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Caius, der Lausbub aus dem alten Rom

Alle Abenteuer in einem Band. 'Caius, der Lausbub aus dem…
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Produktdetails
Titel: Caius, der Lausbub aus dem alten Rom
Autor/en: Henry Winterfeld

ISBN: 3570034720
EAN: 9783570034729
Alle Abenteuer in einem Band.
'Caius, der Lausbub aus dem alten Rom'.
Empfohlen ab 10 Jahre.
Sonderausgabe.
Illustriert.
Illustriert von Charlotte Kleinert, Fritz Biermann, Hansjörg Langenfass
Bertelsmann Verlag

1. Juli 1986 - gebunden - 384 Seiten

Lausejungen gab es schon im alten Rom! Caius, seine pfiffigen Freunde und ihre Lehrer Xantippus werden in eine Reihe spannender Abenteuer verwickelt, aber Wagemut und List helfen ihnen auch aus den ausweglosesten Situationen.

Enthält die Bände »Caius ist ein Dummkopf «, »Caius geht ein Licht auf« und »Caius in der Klemme«.


Henry Winterfeld (1901-1990) wurde in Hamburg geboren, studierte Musik in Berlin und lebte bis zu seinem Tod als Jugendschriftsteller und Filmautor in Maine, USA. Seine Werke schrieb er hauptsächlich auf Deutsch, viele von ihnen wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Sein größter Erfolg sind die Romane über den römischen Schuljungen Caius.
Rufus nimmt die falsche Laterne mit


Mucius blickte überrascht auf. Die ganze Klasse war plötzlich in ein schallendes Gelächter ausgebrochen und er wusste nicht, warum. Er war in seine Arbeit vertieft gewesen und hatte daher nicht darauf geachtet, was um ihn herum vorgegangen war.
Jetzt entdeckte er, dass Rufus nicht auf seinem Platz saß, sondern hinter Xantippus, dem Lehrer, an der Wand stand. Er musste sich geschickt an ihm vorbeigeschlichen haben. Alle Achtung, das war eine anerkennenswerte Leistung!
Aber darüber lachten die andern nicht; sie freuten sich, dass Caius eins ausgewischt bekommen hatte.
An der Wand hing an einem großen Nagel eine Landkarte des Römischen Reiches; an den Nagel hatte Rufus eine seiner Schreibtafeln gehängt und in das Wachs hatte er mit großen, krakeligen Buchstaben gekritzelt:
CAIUS IST EIN DUMMKOPF


Der Heiterkeitserfolg war groß; denn Caius war wirklich manchmal von aufreizender Begriffsstutzigkeit. Rufus strahlte und verbeugte sich wie ein Schauspieler auf der Bühne. Er ahnte nicht, der Unglückliche, dass sein kleiner Streich so verhängnisvolle Folgen für ihn und seine Freunde haben sollte.
Auch Xantippus, der in einem Buch gelesen hatte, sah erstaunt auf. Ruhe!, donnerte er.
Sofort wurde es still. Rufus duckte sich erschrocken und die andern beugten sich rasch wieder über ihre Arbeit. Sie hatten vor einer Weile laut im Chor griechische Vokabeln aufsagen müssen - ho georgos, der Bauer; ho lykos, der Wolf; to dendron, der Baum; ho hippos, das Pferd, und noch viele mehr - und dann hatte Xantippus ihnen befohlen, sie aus dem Gedächtnis aufzuschreiben.
Jetzt kritzelten sie also emsig drauflos. Mucius flüsterte Antonius, der neben ihm saß, zu: Ist Rufus verrückt geworden? Warum macht er das?
Antonius grinste. Aus Rache, murmelte er zwischen den Zähnen. Caius hat ihn nicht schreiben lassen. Er hat ihn unentwegt mit seinem Griffel in den Rücken gepikt.
Mucius ärgerte sich. Er hat
te Caius schon oft gesagt, dass er Rufus in Ruhe lassen solle. Mucius war der Erste in der Klasse; er durfte daher befehlen und die andern mussten gehorchen. Doch Caius gehorchte nicht gern. Vielleicht redete er sich ein, dass er es nicht nötig habe, weil sein Vater der reiche Senator Vinicius war. Caius war roh und stark, aber eigentlich nicht bösartig; er liebte es nur, plumpe Scherze zu machen.
Aber er war leider auch jähzornig. Er schwoll rot an im Gesicht vor Wut, weil die andern auf seine Kosten lachten, und schrie Rufus ärgerlich zu: Und du bist der Sohn eines Feiglings!
Xantippus war starr vor Staunen. Er glaubte, Caius meine ihn; er hatte noch immer nicht bemerkt, dass Rufus hinter ihm stand.
Ich bin der Sohn eines Feiglings?, fragte er stirnrunzelnd. Was soll das bedeuten?
Doch bevor jemand seine Frage beantworten konnte, ging plötzlich alles drunter und drüber. Rufus liebte seinen Vater abgöttisch und war an seiner verwundbarsten Stelle getroffen worden. Sein Vater, Marcus Praetonius, war nämlich ein berühmter General, hatte aber vor kurzem irgendwo in Gallien eine wichtige Schlacht verloren und das war Rufus' tiefer Schmerz. Er fiel über Caius her, trommelte mit beiden Fäusten auf ihn ein und schrie: Du bist ein ganz gemeiner Lügner!
Caius kippte mit der Bank hintenüber, und während sich die beiden prügelnd auf dem Boden wälzten, sprangen die andern auf die Bänke, um besser sehen zu können, und benahmen sich, als ob sie einem aufregenden Gladiatorenkampf in der Arena zuschauten.
Xantippus wurde auf einmal lebendig und sprang auf. Er trennte die beiden Kampfhähne und stellte sie auf die Beine. Caius und Rufus keuchten und starrten einander wütend an. Rufus' Tunika war am Hals zerrissen, aber auch Caius' einstmals blendend weiße Toga hatte an Schönheit eingebüßt.
Xantippus' Augen funkelten zornig. Mucius!, rief er schwer atmend. Berichte mir sofort, wie es zu dieser beispiellosen Disziplinlosigkeit gekommen ist!
Mucius war w
enig begeistert, aber mit Xantippus war nicht zu spaßen. Er war sehr streng.
Xantippus war ein Grieche und hieß eigentlich Xanthos. Die Jungen hatten ihm den Spitznamen Xantippus gegeben, weil er sie an die selige Xanthippe erinnerte, die Frau des berühmten Philosophen Sokrates. Xanthippe soll immer schlecht gelaunt gewesen sein und ihrem Mann das Leben sauer gemacht haben. Xantippus war auch immer schlecht gelaunt und machte seinen Schülern das Leben sauer. Er verlangte eisernen Fleiß und musterhafte Disziplin von ihnen. Aber er schlug sie niemals und verstand es, sich auf andere Weise Respekt zu verschaffen. Er duldete auch nicht, dass die Sklaven, die die Jungen morgens zur Schule brachten, während des Unterrichts dort blieben, wie es üblich war, sondern verlangte, dass sie abends zurückkamen, um die Jungen abzuholen. Er behauptete, es lenke seine Schüler vom Lernen ab, wenn die Sklaven dabei seien.
Xantippus konnte sich solche Eigenmächtigkeiten erlauben. Er war ein berühmter Mathematiker, der viele Bücher über Kreise, Dreiecke, Diagonalen, Parallelogramme und ähnliches kopfzerbrechende Zeug geschrieben hatte. Seine Schule, die Xanthosschule, war auch eine der teuersten und vornehmsten Grammatikschulen in Rom und nur die reichsten Patrizier konnten es sich leisten, ihre Söhne von Xantippus unterrichten zu lassen. Deswegen hatte er auch immer nur wenige Schüler. Zurzeit waren es nur sieben, und zwar die Knaben Mucius, Rufus, Caius, Publius, Julius, Flavius und Antonius. Sie wohnten zufälligerweise alle nicht weit voneinander entfernt in einer aristokratischen Villengegend auf dem Esquilinushügel und hatten daher denselben Schulweg.
Xantippus wartete noch immer ungeduldig auf Mucius' Antwort.
Schließlich schnauzte er ihn an: Was ist los mit dir? Hast du die Sprache verloren?
Mucius riss sich zusammen. Ich weiß nicht, was los war, sagte er zögernd. Ich habe die griechischen Vokabeln aufgeschrieben und mich um nichts anderes gekümmert.
Darauf
konnte Xantippus nichts erwidern, denn er hatte ihnen ja befohlen, die Vokabeln aufzuschreiben.
Wir haben alle nichts gesehen, rief Antonius.
Xantippus pflanzte sich vor Rufus auf und sagte: Zeig mir sofort deine Vokabeln!
Ich- ich hab sie nicht, stotterte Rufus.
Warum nicht?, fragte Xantippus drohend.
Ich- ich hatte einen Schreibkrampf, murmelte Rufus schwach.
Das war eine dumme Ausrede, aber es war sehr anständig von ihm, dass er Caius nicht verpetzen wollte. Er hätte ja einfach sagen können, dass Caius ihn am Schreiben gehindert hatte.
So? Einen Schreibkrampf?, wiederholte Xantippus eisig. Dann wandte er sich Caius zu. Und du?, fragte er.
Ich? Caius tat außerordentlich erstaunt.
Ja, du, wer sonst? Wo sind deine Vokabeln?
Ich habe keine, brummte Caius achselzuckend.
Warum nicht?, schrie Xantippus ihn an.
Ich hab mir die Dinger einfach nicht merken können, seufzte Caius. Er schien über Xantippus' Zumutung fast beleidigt zu sein.
Ich werde euch die Flötentöne schon beibringen, schnaubte Xantippus. Statt eure Pflicht zu tun, habt ihr euch während des Unterrichts geprügelt. Wer von euch hat damit angefangen?
Caius und Rufus schwiegen.
Aha!, sagte Xantippus. Ihr wollt die Helden spielen. Dadurch zwingt ihr mich, schärfere Maßnahmen anzuwenden. Er richtete seinen Zeigefinger wie einen gezückten Dolch auf Rufus und fragte lauernd: He, was hast du hinter meinem Rücken an der Wand zu suchen gehabt? Sprich, Rufus Marcus Praetonius!
Rufus sprach aber nicht. Verdattert starrte er Xantippus an.
Xantippus drehte sich um und warf einen prüfenden Blick auf die Wand. Er entdeckte die Schreibtafel mit der Aufschrift CAIUS IST EIN DUMMKOPF und explodierte. Ha!, schrie er. Sieh mal an! Ich denke, du hast einen Schreibkrampf gehabt! Na warte, mein Bürschchen! Du sollst mich kennen lernen. Du hast groben Unfug getrieben, statt zu arbeiten. Du hast die Ruhe und Ordnung in der Klasse gestört. Und du hast mich obendrein
noch angelogen. Pack sofort deine Sachen und geh! Die Xanthosschule ist kein Tummelplatz für disziplinlose junge Römer. Morgen gehe ich zu deiner Mutter und bitte sie, dich aus der Schule zu nehmen. Ich werde ihr das Schulgeld zurückgeben. Du bist es nicht wert, dass deine Eltern so viel Geld für dich ausgeben. Dann befahl er den andern, sich sofort wieder auf die Plätze zu setzen und weiterzuschreiben. Aber er hatte Caius nicht vergessen. Und du bringst mir morgen sämtliche Vokabeln, zehnmal in Schönschrift geschrieben!, gab er ihm auf. Und wehe dir, wenn ich einen einzigen Fehler entdecke!
Das Strafgericht war zu Ende. Xantippus kehrte zu seinem Pult zurück und vertiefte sich wieder in sein Buch. Er würdigte Rufus keines Blickes mehr.
Caius setzte sich mit böser Miene, doch Rufus stand wie versteinert und starrte Xantippus entsetzt an. Die andern schielten verstohlen zu ihm hin. Rufus war immer besonders stolz darauf gewesen, zu der Gemeinschaft der Xanthosschüler zu gehören. Er wurde sehr streng erzogen und seine Eltern setzten große Hoffnungen auf ihn. Das teure Schulgeld war eine harte Belastung für sie. Sein Vater war zwar ein berühmter General, aber er war nicht reich. Er brauchte immer sehr viel Geld für die Ausrüstung seiner Legionen.
Rufus lief plötzlich zu Xantippus hin und bat ihn erregt: Bitte, geh morgen nicht zu meiner Mutter! Gib mir lieber eine andere Strafe!
Xantippus winkte nur ärgerlich ab. Deine Reue kommt zu spät, brummte er unfreundlich. Er schaute nicht einmal von seinem Buch auf.
Hinter der ausgebreiteten Papyrusrolle waren nur seine zerzausten grauen Haare und sein Spitzbart zu sehen.
Rufus ging langsam zu seinem Platz zurück und sammelte seine Schulsachen auf, die bei der Prügelei mit Caius runtergefallen waren. Dabei unterlief ihm ein kleines Versehen, das an und für sich unbedeutend war, das aber später eine wichtige Rolle spielen sollte. Mucius hatte, als er bei dem allgemeinen Tumult auf seine Bank gesprungen wa
r, seine Handlaterne dabei runtergestoßen und vergessen, sie aufzuheben. Es war eine hübsche, bronzene Laterne, in die sein Name, Mucius Marius Domitius, eingraviert war. Rufus packte sie irrtümlich zu seinen Sachen; er hielt sie wahrscheinlich für seine eigene, die weiter weg unter eine Bank gerollt war, und Mucius nahm sich vor, die Sache am nächsten Tag in Ordnung zu bringen, da er Rufus jetzt damit nicht kommen wollte.
Aber er bekam seine Laterne erst viel später und auf überraschende Weise zurück.
Nachdem Rufus mit dem Verpacken seiner Schulsachen fertig war, hüllte er sich umständlich in seinen Mantel. Es war ein hausgewobener Wettermantel aus Wolle, der ihm etwas zu kurz war. Mucius fiel auf, dass der Mantel auf der linken Schulter einen langen Riss hatte, der mit etwas dunklerer Wolle sauber gestopft worden war.
Rufus warf noch einen letzten, vergeblichen Blick auf Xantippus, dann trat er zögernd auf die Straße hinaus.
Die Xanthosschule lag in der Breiten Straße, die tagsüber immer sehr belebt war. In der Nähe war das Forum Romanum, der große Hauptverkehrsplatz mit der Rednertribüne, den vielen öffentlichen Gebäuden, Tempeln und Denkmälern, der auf der ganzen Welt berühmt war und als Mittelpunkt des Römischen Reiches galt.
Die Breite Straße war eine vornehme Geschäftsstraße. Xantippus hatte sie für würdig befunden, hier seine Schule aufzumachen, und er hatte für diesen Zweck ein kleines Haus gemietet. Das Schulzimmer lag zu ebener Erde und war in seiner ganzen Breite nach der Straßenseite offen, sodass die Jungen gewissermaßen auf dem Präsentierteller saßen. Aber daran hatten sie sich längst gewöhnt und die Passanten kümmerten sich auch nicht viel um sie. Der Anblick von Schülern, die lernend in der Schule saßen, war ihnen vertraut; viele billige Schulen waren sogar nur in öffentlichen Säulengängen untergebracht.
In der Nachbarschaft war die Xanthosschule wenig beliebt. Der Unterricht begann nämlich schon vor Sonnenaufgang und dadurch
wurden die Leute um ihren Morgenschlaf gebracht. Aber das ließ sich nicht ändern; die Jungen gingen schließlich nicht zu ihrem Vergnügen in die Schule, sondern um gebildete und gut erzogene Bürger zu werden.
Rufus war ein Stück die Breite Straße in der Richtung zum Forum hinuntergegangen, doch an der ersten Ecke blieb er unschlüssig stehen und setzte sich schließlich auf ein Weinfass, das vor einem Wirtshaus an der Mauer angekettet war.
Mucius konnte ihn von seinem Platz aus sehen und wunderte sich, warum Rufus wohl so lange dort sitzen blieb. Sollte er seinen Kummer schon vergessen haben? Er schien sich lebhaft für den dichten Straßenverkehr zu interessieren.
Die Sonne war hinter dem Janiculushügel untergegangen und es begann, dunkel zu werden. Am wolkenlosen Abendhimmel waren schon ein paar Sterne zu sehen. Die Breite Straße war gedrängt voller Menschen, von denen die meisten aus den nahe gelegenen Hallenschwimmbädern auf dem Marsfeld kamen. Ihre Sandalen klapperten ununterbrochen auf dem Steinpflaster, laute Gesprächsfetzen und Gelächter übertönten hin und wieder das summende Stimmengewirr. Bettler knieten am Straßenrand und flehten die achtlos Vorübereilenden um Almosen an und mehrere Straßenverkäufer schrien sich heiser, um in der späten Stunde noch ihre heißen Würstchen, in Honig getränkten Feigen, Oliven, Fruchtkuchen und andere wohlfeile Leckerbissen loszuwerden. Eine Abteilung der Prätorianergarde mit Brustpanzern und geschulterten Bambuslanzen marschierte in militärischer Ordnung vorbei; vorneweg ein junger Offizier mit kurzem Schwert und wehendem Federhelm. Gleich hinterher kam ein großer Bauernwagen, der von zwei stämmigen Maultieren gezogen wurde und turmhoch mit Gemüse beladen war. Seine plumpen Räder machten auf dem holprigen Fahrdamm einen ohrenbetäubenden Lärm. Als er gerade an der Schule vorbeiratterte, musste er anhalten; denn von der andern Seite kam ihm eine Sänfte entgegen, die von acht prunkvoll livrierten Afrikanern getragen wurd
e. Es entstand eine Verkehrsstockung und sofort sammelte sich eine Menschenmenge an. Der Vorläufer der Sänfte schlug rücksichtslos mit seinem Stock um sich und schrie: Platz für Seine Exzellenz! Platz für Seine Exzellenz!
Die Leute wichen beiseite und der Kutscher fuhr seinen Wagen zur Hälfte auf den schmalen Bürgersteig hinauf, um die Sänfte vorbeizulassen.
In der Sänfte saß ein dicker, glatzköpfiger Mann. Er hatte eine Senatorentoga mit zwei roten Streifen an, las in einem Buch und fächelte sich mit einem Fächer. Er musste ein sehr hoher Würdenträger sein, denn er hatte ein besonders großes Gefolge von Sklaven und Bewunderern.
Die Leute am Straßenrand begrüßten ihn durch laute Zurufe und einige liefen sogar hin und küssten ihm die Hand. Andere machten Witze, über die die Umstehenden lachten.
Der Dicke schaute auf und Mucius erkannte ihn jetzt an einer großen Narbe, die sich quer über die Glatze zog. Es war Exkonsul Tellus. Er war vor vielen Jahren ein berühmter Feldherr gewesen. Jetzt lebte er zurückgezogen von den vielen Millionen, die er auf seinen erfolgreichen Kriegszügen erbeutet hatte.
Als die Afrikaner mit der Sänfte weitertrabten, winkte Tellus der Menge noch einmal huldvoll mit seinem Fächer zu, dann verschwand er aus Mucius' Gesichtskreis. Der Bauernwagen setzte sich auch wieder in Bewegung und polterte in der Richtung zum Forum davon.
Wie gut, dachte Mucius sich, dass schwere Fuhrwerke am Tage nicht in die Stadt gelassen werden; sie würden in den engen Gassen ständig heillose Verkehrsverwirrungen anrichten.
Nun gab es eigentlich nichts mehr zu sehen. Die Straße begann zu veröden und nur noch ein paar Nachzügler hasteten vorbei, sichtlich bestrebt, so rasch wie möglich vor dem Einbruch der Nacht nach Hause zu kommen. Die Bettler und Straßenverkäufer waren auch verschwunden. Zwei Nachtwächter mit langen Feuerhaken auf den Schultern tauchten auf der andern Straßenseite auf und schlenderten von Geschäft zu Geschäft und prüften, o
b auch die Läden davor gut verschlossen waren.
Rufus saß noch immer auf dem Weinfass und starrte vor sich hin. Vielleicht wartete er auf seine Freunde und die Sklaven, die jeden Augenblick kommen mussten, um die Jungen abzuholen. Aber plötzlich sprang er auf, lief über den Fahrdamm und verschwand um die Ecke in eine Seitenstraße, die am Marsfeld vorbei zu der großen Brücke über den Tiber führte.
Mucius war erstaunt und beunruhigt darüber. Rufus musste, wenn er nach Hause wollte, über das Forum gehen; er schlug aber die entgegengesetzte Richtung ein.
Es war schon sehr spät; die erste Stunde der Nacht hatte begonnen und kein Mensch ging gern nachts allein durch die völlig unbeleuchteten Straßen.
Vielleicht hat er nur einen kleinen Umweg vor, sagte sich Mucius. Er hat es wahrscheinlich heute Abend bestimmt nicht eilig, seine Mutter zu sehen.
Dieser Gedanke beruhigte ihn und er machte sich endlich daran, die langweiligen griechischen Vokabeln fertig zu schreiben. Kurze Zeit später dachte er nicht mehr an Rufus.









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