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Wie Wölfe mit Vertrauen führen ...

. und was menschliche Chefs davon lernen können.
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Produktdetails

Titel: Wie Wölfe mit Vertrauen führen ...
Autor/en: Irina Schefer

EAN: 9783864142154
Format:  EPUB
. und was menschliche Chefs davon lernen können.
REDLINE Verlag

14. April 2011 - epub eBook - 252 Seiten

Jahrhundertelang wurden Wölfe zu Unrecht als Bestien verfolgt und fast ausgerottet. Umso absurder, dass sich so mancher Chef einen martialischen Alphawolf zum Vorbild nimmt, um damit sein autoritäres Gebaren zu rechtfertigen. Dabei stellen aktuelle Forschungsergebnisse diese alten Denkmuster auf den Kopf: Wölfe verfügen über ein hohes Maß an sozialer Intelligenz. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Tierparks zeigt die Autorin, wie man von der intelligenten Führungsstrategie der Wölfen lernen kann. Der Schlüssel für erfolgreiche "Rudel" heißt sowohl bei Menschen als auch bei Tieren: Vertrauen. Für den Leitwolf ist es schlicht eine Überlebensfrage, seiner Gruppe ein zuverlässiger Anführer zu sein und sie als gut funktionierendes Team zusammenzuhalten.
Irina Schefer - Managementtrainerin, Beraterin und Coach - ist seit 20 Jahren "Impulsgeberin aus Leidenschaft" in den Bereichen Führung, Teamwork und Kommunikation. Ihre Seminare in Wildgehegen und Tierparks sind regelmäßig ausgebucht. Zu ihren Aufraggebern gehören u.a. AEG, Bayer-Schering, die Bayerische Landesbank, BMW, Daimler, Lufthansa und Volkswagen. Die Diplom-Politologin ist auch als Rundfunk- und Zeitungsjournalistin tätig und veröffentlicht regelmäßig in Fachzeitschriften wie "managerseminare".

Einleitung: Vertrauen ist wichtiger als Rang – warum wir von Wölfen lernen können


 

Von der Natur lernen, ja, das liegt im Trend. Das wollen wir. Es werden jedenfalls immer mehr, die das sagen. Wir wollen es wieder, nachdem wir oft genug und schmerzlich erleben mussten, dass wir mit unserem menschlichen Verstand den vermeintlich primitiven Tieren und Pflanzen keineswegs überlegen sind. Die Natur hat eine unglaublich beeindruckende Entwicklungs- und Erfolgsgeschichte aufzuweisen. Sie hat Katastrophen und Krisen standgehalten und für alle möglichen Probleme Lösungen gefunden. Sie ist schön, die Natur, sie ist gesund. Auch wenn sie manchmal im Kampf gegen uns Menschen zu verlieren scheint. Sie tut uns gut, sie ist gut.

Doch wie ernst ist es uns Menschen damit wirklich, und was bedeutet es, von der Natur zu lernen? Warum muss ich ein ganzes Buch darüber schreiben, und warum sollten Sie es lesen? Von Wölfen lernen – so etwas ist für manche Menschen ohnehin ungewöhnlich. Es ist schnell dahingesagt: »Ja, lernen wir doch mal von der Natur!« Viele Menschen nicken zustimmend, wenn dieser Satz fällt. Aber von der Natur zu lernen, das bedeutet mehr als nur zu mahnen, gesünder zu essen oder sich öfter mal eine Auszeit zu nehmen. Wenn wir als moderne Menschen von der Natur lernen wollen, dann müssen wir bereit sein, uns und unser Leben unter Umständen sehr weitgehend infrage zu stellen. Ein bisschen »öko« reicht nicht.

Also noch einmal: Was können wir moderne Menschen von der Natur lernen? Sehr ernsthaft gehen dieser Frage Philosophen und Psychologen nach, aber es beschäftigen sich auch Naturwissenschaftler damit, und – besonders spannend für dieses Buch – Wirtschaftswissenschaftler und Managementexperten. Es hat sich eine ganze Fachrichtung daraus entwickelt, un
d sie hat einen Namen: Die Rede ist von der Bionik.

 

Bionik: Der Mensch fragt, die Natur antwortet


Der Begriff »bionic« fiel erstmals 1960 in den USA. »Bionik« setzt sich aus »Biologie« und »Technik« zusammen. Kein Zufall, denn tatsächlich waren die Vorreiter der Bionik Naturwissenschaftler. Sie schauten sich Konstruktionen von der Natur ab. Allen voran die Flugtechniker, die die Vögel studierten, um zu lernen, wie das Fliegen funktioniert: wie Leonardo da Vinci, Otto Lilienthal, um nur zwei zu nennen. Es gab aber auch U-Boot-Bauer, die sich an Fischen orientierten, oder Erfinder wie den Schweizer George de Mestral, der sich von Pflanzen – den Kletten – zur Erfindung des Klettverschlusses inspirieren ließ. Bionik bedeutet, gezielt und systematisch in der Natur nach Strukturen zu suchen, mit denen sich technische Probleme lösen lassen. Ein bekannteres Beispiel gibt es in der Erforschung und Entwicklung von Oberflächenstrukturen. Vielleicht haben Sie schon davon gehört, welche hervorragenden Eigenschaften an der Haifischhaut entdeckt wurden. Ihre Oberfläche hat spezielle Rillen, die den Widerstand bei Bewegung extrem verringern. Diese Struktur wird seither für aerodynamische Zwecke imitiert – bei Flugzeugen beispielsweise oder bei den Schwimmanzügen der Spitzensportler.

In jüngster Zeit haben auch Unternehmenslenker und Managementexperten die Bionik entdeckt, als einer der bekanntesten der Schweizer Unternehmensberater und Management-Lehrer Fredmund Malik. Diese neue Wissenschaft ist die Wirtschaftsbionik. Sie analysiert, was Manager und Unternehmen von der Natur, von Tieren und Pflanzen lernen können. Sie erforscht die genialen »Erfindungen« der Schöpfung und versucht, diese verblüffend kreative Ideenbörse für die Menschheit nutzbar zu machen«.[1]

Beispiels
weise geht es um die Frage, wie Hunderte, Tausende Ameisen so perfekt organisiert zusammenarbeiten können, ohne dass jemand ihnen sagt, was sie zu tun haben. Ähnlich faszinierend ist die Schwarmintelligenz der Heringe oder der Ideenwettstreit bei den Honigbienen. Wie schaffen es die Tiere, sich so perfekt aufeinander abzustimmen, komplexe und treffsichere Entscheidungen ganz ohne Führung zu treffen? Dafür interessieren sich etwa Logistiker. So entwickelten die Distributionslogistiker der US-amerikanischen Liquid Gas Company ein System, mit dem sie jeweils die schnellsten Transportstrecken mit dem geringsten Energieverbrauch fanden. Vorbild war die gemeinsame Routenplanung der Ameisen, wenn sie Nahrung in den Bau bringen.[2] Der amerikanische Gashersteller American Air Liquide, der nach dem Vorbild der Ameisen die Überwachung seiner Anlagen optimiert hat, konnte Einsparungen im zweistelligen Millionenbereich vorweisen.[3]

Eine andere Erkenntnis aus der Erforschung der Schwarmintelligenz zog der US-Konzern W. L. Gore & Associates für seine Organisationsentwicklung: Von der Natur lernte man, dass die Steuerung komplexer Systeme nur funktioniert, solange eine bestimmte Zahl an Mitgliedern nicht überschritten ist. Daraus errechnete das Unternehmen, dass in keinem seiner Werke mehr als 200 Menschen arbeiten sollten.[4]

Der Reichtum der Natur an Vorbildern ist unerschöpflich. Marketingfachleute lassen sich vom Balztanz der Pfaue inspirieren, Kommunikationsexperten schauen, wie Hunde mit ihrer extrem guten Spürnase höchste Wahrnehmungsleistungen vollbringen. Elefantenkühe, die über Hunderte Kilometer Wasserstellen orten, inspirieren Wissensmanager, und vom Zusammenhalt bei den Zwergmungos können sich Arbeitsteams eine Menge abschauen.[5]

Es sind höchst unterschiedliche Erkenntnisse, die die Natur uns bietet. Sie hat eine große Vielfalt an Lös
ungen entwickelt. Deshalb wäre es auch falsch, nach der einen, der einzigen Lösung zu suchen, die auf alles passt. Die Natur bringt so viele verschiedene Systeme und Mechanismen hervor, weil es so viele verschiedene Herausforderungen gibt. Welche Antwort sie uns gibt, hängt deshalb davon ab, welche Frage wir ihr stellen. Für die Logistiker sind Ameisen interessant; Organisationsentwickler profitieren von der Beschäftigung mit Schwarmintelligenz; Hyänen und Löwen bieten Anregungen für Kommunikationsfachleute. Nicht nur für Organisationen, auch für Individuen hat die Natur Antworten. So haben in den vergangenen Jahren tiergestützte Coachings zugenommen. Zunächst wurde vor allem mit Pferden gearbeitet. Sie bieten den Klienten die Möglichkeit der Selbsterfahrung. Wer einmal mit Pferden kommuniziert hat, wird sich selbst im Anschluss daran in Kommunikation und Führung ganz neu erleben. Andere Coachings oder Workshops leben weniger vom direkten Kontakt mit dem Tier als von der Beobachtung. Im Gelsenkirchener Zoo beispielsweise lernen Manager aus der Beobachtung von Affen etwas über den Umgang mit Mitarbeitern und Kollegen.[6]

Und was ist nun mit den Wölfen?

 

Wölfe und Führung


Ich schreibe dieses Buch über Wölfe, weil sie die vielleicht beste Antwort der Natur auf jene Fragen sind, die wir an das Thema Führung stellen.

Wir hatten die Wölfe fast vergessen, denn in unseren europäischen Lebensräumen waren sie jahrhundertelang so gut wie ausgerottet. Es ist auch heute noch nicht einfach, ihnen in freier Wildbahn zu begegnen. Erst nach und nach siedeln sie sich wieder in unseren Wäldern an. Nach wie vor muss man in die großen Nationalparks in Kanada oder in den USA fahren, um, mit ein bisschen Glück, wild lebende Wolfsrudel zu beobachten.

Auch für mich waren Wölfe die meiste
Zeit meines Berufslebens als Coach und Beraterin kein Thema. Dabei habe ich eigentlich einen ganz persönlichen Bezug zu diesen Tieren. Ich verbrachte als Kind viel Zeit bei meiner Großmutter, die im Osten Polens in der Nähe der russischen Grenze aufgewachsen war. Und dort war es keine Seltenheit, wilden Wölfen zu begegnen. Ich weiß noch, wie fasziniert ich war, als sie mir davon erzählte, wie sie mit ihrem Vater und mit ihren Geschwistern nachts nach dem Holzsammeln in einem Pferdeschlitten durch den Wald nach Hause fuhr, und sie von einem Wolfsrudel verfolgt wurden. Die Wölfe hatten es auf die Pferde abgesehen. Normalerweise wagen sich Wölfe nicht in die Nähe von Menschen, doch durch den strengen Winter waren sie extrem hungrig und geschwächt und riskierten alles, um an die so lebenswichtige Nahrung zu kommen. Zudem geben in Geschirren laufende Pferde für Wölfe ein »krankes« Laufbild ab, sehen also nach leicht zu erjagender Beute aus. Mein Urgroßvater wusste sich zu wehren, er musste ja auch seine Kinder und die Pferde beschützen. So schlug er mit einer Reitpeitsche immer wieder nach den Wölfen, erwischte wohl auch einen, wie das Aufheulen zeigte … Die Begebenheit war natürlich furchterregend, aber meine Großmutter charakterisierte die Tiere auch als Gruppe mit festem Zusammenhalt, bereit, um ihr Leben zu kämpfen.

Bei mir hat das einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich habe Zeit meines Lebens viel Sympathie für Wölfe empfunden. Fast 15 Jahre lang war eine Alaskan-Malamute-Hündin meine ständige Begleiterin: eine Schlittenhundrasse, die sich aus halbwilden Wolfsabkömmlingen entwickelt hat und die sich in ihrem ursprünglichen Lebensraum Yukon/Alaska auch heute noch bisweilen mit Wölfen paart.

Dass meine Liebe zu diesen Tieren über ein privates Interesse hinausgehen könnte, d&a
uml;mmerte mir zum ersten Mal, als ich auf die Originalausgabe des Romans »Lang Tuteng« (»Wolfstotem«) stieß. Autor ist der chinesische Ex-Dissident und Wirtschaftsprofessor Jiang Rong. Sein autobiografischer Roman handelt von den nomadisierenden Viehzüchtern in der Inneren Mongolei, die sich, mit dem Wolf als Totemtier, gegen die Übermacht der Han-Chinesen und deren...


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