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Farbfilter. Ada Simon in Douala

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Produktdetails

Titel: Farbfilter. Ada Simon in Douala
Autor/en: Lena Blaudez

EAN: 9783944818283
Format:  EPUB ohne DRM
CULTurBOOKS

6. Januar 2014 - epub eBook - 146 Seiten

Die Fotojournalistin Ada Simon ist aus Kamerun zu einer Tagung über Tropenholz nach Mecklenburg gereist. Internationale Manager tagen in einem halb verfallenen Schloss, um nicht nur über Holzgeschäfte zu reden. In der maroden Idylle trifft Ada einen unheimlichen Mann wieder, der böse Erinnerungen zurückbringt: In Kamerun war sie in einen brutalen Kampf um Holz, Kunst und um den begehrtesten Rohstoff des Handy-Zeitalters, Coltan, geraten. Im Regenwald, bei den Pygmäen und in Douala, der wichtigen westafrikanischen Hafenstadt, kreuzten sich ihre Wege mit denen des Killers. In den Wäldern um das mecklenburgische Schloss kommt es zu einer afrikanischen Konfrontation.


"Die Autorin arbeitete viele Jahre in Benin, Niger und Zaire und kann aus diesem Grund von eigenen Erfahrungen und Erlebnissen berichten. So wirkt der Roman auch deshalb so authentisch, da Lena Blaudez ihr Wissen über die Vodou-Kultur und die Lebenswirklichkeit der Menschen in West-Afrika in den Text einfließen lässt."
FAZ - Literaturkalender

"Lena Blaudez' Sprache ist schnell, das Erzählte fesselt mit immer neuen Wendungen, die manchmal geradezu unwirklich anmuten. Und immer wieder schwingt ein Humor mit, der zwischen Zynismus und Selbstironie schwankt."
Dagmar Penzlin, NDR 1 Kulturjournal Schwerin
Lena Blaudez studierte Volkswirtschaft in Ost-Berlin, konnte 1985 dank der Hilfe eines Franzosen, der sie deshalb heiratete, die DDR verlassen, absolvierte ein Aufbaustudium Internationale Entwicklungspolitik u. eine journalistische Ausbildung. Viele Jahre lebte und reiste sie in Afrika, und arbeitete in Entwicklungshilfeprojekten in Niger, Benin, Kongo und St. Petersburg. Heute wohnt sie als freie Journalistin und Autorin von Romanen, Erzählungen und Drehbüchern in Berlin.

1


Ivenack


Das Gebäude sieht verwahrlost aus. So, als hätten es die letzten Bewohner schon vor Jahren erleichtert verlassen. Schmale Gänge führen zu kleinen stickigen Zellen mit winzigen Fenstern. Verliese. Enge und Düsternis legen sich beklemmend auf die Brust und verursachen Atemnot. Ada stellt sich an eins der winzigen niedrigen Fenster und rüttelt an dem Griff. Erfolglos.

Draußen zieht ein Adler seine Kreise über dem weiten, hügeligen Land. Auf der Suche nach Beute, jederzeit bereit, herabzustoßen. Die Landschaft glüht in der Sonne, verschwenderisch leuchten gelbe Blüten, dunkelrote Erde. Ada ahnt den Duft. Der Kontrast von draußen und drinnen hätte nicht stärker sein können. Sie starrt auf die halb verfallene Wand gegenüber, auf die teilweise zugemauerten oder vergitterten Fenster.

Das erste Mal fällt ihr ein. Wie sie vor Jahren hierher kam und fasziniert war. Fremd war sie, das sagte ihr jeder Blick aus den Augen der Einheimischen, und doch fühlte sie sich, als wäre sie angekommen. Wie an einem Platz, den sie schon lange gesucht hatte. Unten am silbrig glänzenden Wasser hatte sie auf die Geräusche der Tiere gelauscht, glucksend tauchten sie auf, rumorten irgendwo in den Wäldern, die endlos waren.

 

Hier geht die Zeit anders. Vergeht zwar, aber ändert nichts. Man improvisiert. Passt sich den Gegebenheiten an. Hofft auf ein Wunder oder begräbt seine Hoffnung, lebt von einem Tag auf den anderen. Überlebt wie in Trance. Manche suchen Rat bei den Alten, die wissen, was geschehen wird. Dieses Singen in der Luft, sind das nicht die Mythen und Sagen dieses weltvergessenen Landstrichs, gewispert von Ahnen oder Geistern? Und dann dieser Himmel. Ein überwältigender Himmel, der hier einfach weiter ist als anderswo. Blau, unendlich, in Bann schlagend. Der mecklenburg
ische Himmel.

Ada reißt sich von ihren Gedanken los, öffnet eine der niedrigen Türen. Wirft die Tür wieder zu. Holt tief Luft und öffnet sie langsam wieder.

Harte Musik knallt ihr entgegen. Grateful Dead? Eine unglaublich fette Alte, das rote Spitzennachthemd über dem riesigen Busen bedrohlich gespannt, hält ein hauchdünnes Teetässchen mit abgespreiztem kleinem Finger in der einen Pranke. Sie lächelt Ada an und winkt sie mit der anderen herein. Die herabhängenden Wülste an den Oberarmen schlackern wie Wackelpudding. Den großen roten Kopf zieren nur noch wenige graue Strähnchen. Grelle Abziehbilder, Püppchen und Pilze, Mickey Mouse und Märchenfiguren, Rennautos, Pin-up-Girls und Muskelmänner bedecken jeden Flecken der schrägen Wände des winzigen Kämmerchens.

»Willst du einen Keks, Schätzchen?«, kreischt sie durch den Gitarrenlärm und zeigt auf einen Teller mit durchbrochenem Rand, auf dem sechs kleine Gebäckstücke im Kreis angeordnet liegen. Ada will.

Dann sucht sie höflich dankend das Weite. Sie sieht sich schnell um und wirft den Keks mit schlechtem Gewissen in einen Blecheimer am Ende des Flurs.

Wandert weiter. Plötzlich führen die bedrückenden Flure zu prunkvollen, stuckverzierten Treppenhäusern. Sie kommt in lichtdurchflutete Hallen, in weite Räume mit verglasten Erkern zum See hin. In einem lang gestreckten Saal blicken von holzgetäfelten Wänden halb vermoderte Hirschköpfe verwundert auf sie hinab.

Ada betrachtet bunte Bilder, hingepfuschte Landschaftsaquarelle, die über uralten Wandmalereien an unbekümmert hineingedroschenen riesigen Nägeln hängen.

»Was suchen Sie denn hier?« Eine merkwürdige Stimme hinter ihr.

»Ich arbeite.«

»So?« Hohn trieft mit einem dünn
en Speichelfaden aus den abwärts gerichteten Mundwinkeln. »Können Sie sich ausweisen?«

»Ich bin Fotografin und mache Aufnahmen von dem Schloss. Ich dachte, das Behindertenheim wäre schon umgezogen. Aber oben sind die Zimmer ja noch bewohnt!«

»Nu, ein paar von denen sind halt noch da. Wüsste wirklich nicht, was Sie das angeht. Werden Sie fertig mit Ihrer Knipserei und stören Sie hier nicht länger!«

Das lange, birnenförmige Wesen, vermutlich männlich, mit hängenden Schultern und ebensolchem Bauch schlurft davon. Die Arme baumeln an ihm herab, als sei deren übliche Funktion in Vergessenheit geraten. Wirr steht gelbes Kraushaar vom Kopf ab.

Das Licht ist einmalig. Sie fotografiert die Hirschköpfe an der Wand, sonnengelbe Räume, ein Funkeln im zersplitterten Kronleuchter. Dann den Essraum: Sprelakattische auf Linoleum – entsprechend sind die Ausdünstungen, gemischt mit dem Gestank nach abgestandenem Kantinenessen, der in den Wänden hängt. In der Tür zittert hin und wieder ein birnenförmiger Schatten.

Sie geht weiter durch leere Zimmer. Über einhundert Räume sind durch schmale Gänge in geradezu aberwitziger Anordnung verbunden, dazu verwirren oft schräge Wände. Als sie auf die andere Schlossseite gelangt, erinnern sie deren niedrige Decken daran, dass diese Hälfte ein Stockwerk mehr besitzt als die gegenüberliegende. Das Schloss ist unkonventionell durch Einzug einer Zwischendecke um viele Zimmer erweitert worden. Sie ist schon eine ganze Weile keiner Menschenseele mehr begegnet. Steigt weiter nach oben. Plötzlich ist sie sicher, nie wieder herauszufinden. Da gellen schrille Pfiffe durch die leeren Räume.

Marder. Sie steigt die Treppe ganz hinauf ins riesige Dachgebälk. In der sommerlichen Wärme duftet das Holz, feuc
ht, alt und anheimelnd.

Der Dachboden ist angefüllt mit Koffern. Es müssen tausende sein, die sich hier stapeln. Verstauben seit Jahrzehnten. Alte Presspappkoffer, billige Dinger zumeist, aber auch verschimmelte edle Lederkoffer mit Aufklebern von mondänen Badeorten und weit entfernten exotischen Großstädten. Koffer, die mit ihren betuchten Besitzern ehemals in vornehmen Hotels residierten. Koffer, die von weiß behandschuhten Dienern sorgfältig hinauf- und hinuntergetragen zu werden gewohnt waren. Nach dem letzten Krieg kampierten hier hunderte Flüchtlinge jeweils für ein paar Wochen. Sie zogen weiter. Die Koffer aber blieben. Später kamen die Pappkoffer mit den wenigen hineingestopften Habseligkeiten der Bewohner des inzwischen zum Behindertenheim gewordenen Schlosses dazu, die hier ihr Leben beendet hatten.

Staub wirbelt auf, als sie einen Kofferdeckel hochklappt. Er ist leer. Sie fotografiert in dem diffusen Licht, das schräg durch eine kleine Dachluke fällt.

Ein greller Schrei. Die Marder jagen durchs Gebälk. Ada saugt noch einmal den Geruch aus vermodertem Holz und staubigen Pappkoffern ein, bevor sie sich auf die Suche nach dem Ausgang macht, die ihr notorische Orientierungsschwierigkeiten liegen ihr sozusagen in den Genen – zunehmend Sorge bereitet.

Abwärts. Das zumindest muss richtig sein.

Eine obskur aussehende Tür führt zu einer steilen Treppe. Ein enger Gang zieht um düstere Ecken, spärlich beleuchtet von flackerndem Neonlicht. Sie zieht den Kopf ein, denn an einem Balken über ihr baumeln lose Stromkabel, die zu einem lebensgefährlichen Gewirr offener Drähte zusammenlaufen. Das Ganze endet in einem zerborstenen Kasten, aus dem rote, blaue und schwarze Drähte quellen wie Eingeweide aus einem frisch gemordeten Schaf.

Ein leises Pochen durchläuft die Gänge, wie der Herzschlag des Schlosses.
Die Heizungsanlage?

Plötzlich gibt die Neonröhre ihren Geist auf, was angesichts der Kabellage wenig verwundert. Die Dunkelheit ist absolut. Sie tastet sich an der rauen Wand entlang. Die Treppe muss doch wieder zu finden sein.

Fast ist ihr, als hätte sie es im Innersten erwartet, als sich eine schwere Hand auf ihre Schulter legt. Schnaufender Atem bläst ihr in den Nacken. »Hab ’ne Taschenlampe! Mo...mentchen«, nuschelt es an ihrem Hals.

Ein harter, greller Strahl fährt ihr ins Gesicht. Sie packt die Hand, die die Lampe hält. Die fühlt sich weich, fast pappig an. Sie dreht sie, sodass die Lampe dem Schnaufer ins Gesicht leuchtet.

Einen tiefen Atemzug lang braucht sie, um die Beherrschung nicht zu verlieren. Bis zur Unkenntlichkeit ist das, was einmal ein Gesicht war, verunstaltet.

Knappe, vornehme Verbeugung. »Darf ich mich vorstellen? Ich bin Herr Pompöse!« Seine teigige Hand fuchtelt dazu in der Luft herum, als wolle sie etwaige Zweifel an seiner wunderbaren, geheimnisvollen Herkunft von vornherein verscheuchen. Dann landet sie über der entstellten Gesichtshälfte, als wäre er sich ihrer gerade bewusst geworden. Er lugt durch seine dicken Finger zu Ada und lächelt schüchtern.

»Können Sie mir den Ausgang zeigen, Herr Pompöse? Ich habe mich verlaufen.«

»Aber gern, mein Fräulein! Immer folgen, bitte!« Er schlenkert gewandt seinen großen Körper vor ihr durch die engen Gänge. Im Nu sind sie draußen, der Weg ist verblüffend kurz.

»Auf Wiedersehen, mein Fräulein! Besuchen Sie mich bald wieder!« Herr Pompöse verschwindet in den Tiefen des Kellergewölbes.

 

Es dämmert bereits. Im letzten Moment, bevor sie dagegen stößt, bemerkt sie ein qualmendes Rohr, das mitten aus der Schlosswand
ragt. Für den Auspuff des Notstromaggregates ist einfach ein Loch durch die Schlossmauer geschlagen worden. Sie macht ein Foto. Wieder eine dieser unfreiwilligen Grotesken, wie sie die letzte Diktatur hervorgebracht hat. Als sei Ästhetik ein natürlicher Feind des Klassenkampfes.

Sie läuft über die Wiese, macht Aufnahmen vom Schloss unter einer schweren Wolke. Der Park ist wunderschön, eine harmonische Anordnung alter Bäume. Anmut und Leichtigkeit. Hier hat jemand mit lockerer Hand und Überblick gewirkt. Am See schickt sich eine dunkelrote Sonne an, postkartenreif ins Wasser zu...


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