"Ich bin ein weiblicher Spanner! schoß es mir durch den Kopf."
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INHALT:
Die 52-jährige Rosemarie Hirte sinniert über ihr Leben als alleinstehende Frau:
Mit den Männern wollte es nie so recht klappen, Familie hat sie auch nicht. Sonst kreuzen sich ihre Wege lediglich hin und wieder mit denen von Freundin Beate und Arbeitskollegin Frau Römer. Rosemarie fühlt sich einsam.
Dafür gilt sie als karrierebewusst, verdient als Sachbearbeiterin gutes Geld, reist gerne und ist mit ihrem Aussehen zufriedener denn je.
Unerwartet verguckt sie sich auf einer zunächst wenig versprechenden Lyrik-Lesung augenblicklich in den Lehrer Rainer Witold Engstern.
Erst geht sie täglich mit Frau Römers Hund an Witolds Haus vorbei, bis sie ihn schließlich aus seinem Garten heimlich beobachtet.
Nach und nach wächst in ihr das Verlangen, diesen Mann unbedingt für sich haben zu wollen. Dafür würde sie alles tun! Sogar, über Leichen gehen. Und das geschieht manchmal schneller, als man denkt ...
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MEINUNG:
Für manche mag Ingrid Nolls Schreiben etwas altbacken wirken - mir gefällt ihr Stil. Er bringt Abwechslung in mein Lesen und ist mir lieber als manche moderne und obszöne Werke anderer Schriftsteller.
Ich stelle mir dann beim Lesen Ingrid Noll schreibend als ältere Dame vor und frage mich, wie sie zu ihren teils doch absurden Geschichten kommt.
Für mich sind ihre Bücher mittlerweile ein "Nachhause-Kommen". Ich weiß, was mich in etwa erwartet und dass es mir vermutlich behagen wird.
Jedes Mal erfreue ich mich an der feinen Prise ihres schwarzen und unterschwelligen Humors, gewürzt mit einem Hauch Ironie.
Ich musste schon etwas schmunzeln, wie sich die Protagonistin in "Der Hahn ist tot" in den Garten des Lyrik-Referenten schleicht und ihn heimlich von dort beobachtet.
Inhaltlich geht es neben den Morden viel um verzwickte Beziehungen, Eifersucht und was diese anrichten kann.
Wer besonders realistische Krimis sucht, ist hier fehl am Platz. Die Autorin überspitzt bei ihren "versehentlichen" oder gar "notwendigen" Morden schon ordentlich, was aber für mich seinen eigenen Reiz haben kann.
Lediglich bei der Täterin und bei ihren aus der Ich-Perspektive geschilderten Vergehen fehlten mir die Gefühle und Gedanken vor sowie im Moment der jeweiligen Tat.
Und ich fand die Leute in der Umgebung der Mörderin zu lange zu naiv.
Dennoch hat mich Ingrid Noll erneut von ihrem Schreiben überzeugt. Und ich freue mich auf all die noch ungelesenen Werke von ihr - mögen sie niemals enden!
4/5 Sterne für diesen soliden und unterhaltsamen Debütroman!