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Die Chronik der Sperlingsgasse

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Produktdetails
Titel: Die Chronik der Sperlingsgasse
Autor/en: Wilhelm Raabe

ISBN: 3150077265
EAN: 9783150077269
Nachw. v. Ulrike Koller.
'Reclam Universal-Bibliothek'.
Reclam Philipp Jun.

Januar 1997 - kartoniert - 223 Seiten

Ein alter Junggeselle erzählt die Geschichte seines Lebens, seiner Gasse und ihrer Bewohner, in der Handwerker und Arbeiter neben kleinbürgerlichen, mittellosen Intellektuellen wohnen. In der Sperlingsgasse, vornehmlich in den Häusern mit der Nummer 7, 11 und 12 spielen sich die mannigfaltigsten Geschehnisse ab, an denen der Ich-Erzähler Johannes Wacholder mitfühlend und mithandelnd beteiligt ist. Da ist der gräfliche Verführer, dessen Opfer sich ertränkt. Der Sohn aus diesem Bund, Franz Ralff, wächst zusammen mit der Rektorstochter Marie Volkmann und Johannes auf. Diese drei Menschen verbindet eine lebenslange Freundschaft, obwohl Franz, Maler geworden, die auch von Johannes geliebte Marie heiratet. Als Elise, das Kind von Franz und Marie, früh ihre Eltern verliert, nimmt sich Johannes ihrer an. Ihr Spielgefährte Gustav Berg enthüllt sich als ihr Vetter, da seine Mutter eine Tochter des Grafen ist. Gustav, der sich als Maler bewährt, und Elise werden zur Freude von Johannes ein lebensfrohes Paar. Dunkle Szenen geben u.a. die Erzählungen der Mutter Carsten, die in der Franzosenzeit viel Leid erfuhr, das bittere Los des Lehrers Roder und das wechselvolle Leben des Schriftstellers Dr. Wimmer.
Wilhelm Raabe, 8. 9. 1831 Eschershausen bei Holzminden - 15. 11. 1910 Braunschweig. Der Sohn eines Juristen besuchte zunächst die Schule in Holzminden, dann nach dem Tod des Vaters 1845 und dem Umzug der Familie das Gymnasium in Wolfenbüttel. 1849 brach er die Schulausbildung ab und absolvierte bis 1853 eine Buchhändlerlehre in Magdeburg. Nach einem vergeblichen Versuch, das Abitur nachzuholen, ging R. nach Berlin, besuchte die Universität als Gasthörer (1854-56) und schrieb seinen ersten Roman. Danach lebte er als freier Schriftsteller in Wolfenbüttel (1856-62), Stuttgart (1862-70) und Braunschweig (von 1870 an). In Stuttgart gehörte er zu den Mitbegründern der nationalliberalen Deutschen Partei, die für die dt. Einigung unter der Führung Preußens eintrat. Er verließ Stuttgart, weil er sich hier mit seinen politischen Anschauungen isoliert fühlte. Die meisten seiner Werke erschienen zuerst in Fortsetzungen in weit verbreiteten Familienzeitschriften. Seine größten Erfolge erzielte er mit seinem stimmungsvollen Frühwerk Die Chronik der Sperlingsgasse und dem das Modell des Bildungsromans aufgreifenden Hungerpastor, der ein stilles Glück im Winkel verheißt. Im Folgenden wuchs das kritische Potential seiner Bücher (Abu Telfan, Der Schüdderump), die Resonanz beim Publikum ließ nach. Die späteren Romane und Erzählungen stellen sich den Problemen, die die Industrialisierung und die Gründerjahre nach sich zogen, kritisieren Spießertum und Materialismus und entwickeln eine Erzählstruktur, in der einer eher konventionell bürgerlichen Erzählergestalt gesellschaftliche Außenseiter und Sonderlinge als Helden gegenüberstehen, die in ihrer Unangepasstheit das Philistertum bloßstellen. Zahlreichen Texten, etwa einem Drittel der (auch aus ¿nanziellen Gründen äußerst) umfangreichen Produktion, liegen historische Stoffe zugrunde. Auch hier kommt es im Spätwerk zu komplexen Erzählstrukturen, die statt historischer Rekonstruktion zu einer subjektiv gebrochenen, kritischen Darstellung führen. Um 1890 setzte eine Wiederentdeckung v. a. des Frühwerks ein; zu seinem 70. Geburtstag erhielt R. zahlreiche Ehrungen (z. B. Dr. h. c. Göttingen, Tübingen). In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) - © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.


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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Idylle - von Polar - 03.09.2008 zu Wilhelm Raabe „Die Chronik der Sperlingsgasse“
Wilhelm Raabe, der in vielen seiner Geschichten das Zeitgeschehen porträtierte, legt sich in diesem Roman Schranken auf. Es wird nicht aus der Mitte der umstürzenden Ereignisse, dem nackten Überleben, dem Tod und dem Untergang berichtet. Johannes Wacholder wird hier zum Beobachter des Privaten. Wie der Titel verrät zum Chronisten der Liebe, von Elend und Verlust. Sein Eruähler ist, aus dem Zentrum an den Rand gerückt, was womöglich einen schärferen Blick auf die Erlebnisse bietet. Es entledigt ihn aber auch seiner bedingungslosen Anteilnahme. Zwar spielen sich in der Sperlingsgasse, kleinere wie größere Dramen ab, doch unterliegt die Beobachtung der Idylle. Nichts vom einstigen Sturm und Drang auf Veränderungen ist darin zu verspüren, die Dinge sind wie sie sind. So erzählt Raabe vom Rückzug, vom Erinnern, vom beschaulichen Leben angesichts von Schändung, Krieg und Überleben. Eines von Raabes beschaulichen, nur oberflächlich ruhig dahin fließenden Romanen, die dem Leser ein Gefühl für das Leben abseits der Geschichte verleiht.
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