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Es muss dunkel sein, damit man die Sterne sieht

Roman.
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Produktdetails

Titel: Es muss dunkel sein, damit man die Sterne sieht
Autor/en: Jenny Bünnig

EAN: 9783784481869
Format:  EPUB
Roman.
Familiy Sharing: Ja
Langen - Mueller Verlag

15. November 2016 - epub eBook - 320 Seiten

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Ein Roadtrip könnte die Lösung sein! Durch den Tod ihres Vaters ist für Ria alles aus dem Gleichgewicht geraten. Spontan schließt sie sich ihrer Oma Charlotte und deren Freundinnen Frau Lensker, Margot und Hildie auf einer ungewöhnlichen Reise an: Um etwas zurückzuholen, was unrechtmäßig den Besitzer gewechselt hat, zu einer großen Liebe, die nicht vergessen werden konnte, wegen einer schweren Schuld, die nicht beglichen wurde, und für eine süße Rache, die viel zu lange nicht in die Tat umgesetzt wurde. Mit einem VW-Bus geht es quer durch Europa, unterbrochen von zahlreichen Pinkelpausen (man ist halt nicht mehr die Jüngste), unerwarteten Hindernissen (Altersstarrsinn!) und absurden Begegnungen (wer bitte ist Signore Verdi?). Ein wunderbarer Roman über das Leben, das Alter und Freundschaft durch dick und dünn.
Jenny Bünnig, Jahrgang 1984, studierte Literaturwissenschaften und arbeitet als Wissenschaftsredakteurin an der Universität Duisburg-Essen. Derzeit schreibt sie an ihrer Dissertation. Mit der Kurzgeschichte Und manchmal beginnt Veränderung mit einem Klingeln ... war sie 2012 beim THE-HELP-Schreibwettbewerb des btb-Verlages eine von fünf Gewinnern. 2013 erhielt sie den Moerser Literaturpreis.

Etappe zwei Fribourg – Pavullo nel Frignano

Keine hatte eine Antwort. Eine Weile ließen wir die Frage zwischen uns hängen wie die glitzernden Sonnenstrahlen und das Schweigen, ehe wir beschlossen weiterzufahren. Signore Verdi wurde in seinem Kochtopf auf den Rücksitz verfrachtet, Hildie schob sich hinter das Lenkrad und wurde anfangs von Frau Lensker misstrauisch beäugt, während sie den Wagen von der Lichtung hinab auf die Straße und zurück in die Zivilisation steuerte. Obwohl der Bus einen weiten Bogen um das Haus machte, von dem aus wir zuvor so überstürzt aufgebrochen waren, fuhren wir an einigen Fassaden und Ecken vorbei, die mir entfernt bekannt vorkamen. Ich konnte nicht anders, ich musste grinsen und sah, dass es Frau Lensker ähnlich ging. Unsere Blicke begegneten sich, sie zwinkerte mir leicht zu, dann verzog sie das Gesicht und wir wandten uns beide ab.

Ich öffnete das Fenster. Eine warme, frische Nachmittagsluft wehte herein und wurde zu einem angenehmen Wind, der mein Haar zerzauste, als der Bus Geschwindigkeit aufnahm. Oma Charlie hatte auf der anderen Seite der Rückbank Platz genommen. Ich musterte sie aus dem Augenwinkel, damit sie es nicht bemerkte, und fragte mich, woran sie dachte. Ich wusste, dass die zweite Etappe ihre Etappe war. Charlotte und Antonio Ferro hatte auf dem Zettel des Reiseplans gestanden, aufgeklebt neben der italienischen Stadt Pavullo nel Frignano. Wer war Antonio Ferro? Und was wollte Oma Charlie in Italien?

Als Frau Lensker überzeugt war, dass Hildie sich nicht länger hoffnungslos verfahren konnte, drehte sie sich auf ihrem Sitz um und nahm den Deckel vom Kochtopf. Sogleich schlug der Vogel im Inneren mit den Flügeln, gab aber keinen Ton von sich. »Frau Lensker«, sagte sie, doch er schwieg. »Frau Lensker«, flüsterte sie ihm wiederho
lt zu, den Kopf weiter nach unten gebeugt, damit er sie besser verstehen konnte. Ihre Worte waren beinahe zärtlich. Als sie beim dritten Mal mit der Nase unter den Rand des Gefä
ßes eintauchte und klar und deutlich »Frau Lensker« sagte, schnappte Signore Verdi offenbar nach ihrem Gesicht, denn Frau Lensker zischte »verdammtes Federvieh!« und warf den Deckel zu.

»Gudrun, Gudrun«, drang es einige Momente später laut aus dem Inneren, ehe es wieder still wurde.

Frau Lensker verschränkte missmutig die Arme vor der Brust, legte den Kopf schräg und schloss die Augen. Auch Oma Charlie streckte die Beine weit von sich und döste ein wenig. Ich selbst zögerte, denn ich war ebenfalls müde, verspürte jedoch den Wunsch, mit Margot zu sprechen. Einige Minuten blickte ich nach draußen, wo Häuser, Waldstücke und Felder vorbeiflogen. Dann fasste ich Mut, lehnte den Oberkörper nach vorne, stützte die Ellbogen auf meine Knie und räusperte mich.

»Von wem war das?«, fragte ich mit kratziger Stimme. Sprechen fiel mir weiter schwer. »Von wem war das, was du vorhin vorgelesen hast?«

»Schopenhauer«, antwortete Margot. Sie hustete. »Das war ein Zitat aus Die Welt als Wille und Vorstellung«, erklärte sie weiter, als ihr Körper zur Ruhe gekommen war.

Ich nickte. »Ich fand das sehr … schön«, flüsterte ich und kam mir irgendwie dumm dabei vor.

Zu meiner Überraschung lächelte Margot leicht, was bei ihr wie eine Kraftanstrengung aussah. »Ich kann nicht sagen, dass ich eine besondere Verehrerin von Schopenhauer wäre«, erklärte sie gebrochen. »Einige seiner Ansichten, insbesondere über uns Frauen, waren leider ausgesprochen krud, aber diese Passage lese ich seit den Anf&a
uml;ngen meiner Studienzeit immer wieder gern. Für mich enthält sie viel Hoffnung, weißt du? Vor allem dann, wenn ich mich mal wieder vom entsetzlichen Pragmatismus der Zeit anstecken lasse und mich zu sehr auf die Antworten der anderen konzentriere anstatt auf meine eigenen Fragen.«

Erstaunt musterte ich Margot. Ich wusste, dass sie eine der ersten Professorinnen in Deutschland gewesen war, dass sie gegen viele Widerstände hatte kämpfen müssen, sich in der Frauenbewegung engagiert hatte, heute eine angesehene Wissenschaftlerin und Philosophin war. Konnte sich eine solche Frau tatsächlich manchmal verloren fühlen? Vielleicht sogar ähnlich verloren wie ich?

»Ich glaube, darum geht es im Leben«, sprach sie in diesem Moment weiter. Jedes ihrer Worte wirkte dünn und zerbrechlich, doch unter dieser gläsernen, verwundbaren Oberfläche waren sie stark und kraftvoll. »Dass man seine eigene Stimme lauter hört als die der anderen, weißt du?« Sie formulierte langsam und bedächtig. »Das ist nicht leicht, schon gar nicht, wenn man als Kind, als Mädchen, eher dazu erzogen wurde, zu schweigen und die Erwachsenen reden zu lassen, und es gelingt auch nicht jeden Tag gleich gut, aber man muss sich immer wieder neu zwingen, auf seine eigenen Worte mehr zu geben als auf die der anderen.« Margot schloss leicht die Augen, das Reden hatte sie ermüdet. »Das ist kein großes Geheimnis, keine bedeutende Weisheit«, fügte sie matt hinzu, »aber man sollte es nicht unterschätzen. Es ist schwer genug.«

Ich wusste nicht, ob sie noch etwas hatte sagen wollen, denn ihre Stimme löste sich in ihrem eigenen Seufzen auf. War sie eingeschlafen? Ich verharrte einige Minuten vorgebeugt und mit den Armen auf den Knien, wartend und lauschend. Schließlich drang ein ruhiges, gleichmäßiges Atmen aus Margo
ts Kehle. Als ich mich leise zurück auf meinen Platz setzte, bemerkte ich das Notizbuch, das noch in meinem Hosenbund steckte, und zog es umständlich hervor.

Ich wusste, dass ich nichts schreiben konnte, dass ich nicht einmal auf dem Papier Worte für das finden würde, was schmerzhaft zwischen meinen Rippen steckte. Trotzdem fischte ich in meinem Rucksack nach einem Kugelschreiber, drehte ihn zunächst unschlüssig zwischen den Fingern, ließ ihn einige Male klicken. Ich blickte mich um, weil ich sichergehen wollte, dass mich niemand beobachtete. Oma Charlies Kopf lag auf ihrer linken Schulter und drückte mit der Schläfe leicht gegen das Fenster auf der gegenüberliegenden Seite. Frau Lensker war tief in die Polsterung eingesunken und gab ein zischelndes Geräusch von sich. Margots Gesicht war so tief auf ihre Brust gebettet, dass ihre eigene Stirn einen dunklen Schatten auf ihre Züge warf. Und Hildie? Hildie hatte sich weit über das Lenkrad nach vorne gebeugt, während sie den Bus auf Kurs hielt.

Ich warf einen letzten Blick auf den geschlossenen Kochtopf, aus dem kein Geräusch drang. Dann senkte ich meine Augen auf das Notizbuch, strich über den Umschlag und schlug es auf. Die Seiten waren noch ganz weiß. Unmöglich, dass ich sie auch nur mit einem einzigen meiner finsteren Gedanken beschreiben konnte, ihnen ein einziges meiner dunklen Gefühle offenbaren würde. Ich hatte ihnen nichts zu sagen.

Trotzdem beobachtete ich überrascht, wie sich der Stift zu bewegen begann, die ersten Worte auftauchten, noch unsicher und zittrig. Bereits am Ende des ersten Blattes wurden sie jedoch weniger schüchtern, klarer, entschlossener, sie stürzten sich auf das Papier. Ich wusste nicht, was ich schrieb, aber die Seiten füllten sich, eine nach der anderen. Mit was? Erinnerungen? Hoffnungen? Ängsten? Einer Geschichte? Meiner pan> Geschichte? Ich würde es herausfinden … vielleicht … aber nicht jetzt. Jetzt schrieb ich zunächst alles nieder, was den Weg über den Stift in das Notizbuch fand. Es war anstrengend, meine Muskeln verkrampften sich bald, aber ich setzte trotzdem nicht ab, ehe der Kuli von alleine stehen blieb. Ich versuchte es noch einmal, um sicher zu sein, dass ich am Ende war, zumindest für den Moment.

Die Seiten des Büchleins waren verknickt, so eilig hatte ich sie beschriftet. Ich bemühte mich nun, sie wieder glatt zu streichen, ehe ich den Einband zuschlug. Ich war überrascht, müde, ausgelaugt, aber auch erleichtert. Ich wischte mir mit einer fahrigen Bewegung über die Augen und betrachtete den roten Umschlag, der plötzlich so viel mehr enthielt als noch Momente zuvor. Ich atmete tief durch, dann schob ich das Notizbuch wieder unter mein T-Shirt. Dorthin, wo ich es fühlen konnte.

Der schwache Lichtschein malte einen hellgelben Halbmond auf den Teppich im Flur. Durch die geöffnete Tür drang das gleichmäßige Klappern von Fingern auf einer Tastatur, unterbrochen von Pausen, in denen ich genau wusste, was er tat. Ein Zug an der Zigarette, dann ein Moment des Innehaltens und Nachdenkens, ehe er den Rauch ausblies und dabei beobachtete, wie dieser zur Decke stieg. So viele Nächte hatte ich meinen Vater dabei beobachtet, wie er rauchte und überlegte, dass große Gedanken für mich unweigerlich mit dem Geruch von Tabak verbunden waren. Und als Kind war ich mir sogar sicher, die Ideen und Einfälle auf den Dunstschwaden treiben zu sehen wie auf einem silbern glitzernden Fluss, immer dem Himmel entgegen.

Die Erinnerung drohte bereits zu kippen, doch ich hielt mich an den Bildern fest, bis sie wieder klarer wurden. Ich beobachtete mich selbst dabei, wie ich mich auf die schmale Grenze zwischen dem Dunkel hinter mir und dem schimmernden Lic
ht der Schreibtischlampe schob. Ich konnte damals nicht sagen, was es war, kann es nicht einmal heute genau benennen, aber es war wie eine heimliche Vereinbarung mit mir selbst, dass ich warten würde, bis er mich bemerkte, dass er spüren würde, dass ich da war, dass ich seine Aufmerksamkeit erwecken konnte allein dadurch, dass ich ich war.

Manchmal zählte ich die verstreichenden Sekunden, manchmal stand ich einfach nur da. Und plötzlich fiel sein Blick auf mich, durch alle wichtigen Gedanken, bedeutenden Worte,...


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