf bei einer privaten Sicherheitsfirma, elf Blocks entfernt, in der Innenstadt von Ponta Porã. Der Anruf blieb ohne Antwort, da der diensthabende Wachmann gerade sanft in einer Hängematte hinter dem Haus schaukelte. Eine Tonbandstimme aus Danilos Haus informierte jeden, der von Rechts wegen hätte zuhören müssen, davon, daß gerade ein Einbruch stattfand. Fünfzehn Minuten vergingen, bis ein menschliches Ohr die Meldung hörte. Als der Wachmann zu Danilos Haus raste, war der Einbrecher bereits wieder verschwunden. Und von Mr. Silva weit und breit keine Spur. Alles schien in Ordnung zu sein, Käfer auf dem Stellplatz inklusive. Das Haus und das Tor zum Anwesen waren verschlossen.
Die Anweisungen in den Unterlagen ließen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Bei einem solchen Alarm nicht die Polizei informieren. Zuerst versuchen Mr. Silva ausfindig zu machen, und falls er nicht sofort aufzufinden war, eine Nummer in Rio anrufen. Eva Miranda verlangen.




Mit kaum zu unterdrückender Erregung tätigte Guy seinen täglichen Routineanruf nach Washington. Er schloß sogar die Augen dabei und lächelte, als er die Worte Er ist es hervorstieß. Seine Stimme war eine Oktave höher als gewöhnlich.
Stille am anderen Ende der Leitung. Dann: Sind Sie sicher?
Absolut. Die Fingerabdrücke stimmen perfekt überein.
Neuerlich Stille, während der Stephano in Washington seine Gedanken ordnete, ein Vorgang, der normalerweise nur Bruchteile von Sekunden in Anspruch nahm. Das Geld?
Wir haben noch nicht angefangen. Er steht noch immer unter Drogen.
Wann?
Heute abend.
Ich bleibe in der Nähe des Telefons. Stephano legte auf, obwohl er am liebsten stundenlang weitergeredet hätte.
Guy fand einen Platz auf einem Baumstumpf hinter der Hütte. Die Vegetation war dicht, die Luft dünn und kühl. Die leisen Stimmen glücklicher Männer wehten zu ihm herüber. Die Schinderei hatte ein Ende - der größte Teil zumin
dest.
Er hatte gerade fünfzigtausend Dollar verdient. Das Auffinden des Geldes würde ihm einen weiteren Bonus einbringen, und er war sich absolut sicher, daß er das Geld finden würde.







Preiswert lesen


 
Bücher bei eBook.de entdecken.

 

Taschenbücher entdecken

Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch

Der Gerechte
Taschenbuch
von John Grisham
Der Partner
Hörbuch Download
von John Grisham
Der Gefangene
Taschenbuch
von John Grisham
Bestechung
Buch (gebunden)
von John Grisham

Kundenbewertungen zu John Grisham „Der Partner“

Durchschnittliche Kundenbewertung
review.image.5 review.image.5 review.image.5 review.image.5 review.image.2 2 Kundenbewertungen
Veröffentlichen Sie Ihre Kundenbewertung:
Kundenbewertung schreiben
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll brilliant - von Tilman Schneider - 14.11.2008 zu John Grisham „Der Partner“
Eigentlich ist er seit Jahren in Brasilien untergetaucht, aber sie kommen ihm auf die Spur. Eine Hetzjagd beginnt und Grisham garantiert wie immer Hochspannung! Perfekter Plot.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Grisham wie wir ihn mögen - von Michael Kleerbaum - 06.05.2005 zu John Grisham „Der Partner“
Traue niemals einer schönen Frau! Auch der Anwalt in diesem Grisham hätte sich daran halten sollen. Aber wer nicht hören will... Ein Anwalt bekommt hinterrücks mit, das er keinen Anteil von einem großen Verdienst bekommen soll, täuscht seinen Tod vor und verschwindet zur Strafen mit dem kompletten Vermögen. Wie er das macht: Das ist das Thema dieses Buches. Mehr verrate ich aber nicht. Nur soviel: Spannend bis zur letzten Seite geschrieben.
Zur Rangliste der Rezensenten

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Der Verrat
Taschenbuch
von John Grisham
Das Geständnis
Taschenbuch
von John Grisham
Die Kammer
Taschenbuch
von John Grisham
Camino Island
eBook
von John Grisham
Der Partner
- 9% **
eBook
von John Grisham
Print-Ausgabe € 9,95

Unsere Leistungen auf einen Klick

Unser Service für Sie

Zahlungsmethoden
Bequem, einfach und sicher mit eBook.de. mehr Infos akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal mehr Infos
Geprüfte Qualität
  • Schnelle Downloads
  • Datenschutz
  • Sichere Zahlung
  • SSL-Verschlüsselung
Servicehotline
+49 (0)40 4223 6096
Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 18.00 Uhr
Chat
Ihre E-Mail-Adresse eintragen und kostenlos informiert werden:
* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.
Artikel mit dem Hinweis "Pünktlich zum Fest" werden an Lieferadressen innerhalb Deutschlands rechtzeitig zum 24.12.2017 geliefert.
Bei als portofrei markierten Produkten bezieht sich dies nur auf den Versand innerhalb Deutschlands.

** im Vergleich zum dargestellten Vergleichspreis.
eBook.de - Meine Bücher immer dabei
eBook.de ist eine Marke der Hugendubel Digital GmbH & Co. KG
Folgen Sie uns unter: