eBook.de : Ihr Online Shop für eBooks, Reader, Downloads und Bücher
Connect 01/2015 eBook-Shops: Testsieger im epub Angebot, Testurteil: gut Die Welt: Kundenorientierte Internetseiten Prädikat GOLD
+49 (0)40 4223 6096
€ 0,00
Zur Kasse

Halbinsel Judatin

Sofort lieferbar (Download)
eBook ePub

Dieses eBook können Sie auf allen Geräten lesen, die epub-fähig sind. z.B. auf den tolino oder Sony Readern.

Häufig gestellte Fragen zu epub eBooks und Watermarking

eBook € 9,99* inkl. MwSt.
Verschenken
Machen Sie jemandem eine Freude und
verschenken Sie einen Download!
Ganz einfach Downloads verschenken - so funktioniert's:
  1. 1 Geben Sie die Adresse der Person ein, die Sie beschenken
    möchten. Mit einer lieben Grußbotschaft verleihen Sie Ihrem
    Geschenk eine persönliche Note.
  2. 2 Bezahlen Sie das Geschenk bequem per Kreditkarte,
    Überweisung oder Lastschrift.
  3. 3 Der/die Geschenkempfänger/in bekommt von uns Ihre Nachricht
    und eine Anleitung zum Downloaden Ihres Geschenks!

Produktdetails

Titel: Halbinsel Judatin
Autor/en: Oleg Jurjew

EAN: 9783990271162
Format:  EPUB
Jung und Jung Verlag

26. Februar 2014 - epub eBook - 302 Seiten

Zwei jüdische Jungen am Rande der zerbrechenden sowjetischen Welt: ein grandioses Sprach- und Fantasiespektakel, das den Leser mitreißt ... Dieses Buch, ach was: "diese Wort-Arche aus Rotz und Heiligkeit" ist so quicklebendig, wie es nur die Erinnerung an die Kindheit und alle versunkenen Reiche dieser Welt sein kann: Während im fernen Moskau Gorbatschow das Ruder übernimmt und die UdSSR langsam und sicher auf ihr Ende zusteuert, liegen im noch ferneren Judatin, einem öden Winkel nahe der sowjetisch-finnischen Ostseegrenze, zwei Bengel krank im Bett. Der eine verbringt hier seine Ferien und träumt von Marilyn Monroes Titten; der andere, Abkömmling von Kryptojuden, die sich vor Jahrhunderten in dieser Einöde vor dem Zaren versteckt haben, fiebert nach seiner Beschneidung der Ankunft des Propheten Elias entgegen. Sie stammen aus verschiedenen Universen, wie alle Pubertierenden bewohnen sie aber dasselbe Haus: Nur durch hellhörige Wände voneinander getrennt, lauschen sie mit spitzen Ohren, um zu verstehen, was um sie herum vorgeht, und setzen sich daraus in ihren erhitzten Gehirnen die Welt zusammen. Als sie hören, ein russischer Junge sei entführt worden, um für das jüdische Osterfest geopfert zu werden, sorgen sie sich: um sich und den anderen - weil sie glauben, nur sie selbst seien Juden.Aus dem Russischen von Elke Erb unter Mitwirkung von Sergej Gladkich
Oleg Jurjew geboren 1959 in Leningrad, wo er in den 1980er Jahren als führender Autor der Leningrader Avantgarde galt. Er lebt seit 1990 als Lyriker, Dramatiker, Essayist und Erzähler in Frankfurt am Main.

KAPITEL 1 und I


1. WIE DIE LEICHE SICH NÄHRT, SO SCHAUT SIE AUCH RAUS


Hör, Semjonowna, ich hab dir was zu erzählen … – Alte, du fällst um, auf der Stelle, beim Kreuz … Dieser Bengel, kennst du den, diese Rotznase? na, vom Packhaus der, kommt dreimal am Tag angetrottet, sich die Pionerskaja Prawda holen von mir … ach, du kennst den – so ein Stiller! … Ja, also: eine Woche schon, kannst du rechnen, war er nicht mehr da, gut eine Woche … oder noch länger, und NIEMAND HAT IHN GESEHN … – und die Verkäuferin Werka, aus dem Inneren des Kiosks »Lebensmittel. Kulturwaren. Petroleum.« weißleuchtend mit ihrem großen Gesicht, gelbleuchtend mit ihrer mächtigen Frisur, stieß mit dem Nagel des kleinen Fingers (pikgleich zugespitzt, herzgleich zugeklebt mit Alufolieherzchen) einen Batzen schwarzkörnige Sülze (an der Schnittfläche durchgestoßen von ihr und gleich wieder zugewachsen) durch den Schlund eines leeren Birkensaft-Dreiliterglases (das ihr über den mit changierend-bläulichem Blech beschlagenen Ladentisch von außen hingehalten wurde). – Und läßt sich überhaupt nicht blicken irgendwie … Willst du im Stück oder geschnitten? … Kann gar nicht anders sein, als daß diese Juden vom Packhaus ihn geschlachtet haben … – für denen ihr Ostern. Und sie weitete, die Mull-Ärmelschoner hochstreifend, triumphierend die für einen Moment ihr Blau verlierenden Augen. Unsichtbar hinter dem fadenscheinigen wollenen Kopftuch und dem Mantelstoff-Rücken der Semjonowna hockte ich mich hin und begann, bemüht, die glänzenden Hacken ihrer Galoschen nicht mit meinen Atemwölkchen zu beflecken, erneut die mit langschlaufigen Flecken umgebenen Halterungen
meiner stubsnasigen »Karelotschka«-Skier hineinzudrücken und zuschnappen zu lassen. Die Halterungen verrutschten, sprangen ab und schlugen schmerzhaft an die vereisten Finger.

Durch die Stube schiebt sich (die Augen füllend und sich mit den Kanten der Dinge anfüllend) ein schräger bläulicher Streif, vom Wandspiegel entzweit und verdoppelt. Über meinem verschnupften Nasensattel (dem zwischen den ein wenig nach innen gekrümmten Hörnern des Kissens konkav aufglänzenden). Über das Kopfteil des Betts (das obere Gitter zu vernickeltem Glanz ansteckend; doch die Löchlein für die unwiederbringlich abgeschraubten Kügelchen sind schwarz). Durch das oben spitze Schießschartenfenster (sein unteres Drittel ist mit einem Gardinchen zugepinnt, einem glanzlosen, ungleichmäßig in kleinen Wülstchen gebauschten). Her von dem gußeisernen Meer, das sich hufeisenrund um das immer noch schneebedeckte Ufer legt. Von dem an der letzten Ausbuchtung der sowjetischen Meere stehenden Rotbanner-Orden-Flugzeugmutterschiff »Der wahre Mensch« (dieses grausige Buch von Boris Polewoj hat mir im vorvorigen Sommer meine Großtante Zilja vorgelesen – von einem beinlosen Flieger, der einen Igel aufaß). Am Heck des Flugzeugmutterschiffs – fast unsichtbar in dem Lichtdunst neben dem Strahl und in der plötzlichen Schwärze, wenn der Strahl vorüber ist, befindet sich der Zerstörer »Dreißigster Jahrestag des Sieges«, klein wie eine Jolle. In einem Monat wird man ihn in »Vierzigster Jahrestag« umbenennen, doch das ist noch ein Militärgeheimnis; als wir in der Bezirkskommandantur an der Sadowaja den Passierschein ins Grenzgebiet bekamen, unterschrieben wir, nichts davon zu sehen und zu hören. Ich habe nicht unterschrieben – als minderjähriger Stift, sagte der Diensthabende vo
m Bezirk. Für mich hat Lilka unterschrieben, sie ist schon groß. Praktisch erwachsen – sie hat schon richtige Brüste mit Warzen wie die Enden von geräucherten Würstchen und einen Mann, Jakow Markowitsch Permanent.

Die Küchentür ist links, oben und unten von Licht umrissen. Hinter der Tür schnauft etwas, pfeift dazu und ächzt. Dann erstirbt es für eine Sekunde und schmatzt wohlig-schmerzlich mit einem Nachröcheln: Jakow Markowitsch Permanent hört die Stimmen des Feindes. »Ich verstehe nichts, Lilkindchen! Weiß der Teufel, was das soll! Fisimatuckelt nicht! Der Gottesdienst hätte längst anfangen müssen, im Bi-Bi-Ssi!« – sagt Jakow Markowitsch Permanent und hebt – ohne sich umzuwenden – vom Radio der Vermieterin, einer alten Rigaer »Sakta«, sein rötliches Gesicht mit der schmalen gewölbten Stirn und dem von der Wangenmitte an sich nach unten verjüngenden Bart, einem so dichten, hellen und festen, als sei er einmal eingeseift und dann so gelassen worden – nicht abrasiert, doch auch nicht abgespült.

»Hier wird nie gestört, in dieser Ödnis jenseits aller Grenzen – das fehlte noch – hier zu stören. Nein, da ist was passiert! Das ist sonnenklar, da ist wieder was passiert!«

Er bückt sich erneut zum Sender – buckelkrumm – auf dem quietschenden Hocker und berührt mit dem aus der Stirn gekämmten Haar die gelbe, mit Wollfäden quer durchsteppte Stoffblende der »Sakta«. Der Bart gleitet, mit angedrückter Spitze, über die vom Rauchen verfärbten Tasten, die kleinen Finger mit den sauberen länglichen Nägeln drehen den von feuchten Halbkreisen befleckten Senderwahlknopf erbittert mal rechts, mal links bis zum Anschlag. Über die Skala mit den von innen
angeleuchteten Strichelchen, Ziffern und Namen ausländischer und unserer Städte zuckt das aufrechte rote Fädchen hin und her. »Leiser, du weckst den Jungen«, bittet Lilka teilnahmslos in seinen von aschenen Locken verhüllten Nacken hinein, hebt den braunen, von verschieden großen Muttermalen dicht bestreuten Arm in dem zurückfallenden Ärmel hoch und reibt sich mehrmals rasch das Jochbein an den Falten des Oberarms. Die gußeiserne Klappe des Küchenherds ist leicht geöffnet, von dort kommen trockene lange Funken geflogen, fallen auf das Ofenblech und verschwinden. In dem gigantischen Topf (mit den roten Schreibschriftbuchstaben »GSE HJ« am Bauch, »Grenzschutzeinheit Halbinsel Judatin«) spuckt und blubbert Borschtsch für eine Woche. Daneben, in der aus Leningrad mitgebrachten Emailleschüssel, wird die Hühnerbouillon für Permanent seinetwegen zum dritten Mal abgekocht. Wie kann ein Mann eine solche Suppe essen? – ereifert sich Großtante Fira, wenn sie und die Beschmentschiks Lilkas Mann durchhecheln: Das ist doch Pisse vom Waisenkind Chasja. Richtige Suppe – das ist Borscht! Mit Flajsch! – Wie die Leiche sich nährt, so schaut sie auch raus, antworten die klugen Beschmentschiks. Mir ist kalt unter den sieben Militärdecken, in dem unendlich hohen Zimmer, dem von den bläulichen Streifen vom Meer her geschaukelten. Ich spanne die Waden an und strecke mit Gewalt die Zehen nach vorn. Erkaltet liegt die Wärmflasche auf dem Bauch, wie die Frosch-Prinzessin.

Dort, in der Küche, schlurft Lilka (in den tungusischen Wildlederpantoffeln mit den Pelzbommeln auf dem hohen Spann) heiter über die gequollenen Dielen, leise scheppert die Schöpfkelle an dem Billigmessing des Topfs, es faucht nur und fisimatuckelt nicht die vorsintflutliche »Sakta« der Vermieterin in dem hellen
Sperrholzgehäuse. Jakow Markowitsch ist offenkundig auch selber nicht froh, uns hergeschleppt zu haben, in diese unbegrenzte Ödnis, in diese Grenzzone hinter Wyborg, in die nicht einmal Störsender senden – und auch noch für die volle Zeit der Frühjahrsferien! Wir wußten ja nicht, daß es im Frühling, wenn der Schnee abnimmt und das Eis bricht, hier, im tiefen Rußland, besonders an der Küste, bleiern nach irgendwelchem Vorjahrsmüll zu stinken anfängt: nach den Packen der Zeitung »Roter Stern«, die sich den Winter über zu grauen zottigen Briketts abgelagert haben, nach halbaufgetauten Kuhfladen, Pferdeäpfeln vom Vorjahr, Hasenküttel und Tod. Am 9. März, Samstag, vertrat er in der letzten Stunde unsere Klassenlehrerin und erzählte uns die ganze Stunde außerplanmäßig, wie Peter I. die ehemalige schwedische, davor Nowgoroder Festung Oreschek erobert hat. Nach Hause zu gehn hatten wir zusammen – die schnalzenden Trolleybusleitungen entlang, über den in den Sohlen der gequollenen Botten schmatzenden, von dem großflockigen, im Flug verschwindenden Schnee schräg gestrichelten Newski – schweigend. Doch der Newski roch nach nichts, allenfalls leicht – nach den Bus-Auspüffen, schwach – nach Schuhkrem aus den Buden der Assyrer, die das gesamte Schuhputzgeschäft in Leningrad kontrollieren, und schwadenweise nach dem heißen tierischen Fett aus den Piroggen-, Tschebureki- und Pfannkuchen-Stuben. Ohne Lilka, die die Augen geschlossen und das Kinn gehoben hatte, zu küssen, lief Permanent sofort in das Wohnzimmer, zum Fernseher – mit der beschlagenen vergoldeten Brille, die er von innen mit den Daumenkuppen abwischte, im wehenden Mantel mit den vom Schnee funkelnden Schultern, in den am Reißverschluß aufschlappenden Halbstiefeln, die auf dem Parkett flüssige schwarze Hufeisen hinte
rließen. Im ersten Programm – ein...


Dieses eBook wird im epub-Format geliefert und ist mit einem Wasserzeichen versehen. Sie können dieses eBook auf vielen gängigen Endgeräten lesen.

Sie können dieses eBook auf vielen gängigen Endgeräten lesen.

Für welche Geräte?
Sie können das eBook auf allen Lesegeräten, in Apps und in Lesesoftware öffnen, die epub unterstützen:

  • tolino Reader
    Laden Sie das eBook direkt auf dem Reader im eBook.de-Shop herunter oder übertragen Sie das eBook auf Ihr tolino Gerät mit einer kostenlosen Software wie beispielsweise Adobe Digital Editions.

  • Sony Reader und andere eBook Reader
    Laden Sie das eBook direkt auf dem Reader im eBook.de-Shop herunter oder übertragen Sie es mit der kostenlosen Software Sony READER FOR PC/Mac oder Adobe Digital Editions.

  • Tablets und Smartphones
    Installieren Sie die tolino Lese-App für Android und iOS oder verwenden Sie eine andere Lese-App für epub-eBooks.

  • PC und Mac
    Lesen Sie das eBook direkt nach dem Herunterladen mit einer kostenlosen Lesesoftware, beispielsweise Adobe Digital Editions Sony READER FOR PC/Mac.

Die eBook-Datei wird beim Herunterladen mit einem nicht löschbaren Wasserzeichen individuell markiert, sodass die Ermittlung und rechtliche Verfolgung des ursprünglichen Käufers im Fall einer missbräuchlichen Nutzung der eBook-Datei möglich ist.

Bitte beachten Sie: Dieses eBook ist nicht auf Kindle-Geräten lesbar.

Ihr erstes eBook?
Hier erhalten Sie alle Informationen rund um die digitalen Bücher für Neueinsteiger.

Kundenbewertungen zu Oleg Jurjew „Halbinsel Judatin“
Noch keine Bewertungen vorhanden
Zur Rangliste der Rezensenten
Veröffentlichen Sie Ihre Kundenbewertung:
Kundenbewertung schreiben
Unsere Leistungen auf einen Klick
Unser Service für Sie
Zahlungsmethoden
Bequem, einfach und sicher mit eBook.de. mehr Infos akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal mehr Infos
Geprüfte Qualität
  • Schnelle Downloads
  • Datenschutz
  • Sichere Zahlung
  • SSL-Verschlüsselung
Servicehotline
+49 (0)40 4223 6096
Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 18.00 Uhr
Chat
Ihre E-Mail-Adresse eintragen und kostenlos informiert werden:
* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.
Bei als portofrei markierten Produkten bezieht sich dies nur auf den Versand innerhalb Deutschlands.

** Deutschsprachige eBooks und Bücher dürfen aufgrund der in Deutschland geltenden Buchpreisbindung und/oder Vorgaben von Verlagen nicht rabattiert werden. Soweit von uns deutschsprachige eBooks und Bücher günstiger angezeigt werden, wurde bei diesen kürzlich von den Verlagen der Preis gesenkt oder die Buchpreisbindung wurde für diese Titel inzwischen aufgehoben. Angaben zu Preisnachlässen beziehen sich auf den dargestellten Vergleichspreis.
eBook.de - Meine Bücher immer dabei
eBook.de ist eine Marke der Hugendubel Digital GmbH & Co. KG
Folgen Sie uns unter: