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Der Verrat

Roman. Originaltitel: The Street Lawyer. 'Heyne-Bücher …
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Produktdetails
Titel: Der Verrat
Autor/en: John Grisham

ISBN: 3453169247
EAN: 9783453169241
Roman.
Originaltitel: The Street Lawyer.
'Heyne-Bücher Allgemeine Reihe'.
Übersetzt von Dirk van Gunsteren
Heyne Taschenbuch

1. September 2000 - kartoniert - 432 Seiten

Um jeden Preis

Michael Brock ist der aufsteigende Stern bei einer einflussreichen Anwaltskanzlei in Washington D. C. Er führt ein Leben auf der Überholspur, bis eine Geiselnahme sein Leben vollkommen verändert. Der Geiselnehmer, ein herunterkommener Obdachloser, wird erschossen. Michael forscht nach den Hintergründen diser Tat und spürt ein schmutziges Geheimnis auf.




John Grisham wurde am 8. Februar 1955 in Jonesboro, Arkansas, geboren, studierte in Mississippi und ließ sich 1981 als Anwalt nieder. Der aufsehenerregende Fall einer vergewaltigten Minderjährigen brachte ihm zum Schreiben. In Früh- und Nachtschichten wurde daraus sein erster Thriller, 'Die Jury', der in einem kleinen, unabhängigen Verlag erschien, der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte.
Der Mann mit den Gummistiefeln trat hinter mir in den Aufzug, doch zunächst sah ich ihn nicht. Allerdings roch ich ihn: den stechenden Geruch nach Rauch und billigem Wein und einem Leben auf der Straße, ohne Seife. Auf der Fahrt hinauf waren wir allein, und als ich ihm schließlich einen Blick zuwarf, sah ich die schwarzen, schmutzigen und viel zu großen Stiefel. Unter dem abgetragenen, zerrissenen Trenchcoat, der ihm bis zu den Knien reichte, waren Schichten ungewaschener Kleider, die am Bauch Falten warfen und ihn stämmig, ja beinahe dick wirken ließen. Dabei war er alles andere als das. Im Winter tragen die Obdachlosen in Washington alle Kleider, die sie besitzen, am Körper - jedenfalls sehen sie so aus.
Er war schwarz und nicht mehr jung. Sein Bart und seine Haare waren halb ergraut und seit Jahren weder gewaschen noch geschnitten worden. Er trug eine dunkle Sonnenbrille, sah starr geradeaus und ignorierte mich vollkommen. Sein Verhalten war so, dass ich mich einen Augenblick lang fragte, warum ich ihn eigentlich musterte.
Er gehörte nicht hierher. Er gehörte nicht in dieses Gebäude und in diesen Auf zug. Es war ein Ort, den er sich nicht leisten konnte. Die Rechtsanwälte auf diesen acht Etagen arbeiteten für Stundensätze, die mir auch nach sieben Jahren noch obszön erschienen.
Er war bloß irgendein Penner, der sich mal aufwärmen wollte. In der Innenstadt von Washington passierte das andauernd. Bei uns gab es für so was einen Sicherheitsdienst.
Der Aufzug hielt in der fünften Etage, und jetzt erst fiel mir auf, dass der Mann keinen Knopf gedrückt, keine Etage gewählt hatte. Er folgte mir. Ich stieg schnell aus, und als ich in das schicke, mit Marmor ausgekleidete Foyer von Drake & Sweeney trat, warf ich einen kurzen Blick über die Schulter. Der Mann stand im Aufzug, sah noch immer starr geradeaus und beachtete mich auch jetzt nicht.
Madame Devier, eine unserer sehr energischen Empfangsdamen, begrüßte mich mit ihrem üblichen geringschätzigen Bl
ick. Behalten Sie den Aufzug im Auge, sagte ich.
Warum?
Ein Penner. Sie sollten vielleicht den Sicherheitsdienst rufen.
Diese schräcklischen Menschen, sagte sie mit ihrem dick aufgetragenen französischen Akzent.
Und Desinfektionsspray.
Ich zog im Gehen meinen Mantel aus und hatte den Mann mit den Gummistiefeln schon fast vergessen. Heute Nachmittag würde ich eine Besprechung nach der anderen haben, wichtige Besprechungen mit wichtigen Leuten. Ich bog um eine Ecke und wollte gerade etwas zu Polly, meiner Sekretärin, sagen, als ich den ersten Schuss hörte.
Madame Devier stand wie versteinert hinter ihrem Tisch und starrte in die Mündung einer beeindruckend langen Pistole, die unser Freund, der Penner, in der Hand hielt. Da ich der Erste war, der ihr zu Hilfe eilte, richtete er die Waffe höflicherweise auf mich, worauf ich ebenfalls zu Stein erstarrte.
Nicht schießen, sagte ich und hob die Hände. Ich hatte so viele Filme gesehen, dass ich genau wusste, wie ich mich zu verhalten hatte.
Halten Sie die Klappe, nuschelte er sehr gelassen.
Hinter mir hörte ich Stimmen auf dem Gang. Jemand schrie: Er hat eine Pistole! Dann entfernten sich die Stimmen und wurden leiser und leiser: Meine Kollegen rannten zur Feuertreppe. Wahrscheinlich fehlte nicht viel und sie wären aus den Fenstern gesprungen.
Links von mir war eine schwere Holztür, die zu einem Konferenzraum führte. Dort saßen gerade acht unserer Anwälte aus der Prozessabteilung - acht abgebrühte, furchtlose Prozessanwälte, die ihre Zeit auf Erden damit verbrachten, andere fertig zu machen. Der Härteste von ihnen war ein kampflustiger kleiner Terrier namens Rafter, und als er die Tür aufriss und rief: Was ist das für ein Lärm hier?, richtete sich die Waffe auf ihn, und der Mann in den Gummistiefeln hatte gefunden, was er gesucht hatte.
Runter mit der Pistole!, befahl Rafter, und im nächsten Augenblick zerriss ein weiterer Schuss die Stille im Foyer. Die Kugel schlug weit über Raft
ers Kopf in die Decke ein und verwandelte ihn in einen bloßen Sterblichen. Der Mann zielte wieder auf mich und nickte. Ich gehorchte und trat hinter Rafter in den Konferenzraum. Das Letzte, was ich von der Welt außerhalb dieses Raumes sah, war Madame Devier, die geschockt und zitternd an ihrem Tisch stand. Der Kopfhörer mit Mikrofon hing um ihren Hals, die hochhackigen Schuhe standen ordentlich neben dem Papierkorb.
Der Mann mit den Gummistiefeln schlug die Tür zu und schwenkte die Pistole langsam hin und her, damit alle acht Prozessanwälte sie bewundern konnten. Sie schienen gebührend beeindruckt. Der Geruch des Pulverdampfes überdeckte den des Mannes.
Das beherrschende Möbelstück in diesem Raum war ein langer Tisch voller Dokumente und Papiere, die eben noch schrecklich wichtig gewesen waren. Die Fenster gingen auf den Parkplatz, und die beiden Türen führten auf den Gang.
Alle an die Wand, befahl der Mann, und dass er dabei die entsprechende Bewegung mit der Pistole machte, verlieh seinen Worten erheblichen Nachdruck. Dann hielt er sie sehr nah an meinen Kopf und sagte: Schließen Sie die Tür ab.
Was ich tat.
Kein Wort von den acht Anwälten, als sie an die Wand zurückwichen. Kein Wort von mir, als ich rasch die Tür verriegelte und ihn um Anerkennung heischend ansah.
Aus irgendeinem Grund dachte ich die ganze Zeit an das Postamt und all die schrecklichen Schießereien: Der unzufriedene Angestellte bringt nach der Mittagspause ein ganzes Waffenarsenal mit und löscht fünfzehn Kollegen aus. Ich dachte an Massaker auf Spielplätzen, an Gemetzel in Hamburger-Restaurants.
Dort waren die Opfer allerdings unschuldige Kinder und unbescholtene Bürger gewesen. Wir dagegen waren ein Rudel Anwälte!
Knurrend und mit der Pistole dirigierend, reihte er die acht anderen an der Wand auf. Als er mit dem Arrangement zufrieden war, wandte er seine Aufmerksamkeit wieder mir zu. Was hatte er vor? Wollte er uns ausfragen? Wenn ja, dann würde er von mir alles e
rfahren, was er wissen wollte. Wegen der Sonnenbrille konnte ich seine Augen nicht erkennen. Er dagegen sah meine, und die Pistole war direkt auf sie gerichtet.
Er zog den schmutzigen Trenchcoat aus, faltete ihn zusammen, als wäre er neu, und legte ihn mitten auf den Tisch. Der Geruch der mir im Aufzug in die Nase gestochen war, breitete sich aus, erschien mir aber nicht mehr wichtig. Der Mann stand am Kopfende des Tisches und zog langsam die nächste Schicht Kleidung aus - eine weite, graue Strickjacke.
Dass sie weit war, hatte seinen Grund. Darunter trug er eine Reihe roter Stangen, die für mein ungeübtes Auge wie Dynamit aussahen. In ihren Enden steckten bunte, an Spaghetti erinnernde Drähte, und das alles war mit silbergrauem Klebeband befestigt.
Mein erster Impuls war zu flüchten, mit wild fuchtelnden Armen und Beinen zur Tür zu rennen und auf Glück und einen schlecht gezielten Schuss zu hoffen, während ich am Schloss herumfummelte, und auf einen zweiten schlecht gezielten Schuss, wenn ich durch die Tür auf den Gang stürzte. Doch meine Knie zitterten, und das Blut war mir in den Adern gefroren. Die acht an der Wand keuchten und stöhnten leise, und das schien den Geiselnehmer zu stören. Ruhe, bitte, sagte er im Ton eines geduldigen Professors. Seine Gelassenheit entnervte mich. Er rückte ein paar der Spaghetti an seinem Bauch zurecht und zog dann ein Klappmesser und ein ordentlich aufgerolltes gelbes Nylonseil aus einer Tasche seiner geräumigen Hose.
Zu allem Überfluss richtete er die Pistole auf die entsetzten Gesichter vor sich und sagte: Ich will keinem wehtun.
Das war nett, aber nicht glaubwürdig. Ich zählte zwölf Stangen und war mir sicher, dass diese Menge ausreichte, mir einen schnellen und schmerzlosen Tod zu verschaffen.
Die Pistole zielte wieder auf mich. Sie, sagte der Mann, werden sie fesseln.
Rafter hatte genug. Er machte einen kleinen Schritt vorwärts und sagte: Hören Sie, mein Freund, was wollen Sie eigentlich?
Die d
ritte Kugel schlug über seinem Kopf in der Decke ein. Der Schuss klang wie Kanonendonner, und im Foyer schrie Madame Deviers oder irgendeine andere Frau. Rafter duckte sich, und als er wieder hochkam, stieß Umstead ihm seinen kräftigen Ellbogen in die Brust und schob ihn wieder an die Wand zurück.
Halt's Maul, sagte Umstead mit zusammengebissenen Zähnen.
Nennen Sie mich nicht >mein FreundWie möchten Sie denn angeredet werden?, fragte ich, denn ich hatte das Gefühl, dass ich dabei war, so etwas wie der Sprecher der Geiseln zu werden. Ich sagte es sehr leise und mit großem Respekt, und das gefiel ihm.
Mister, sagte er, und alle Anwesenden waren sich einig, dass dies eine sehr gute Anrede sei.
Das Telefon läutete, und für einen Augenblick dachte ich, er werde darauf schießen, doch er machte nur eine Geste mit der Pistole. Ich stellte den Apparat vor ihn auf den Tisch. Er nahm den Hörer mit der linken Hand ab; in der rechten hielt er die Pistole, und die zielte noch immer auf Rafter.
Wenn wir hätten abstimmen dürfen, wäre Rafter das erste Opferlamm gewesen. Acht zu eins.
Hallo?, sagte Mister. Er hörte kurz zu und legte auf. Dann ging er langsam rückwärts zu dem Sessel am Kopfende des Tisches und setzte sich.
Nehmen Sie das Seil, sagte er zu mir.
Ich sollte die acht an den Handgelenken aneinander fesseln. Ich schnitt das Seil in Stücke, machte die Knoten und versuchte, nicht in die Gesichter meiner Kollegen zu sehen, deren Tod ich beschleunigte. Ich spürte förmlich, wie die Pistole auf meinen Rücken zielte. Er wollte, dass alle stramm gefesselt waren, und ich bemühte mich, ihm zu zeigen, wie fest ich das Seil anzog, während ich es in Wirklichkeit so lose wie möglich ließ.
Rafter murmelte etwas, und ich hätte ihn am liebsten geohrfeigt. Umstead konnte, als ich den Knoten geknüpft hatte, die Handgelenke so bewegen, dass die Schlinge fast herabfiel. Malamud schwitzte und atmete flach. Er war nicht nur der älteste von uns, sondern auch der
einzige Teilhaber, und er hatte vor zwei Jahren seinen ersten Herzinfarkt überstanden.
Ich müsste Barry Nuzzo ansehen, meinen einzigen Freund in dieser Runde. Wir waren gleich alt - zweiunddreißig - und zur selben Zeit in die Kanzlei eingetreten. Er war in Princeton gewesen, ich in Yale. Sowohl seine als auch meine Frau stammten aus Providence. Seine Ehe lief gut: drei Kinder in vier Jahren. Meine befand sich im Endstadium eines langen Niedergangs.
Unsere Blicke trafen sich. Wir dachten beide an seine Kinder, und ich fand, dass ich von Glück reden konnte, keine zu haben.
Wir hörten die Erste von vielen Sirenen, und Mister befahl mir, die Jalousien herunterzulassen. Ich machte mich gewissenhaft an die Arbeit und suchte mit den Augen den Parkplatz dort unten ab, als wäre ich in Sicherheit, wenn mich jemand sähe. Ein einsamer Polizeiwagen stand mit blinkenden Lichtern da. Er war leer - die Polizisten waren bereits im Gebäude.
Da waren wir also: neun weiße Jungs und Mister.


Laut letzter Zählung beschäftigten Drake & Sweeney achthundert Anwälte in Kanzleien in aller Welt. Die Hälfte davon arbeitete in Washington, D.C., in diesem Gebäude, in das Mister soeben eingedrungen war. Er befahl mir, den >BossIst bei Ihnen alles in Ordnung, Mike?, fragte er. Mister hatte den Telefonlautsprecher auf größte Lautstärke gestellt.
Alles ganz wunderbar, sagte ich. Bitte tun Sie, was er will.
Was will er denn?
Das weiß ich noch nicht.
Mister machte ein Zeichen mit seiner Pistole. Das Gespräch war beendet.
Auf einen weiteren Wink hin blieb ich neben dem Konferenztisch stehen, nur ein, zwei Schritte von Mister entfernt, der die irritierende Angewohnheit entwickelt hatte, geistesabwesend mit den Drähten an seiner Brust zu spielen.
Er sah hinunter und zupfte an einem roten Draht. Wenn ich den hier rausziehe, ist alles vorbei. Nach dieser kleinen Warnung sahen mich die Augen hinter der Sonnenbrille an. Ich hatte das Gefühl, etwas sagen zu
müssen.
Warum sollten Sie das tun?, fragte ich in dem verzweifelten Bemühen, ein Gespräch in Gang zu bringen.
Ich will es ja gar nicht tun, aber warum sollte ich es lassen?
Seine Ausdrucksweise fiel mir auf. Er sprach in langsamen, gemessenem Rhythmus und verschluckte keine Silbe. Im Augenblick mochte er ein Penner sein, aber er hatte sicher schon bessere Tage gesehen.
Warum sollten Sie uns umbringen?, fragte ich ihn.
Ich diskutiere nicht mit Ihnen, erwiderte er. Keine weiteren Fragen, euer Ehren.
Ich bin Rechtsanwalt und lebe nach der Uhr, und so sah ich auf meine Armbanduhr, damit später alles ordnungsgemäß festgehalten werden konnte - vorausgesetzt, es gelang uns irgendwie zu überleben. Es war zwanzig nach eins. Mister wollte Ruhe, und so ertrugen wir eine nervenaufreibende Stille, die vierzehn Minuten dauerte.
Ich konnte nicht glauben, dass wir sterben würden. Es schien kein Motiv, keinen Grund zu geben, uns zu töten. Ich war mir sicher, dass keiner von uns diesem Mann je zuvor begegnet war, und mir fiel die Fahrt mit dem Aufzug ein und die Tatsache, dass er offenbar kein bestimmtes Ziel gehabt hatte. Er war bloß ein Verrückter, der Geiseln nehmen wollte, und damit erschiene das Blutbad nach heutigen Maßstäben leider als etwas beinahe Normales.
Es war genau die Art von sinnlosem Gemetzel, das vierundzwanzig Stunden Schlagzeilen machen und für Kopfschütteln sorgen würde. Und dann würden Witze über tote Anwälte die Runde machen.
Ich sah schon die Überschriften und hörte schon die Reporter, aber ich weigerte mich zu glauben, dass es passieren würde.
Aus dem Foyer drangen Stimmen, draußen jaulten die Polizeisirenen; irgendwo auf dem Gang krächzte das Sprechfunkgerät eines Polizisten.
Was haben Sie zu Mittag gegessen?, wollte Mister von mir wissen. Seine Stimme durchschnitt die Stille. Ich war zu überrascht, um mir eine Lüge auszudenken, zögerte einen Augenblick und sagte: Gegrillte Hähnchenbrust in Sherrysauce.
Allein
?
Nein, ich war mit einem Freund verabredet. Mit einem ehemaligen Kommilitonen aus Philadelphia.
Wie hoch war die Rechnung für Sie beide?
Dreißig Dollar.
Das gefiel ihm nicht. Dreißig Dollar, wiederholte er. Für zwei Personen. Er schüttelte den Kopf und musterte die acht Prozessanwälte. Wenn er vorhatte, sie zu befragen, dann hoffte ich, dass sie lügen würden. Unter ihnen waren ein paar Feinschmecker, die schon für eine Vorspeise dreißig Dollar ausgaben.
Wissen Sie, was ich zu Mittag gegessen habe?, fragte er mich.
Nein.
Suppe. Suppe und Cracker in einer Obdachlosenunterkunft. Die Suppe war umsonst, und ich war froh, dass ich welche bekommen habe. Wissen Sie eigentlich, dass man mit dreißig Dollar hundert von meinen Freunden satt kriegen könnte?
Ich nickte so ernst, als würde mir soeben die Schwere meiner Verfehlung bewusst.
Sammeln Sie alle Brieftaschen, Geldscheine, Uhren und Schmuckstücke ein, sagte er mit einem Schlenker der Pistole.
Darf ich fragen, warum?
Nein.
Ich legte Brieftasche, Uhr und Bargeld auf den Tisch und begann, die Taschen der anderen Geiseln auszuräumen.
Das ist für die Hinterbliebenen, sagte Mister, und wir alle erbleichten.
Er befahl mir, alles in einen Aktenkoffer zu legen, diesen zu verschließen und dann wieder den >BossRudolph, ich bin's wieder, Mike. Die Freisprechanlage ist eingeschaltet.
Ja, Mike. Ist jemand verletzt?
Nein. Der Herr mit der Pistole möchte, dass ich die Tür, die dem Foyer am nächsten ist, ein Stück aufmache und einen schwarzen Aktenkoffer auf den Gang stelle. Danach werde ich die Tür wieder schließen und verriegeln. Haben Sie verstanden?
Ja.
Die Mündung der Pistole lag an meinem Hinterkopf, als ich die Tür langsam einen Spalt breit öffnete und den Aktenkoffer auf den Gang warf. Ich sah keine Menschenseele.


Nur wenige Dinge stehen zwischen dem Anwalt einer großen Kanzlei und der Freude, honorarfähige Stunden zu berechnen. Eines davon ist
Schlaf, doch die meisten von uns schliefen nur wenig. Essen ist eine durchaus honorarfähige Tätigkeit, insbesondere wenn es um ein Mittagessen geht, das der Mandant bezahlt. Die Minuten schleppten sich dahin, und ich fragte mich, wie die anderen vierhundert Anwälte es anstellten, die Zeit zu berechnen, in der sie darauf warteten, dass die Geiselnahme zu Ende ging. Vor meinem geistigen Auge sah ich sie auf dem Parkplatz, wo die meisten wahrscheinlich in ihren Wagen saßen, um sich warm zu halten, und per Handy mit irgendwelchen Mandanten sprachen, nur damit sie jemandem etwas in Rechnung stellen konnten. Ich kam zu dem Schluss, dass die Geschäfte der Kanzlei reibungslos weiterliefen.
Einigen dieser Halsabschneider dort unten war es vollkommen gleichgültig, wie diese Sache zu Ende ging - Hauptsache, sie ging schnell zu Ende.
Mister schien ein wenig einzudösen. Sein Kinn sackte nach unten, und er atmete tiefer. Rafter machte durch einen kurzen Knurrlaut auf sich aufmerksam und gab mir durch eine Kopfbewegung zu verstehen, ich solle etwas unternehmen. Das Problem war nur, dass Mister in der rechten Hand eine Pistole hatte, und wenn er tatsächlich ein Nickerchen machte, dann tat er es, ohne den gefährlichen roten Draht, den er in der Linken hielt, loszulassen.
Und Rafter wollte, dass ich den Helden spielte. Obgleich er der ausgekochteste und erfolgreichste Prozessanwalt der Kanzlei war, hatte man ihn noch nicht zum Teilhaber gemacht. Er war nicht in meiner Abteilung, und wir waren nicht in der Armee. Ich nahm keine Befehle entgegen.
Wie viel Geld haben Sie im letzten Jahr verdient?, fragte Mister, der einen hellwachen Eindruck machte, mich mit klarer Stimme.
Wieder war ich überrascht. Ich ... äh ... Da muss ich nachdenken ...
Und lügen Sie mich nicht an.
Hundertzwanzigtausend.
Auch diese Auskunft gefiel ihm nicht. Und wie viel haben Sie gespendet?
Gespendet?
Ja. An wohltätige Einrichtungen.
Ach so. Tja, das weiß ich nicht so gen
au. Um die Rechnungen und so weiter kümmert sich meine Frau.
Alle acht Prozessanwälte schienen gleichzeitig von einem Bein auf das andere zu treten.
Auch diese Antwort gefiel Mister nicht, und er war nicht bereit, sich damit abspeisen zu lassen. Wer füllt Ihre Steuererklärung aus?
Sie meinen für die Einkommensteuer?
Genau.
Das macht unsere Steuerabteilung, unten, in der ersten Etage.
In diesem Gebäude?
Ja.
Dann lassen Sie sie kommen. Lassen Sie die Steuererklärungen aller Leute hier im Raum kommen.
Ich sah die anderen an. Ein paar von ihnen machten Gesichter, als wollten sie sagen: Erschieß mich lieber sofort! Ich zögerte wohl etwas zu lange, denn Mister rief: Und zwar sofort. Ein Wink mit der Pistole unterstrich seinen Wunsch.
Ich rief Rudolph an, der ebenfalls zögerte, sodass ich laut werden müsste. Faxen Sie sie uns, rief ich. Nur die vom letzten Jahr.
Während der folgenden fünfzehn Minuten starrten wir auf das Faxgerät in der Ecke, als fürchteten wir, Mister könnte uns erschießen, wenn unsere Steuererklärungen nicht schleunigst übermittelt wurden.







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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll ja, dass wollen wir von Grisham - von Tilman Schneider - 14.11.2008 zu John Grisham „Der Verrat“
So lieben wir John Grisham. Der aufsteigene Anwalt Michal Brock wird völlig aus der Bahn geworfen als ein Obdachloser die Kanzlei stürmt und für ein furchtbares Geisseldrama sorgt. Er verlässt sein Hochglanz Büro und versucht auf der Straße zu arbeiten um dahinter zu kommen, warum der Obdachlose dies getan hat. Was er entdeckt ist furchtbar und viel schlimmer als er erwartet hatte. Ein großartiger packender Thriller vom Meister John Grisham. Wieder einmal packt er ein heißes Thema an und begeistert seine zahlreichen LeserInnen auf der ganzen Welt. Ja, dass wollen wir von Grisham!
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Gelungener Roman, der nachdenklich stimmt - von Michael Kleerbaum - 06.05.2005 zu John Grisham „Der Verrat“
Ein unglaublich leicht geschriebener Roman über ein schwieriges Thema: Obdachlosigkeit und Armut und die diversen Teufelskreise die sich dadurch ergeben. Grisham scheint lange und gründlich im Milieu recherchiert zu haben, zumindest wirkt seine Erzählweise so, als wenn er aus erster Hand wüsste, wovon er da schreibt. Ein Schuss Liebe darf auch nicht fehlen und ein ganzer Haufen Tragik ist auch dabei. Natürlich ist der Hauptdarsteller ein junger Anwalt und ein paar kurze Gerichtspassagen sind auch dabei. Ein gelungener Mix.
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