Ich habe mich sehr auf "Moorland Die Zwillinge" von Andreas Winkelmann gefreut, da mich die düstere Moor-Atmosphäre und die Story rund um die verschwundenen Zwillinge sofort angesprochen haben. Und tatsächlich: Die Geschichte an sich hat mich schnell gepackt. Dieses kalte, neblige Setting, die geheimnisvolle Dorfgemeinschaft und die vielen offenen Fragen erzeugen eine richtig unangenehme, spannende Stimmung. Man fühlt sich beim Hören regelrecht ins Moor gezogen. Auch die Ermittlungen rund um Malia Gold fand ich interessant aufgebaut. Es gibt immer wieder neue Verdächtige und Wendungen, sodass man als Hörer ständig am Miträtseln ist. Genau so wünsche ich mir eigentlich einen Thriller.
ABER: Für mich wurde das gesamte Hörerlebnis leider massiv durch den Sprecher Charles Rettinghaus zerstört. Seine Art zu lesen war für mich kaum auszuhalten. Die vielen verstellten Stimmen für die einzelnen Figuren wirkten auf mich extrem übertrieben und teilweise fast schon lächerlich. Statt die Spannung zu verstärken, hat mich das komplett rausgerissen. Oft hatte ich eher das Gefühl, einem überdrehten Märchenerzähler zuzuhören als einem düsteren Thriller. Besonders unangenehm fand ich die teils krächzende, angestrengte Stimmlage. Das ging bei mir wirklich so weit, dass es sich beim Zuhören körperlich unangenehm angefühlt hat. Ich musste mehrfach pausieren, weil es einfach zu anstrengend wurde. So etwas hatte ich bei einem Hörbuch bisher noch nie.
Wenn ich nur die Story bewerten würde, läge das Ganze bei fünf von fünf Sternen. Aber ein Hörbuch lebt nun mal maßgeblich vom Sprecher und hier passt es für mich überhaupt nicht, leider.
Mein Fazit, ein starker Thriller mit dichter Atmosphäre und spannender Handlung, aber für mich durch den Sprecher leider kaum genießbar.