Worum gehts?
Die Zwillinge Nike und Jana gehen ins Moor, um Content für TikTok aufzunehmen. Es ist kalt, düster und nebelig. Nur eine von ihnen kehrt zurück. Und sie kann sich an nichts erinnern. Was ist im Moor passiert? Und wo ist ihre Zwillingsschwester?
Meine Meinung:
Mit dem Thriller Moorland Die Zwillinge startet Andreas Winkelmann in seine neue Serie um Kommissarin Malia Gold und dieser Auftakt schlägt ein wie ein Schritt ins falsche Moorloch: plötzlich, kalt und ohne Vorwarnung zieht es einen runter. Selten hat mich ein erster Band so gnadenlos gepackt. Schon die Szenerie im namenlosen Moor wirkt wie ein eigener, lebendiger Albtraum still, unberechenbar und voller dunkler Geheimnisse. Der Nebel kriecht förmlich zwischen die Seiten, und der Schreibstil ist so dicht und treibend, dass man sich dem Sog kaum entziehen kann. Ich habe wirklich alles an diesem Buch geliebt.
Die Charaktere sind eine tolle Kombination, die sich perfekt ergänzen. Wir haben unsere Hauptprotagonistin Malia, die zu ihren Wurzeln zurückkehrt. Dann noch Ida, die ITlerin, den Schriftsteller Alex und Malias Bruder Erik. Ich denke, von diesen werden wir in den kommenden Fällen noch mehr erleben. Vielleicht auch von dem Polizisten vor Ort, Sven, der mit einem Wikinger verglichen wird? Am besten gefallen hat mir hier aber Ruth, die Fährtenleserin, die das Moor wie niemand sonst kennt. Sie ist Malias Mutter und hat echt was drauf eine wirklich beeindruckende Person.
Der Fall selbst entwickelt von der ersten Seite an eine beklemmende Intensität. Vielleicht liegt es an der eisigen, klammen Atmosphäre, vielleicht an diesem Gefühl, dass im Moor alles möglich ist und nichts je wirklich verschwindet. Die Spannung schleicht sich leise an, setzt sich fest und lässt einen nicht mehr los. Die Ermittlungen greifen dabei wunderbar ineinander: Jeder geht seinen eigenen Weg, und doch ergibt alles ein großes, düsteres Gesamtbild. Genau dieses Zusammenspiel macht den Reiz aus. Und dann die Wendungen. Mehrfach dachte ich, ich hätte die Richtung erkannt nur um direkt wieder im Nebel zu stehen. Besonders die wiederholte Erwähnung eines Kastens hat mich komplett auf eine falsche Spur gelockt. Wirklich fies. Wirklich gut. Der Täter? Keine Chance. Nicht mal ansatzweise auf meinem Radar. Genau so muss das sein.
Was dieser Thriller außerdem liefert, ist eine erstaunliche Konsequenz: Der Fall fordert Opfer. Viele. Mehr, als ich in diesem Jahr in anderen Thrillern zusammen erlebt habe. Und trotzdem wirkt nichts überzogen, sondern fügt sich organisch in diese düstere, bedrohliche Welt ein. Und dann dieses Ende. Befriedigend? Ja und nein. Denn Malia bleibt mit einer offenen Frage zurück und ich gleich mit ihr. Eine dieser Fragen, die einen nicht mehr loslassen, sodass man unbedingt weiterlesen möchte. Genial und gleichzeitig fast schon gemein.
Fazit:
Andreas Winkelmann legt mit Moorland Die Zwillinge einen Auftakt hin, der atmosphärisch dichter kaum sein könnte. Das Moor wird zur Bühne für einen Fall, der unter die Haut geht. Starke Figuren, eine durchgehend beklemmende Spannung und Wendungen, die selbst geübte Thrillerleser ins Leere laufen lassen, machen dieses Buch zu einem echten Highlight. Und als wäre das nicht genug, bleibt am Ende eine offene Frage, die einen zwingt, weiterzulesen. Genau so startet man eine Serie.
5 morastige Sterne von mir!