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Durch frühen Morgennebel

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Produktdetails

Titel: Durch frühen Morgennebel
Autor/en: Manuel Niedermeier

EAN: 9783406659553
Format:  EPUB
Beck C. H.

26. März 2014 - epub eBook - 219 Seiten

Clemens war als Fotograf immer auf der Suche nach den Aufnahmen, die das Wesentliche eines Momentes erfassen und über das Sichtbare hinausgehen. Zuletzt hat er die wohl dramatischsten Bilder seines Lebens gemacht, die ihn allerdings aus der Bahn geworfen haben. Er fotografierte, wie sein Freund John, über Bord gegangen, sofort von der Strömung unter das Eis der Arktis gerissen wurde.
Im Rückblick wird von diesem Moment und den Ereignissen, die zu ihm geführt haben, erzählt. John will seine Forschungen über die Belugawale weitertreiben und ist mit Clemens auf einem Expeditionsschiff durch die Nordostpassage unterwegs. Kurz bevor er an Bord kam, hatte er in Berlin Traumatisches erlebt, worüber er kaum sprechen kann. Er wartet dringend auf eine Nachricht von Laura, die Geigerin, in die er verliebt ist.
Wie bei einem Film entstehen die atmosphärisch starken Szenen vor dem inneren Auge des Lesers. Eindringlich, manchmal bis zu Stichpunkten verknappt erzählt Manuel Niedermeier in seinem ersten Roman und lässt sich dabei doch auf schöne Weise Zeit.
Manuel Niedermeier, 1984 in Regensburg geboren, hat vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaften studiert. 2010 hat er bei der on3-Lesereihe des Bayerischen Rundfunks mitgemacht. Seit 2010 ist er jährlicher Teilnehmer bei Poetry in Motion der Regensburger Kurzfilmwoche. 2012 war er Stipendiat der Bayerischen Akademie des Schreibens.

1


Der Glühdraht surrt.

Ein Mann und eine Frau sitzen einander gegenüber. Er verharrt reglos mit geschlossenen Augen, sie notiert etwas auf einem Block, in einer schnell fließenden Schrift, rückt kurz ihre Brille zurecht. Schreibt weiter. Ihre Körper sind versunken in zwei wuchtigen Ohrensesseln aus braunem Leder, wirken verloren. Die Lehnen sind abgegriffen und stumpf. Eine Stehlampe, ihr Strahler hängt wie eine welke Blume, wirft Licht in das Gesicht des Mannes, schneidend und grell. Er öffnet die Augen, verengt sie sofort zu schmalen Schlitzen und beugt sich nach vorne, greift nach dem Metallarm der Lampe, biegt ihn von sich weg, nach oben, bis beide Gesichter vollständig im Schatten liegen. Zwischen den Sesseln ist ein kleiner Tisch, darauf stehen zwei Gläser. Ein Foto liegt da.

Das Surren des Glühdrahts ist das einzige Geräusch, monoton und hochfrequent. Im Dunkeln verbergen Bücherregale die Wände bis knapp unter die Decke. Eine Weile verbleibt der Metallarm in senkrechter Position, dann beginnt der Strahl der sinkenden Lampe als seine Verlängerung durch den Raum zu schneiden, diagonal, langsam und stetig zurück in die Ausgangsposition. Draußen Wind und die Nacht.

Unvermittelt die Stimme der Frau: «Erzählen Sie weiter.»

Der Mann reagiert nicht.

«Herr Lechner?»

«Ich habe doch schon alles gesagt.»

«Es würde aber helfen, es noch einmal zu hören. Also bitte, erzählen Sie.»

«Wenn es sein muss.» Clemens dreht die ihn blendende Lampe abermals weg. Sein Gesicht liegt wieder im Schatten. «Vor zwei Wochen hatte ich meine Kamera das letzte Mal in der Hand. Kurz bevor das Bild da entstanden ist.» Er zeigt auf das Foto. «Ich habe sie in ihre Tasche zurückgepackt und nicht mehr angerührt. Das heißt, die rus
sische Polizei hat sie mir ja zerlegt. Schon verrückt … Das erste Foto, das ich überhaupt gemacht habe, war fünfundzwanzig Jahre mein wichtigstes. Und jetzt? Fünfundzwanzig Jahre. Nach dieser Aufnahme war klar, ich muss Fotograf werden, es ging nicht anders. Ich kann mich genau daran erinnern. Ich war neun. Meine Eltern haben mir zum Geburtstag eine Kamera geschenkt. Eine alte Minolta Hi-Matic 7, die meinem Vater gehörte, bevor er sich die Hi-Matic 9 gekauft hat. Die Neuner war sogar noch schneller als die 7s, das Nachfolgemodell der Siebener. Die hatte eine Brennweite von 45 Millimeter, also die Siebener. Eine wunderschöne Kamera. Es war Samstag, und er ging nicht ins Büro. Sonst hat er eigentlich immer gearbeitet … oder fotografiert. Aber diesen Samstag nicht. Das war wohl Teil seines Geschenks. Wir sind zu dritt in den Tierpark, meine Mutter, mein Vater und ich. Als wir auf den Parkplatz fuhren, begann es zu regnen, so richtig wie aus Kübeln, cats and dogs. Und wir hatten keinen Schirm dabei. Ich war total am Boden, habe bestimmt geweint. Meine Mutter hat schließlich so lange auf meinen Vater eingeredet, bis wir trotzdem geblieben sind. Wir sind zwar nur ins Affenhaus, aber das war schon was. Mein Vater hasst Affen – hasste … er hat sie gehasst. Vor vier Jahren ist er gestorben. In einem Monat sind es fünf. Können Sie das verdammte Surren nicht abstellen? Das macht mich total irr!»

«Leider nicht.»

Clemens greift nach einem Glas auf dem Tisch. Er trinkt. Stellt es wieder ab. Kratzt mit den Fingernägeln über das Leder und hinterlässt dabei helle Spuren. Er blickt auf.

«Na gut. Ich bin also zwischen meinen Eltern gegangen. Um meinen Hals hing das flache Plastikband der Kamera, ganz kalt war das auf der Haut. Das hat er extra noch wechseln lassen, war nämlich schon an ein paar Stellen eingerissen. Meine Hände kramp
ften sich um das Gehäuse, das war schließlich kostbar. So eine haben eigentlich nur Erwachsene gehabt … Vielleicht hat Vater auch den Geruch gehasst. Ich meine, zu den Reptilien wollte er schließlich auch nicht. Jedenfalls sind die Orang-Utans durch Panzerglas von uns getrennt gewesen. Ein Tau hing von der Decke, unten mit einem fransigen Knoten dran. So eines, wie sie es in der Schifffahrt verwenden, wissen Sie. Auf einmal hat einer der Affen Anlauf genommen, sich das Seil geschnappt und ist damit durchs Gehege geschwungen. Und bevor ich gewusst habe, warum, habe ich auch schon abgedrückt. Mein erstes Foto. Es hat auf meiner Kopfhaut gekribbelt. Und in meinen Fingern. Den Rest vom Film habe ich noch in der nächsten Stunde verschossen. Egal was, Hauptsache voll. Das hat meinem Vater so nicht gepasst, aber es war ja mein Geburtstag. Am Montag hat er den Film zum Entwickeln gebracht, und am Donnerstag nach der Arbeit hat er mir dann den Umschlag gegeben. Ich habe ihn aufgemacht, mit geschlossenen Augen die Fotos rausgezogen und sofort alle weggelegt, bis auf das allererste … mein allererstes Foto. Also habe ich die Augen wieder geöffnet. Bloß, da war kein Affe. Nur so ein unförmiger, orangebrauner Schlierenteppich, der in der Luft hing. Und ein überheller Punkt, etwa auf halber Höhe in der Mitte der Aufnahme. Ich muss meinen Vater wohl ziemlich hilflos angeschaut haben. Er hat mir nur die Hand auf die Schulter gelegt und erklärt, dass der Punkt der von der Scheibe reflektierte Blitz ist. Und diese seltsame Schliere tatsächlich der Affe. Aber weil er sich so schnell bewegt hat, war er eben verschwommen … Haben Sie keine andere Lampe?»

«Nein, bei der anderen ist heute die Birne durchgebrannt. Ich muss eine neue besorgen. Tut mir wirklich leid.»

«Dann schalten wir das Licht ganz aus.»

«Das halte ich für keine gute Idee».


«Dann haue ich jetzt ab. Ich halte das nicht aus.»

Die Psychotherapeutin dreht einen metallenen Knopf an der Stehlampe, es wird dunkler, das Surren dumpfer, dann ist das Licht aus. Stille. Sie legt Block und Stift auf ihren Schoß. Durch ein Fenster fällt fahl der Mond.

«So ist es besser, danke.»

«Sie sprachen gerade vom verschwommenen Foto, das Sie als Kind im Zoo geschossen haben.»

«Stimmt. Damals habe ich begriffen, dass es kompletter Unsinn ist, einfach abzudrücken. Bewegung und scharfe Bilder vertragen sich nicht. Zumindest nicht mit dieser Kamera … und vor allem nicht mit dem Können, das ich damals gehabt habe. Die genauen Zusammenhänge, das Zusammenspiel von Belichtungszeit und Bewegung als Veränderung im Raum, das alles habe ich erst Jahre später verstanden. Zeit … Zeit ist dabei die maßgebliche Größe. Ich wollte instinktiv etwas aus ihr herauslösen. Warum genau, kann ich nicht sagen. Das läuft nicht auf der Verstandesebene ab. Kennen Sie das, Sie versuchen mit aller Macht, sich einem Problem zu nähern, durch pures Nachdenken, von allen möglichen Seiten, und umso mehr Sie sich anstrengen, umso weniger wird es greifbar? So ist das mit dem, was ich aus der Zeit herauslösen möchte. Vielleicht geht es um eine bestimmte Art der Wahrnehmung, genau, meine Art, die Dinge wahrzunehmen. Lange zeigten die entwickelten Fotos nicht das, was ich eigentlich wollte. Das hat mich aber mehr angespornt, als dass es mich entmutigt hätte.»

Clemens kratzt sich am Kinn. Fünftagebart, darunter die scharfen Linien seiner Gesichtszüge. Seine gesamte Erscheinung ist hager, sehnig. Er schaut aus dem Fenster und schweigt, fährt sich mit den Fingern durchs schon grau werdende Haar.

«Wenn das Universum unendlich groß wäre, wären die Nächte taghell, wussten S
ie das?»

«Bleiben wir lieber bei dem Foto. Sie haben also als Kind bereits gewusst, dass Sie später Fotograf werden wollen?»

Clemens reagiert nicht.

«Wie ist es dazu gekommen? Es ist selten, dass man tatsächlich wird, was man sich als Kind vorstellt.»

Er sieht aus dem Fenster. Ballt die Faust, öffnet sie wieder.

«Ich fotografiere jetzt seit knapp fünfzehn Jahren professionell. Nach dem Studium habe ich mich auf Landschaftsaufnahmen spezialisiert. Früher, wenn ich mit anderen auf Reisen war, habe ich ständig fotografiert. Und meistens eben Landschaften. Meine Freunde haben sich beschwert, dass sie nie abgebildet waren. Na ja, ein paar meiner Fotos habe ich dem National Geographic geschickt. Die spitzen Nadeln der Aiguilles de Bavella, Felsformationen auf Korsika. Wir waren dort zwei Wochen lang mit dem Zelt im Gebirge unterwegs, meine damalige Freundin und ich. Kathrin. Mir sind da Fotos gelungen, mit langer Belichtungszeit … Der Mond balanciert wie ein Ball auf den Spitzen einer abfallenden Bergkette, fünf Stück, eine nach der anderen, als würde er sie hinabspringen. Ich habe gar nicht mit einer Antwort gerechnet, wenn ich ehrlich bin. Aber die haben sie tatsächlich gekauft und gedruckt. Ich glaube, das ist schon was, worauf man stolz sein kann. Ich war es zumindest. Seitdem bringe ich dort regelmäßig was unter – ich halte Wellen fest, in diesem Bruchteil einer Sekunde, kurz bevor sie auf den Strand niedergehen. Ich lasse mich mit dem Hubschrauber über blaugrüne Archipele fliegen, drücke ab, streife durch Wälder, drücke ab, Dünen, drücke ab. So lässt sich mein Leben zusammenfassen: Ich sehe etwas, ich drücke ab und habe das Bild. In letzter Zeit interessiert mich vor allem, wie der Mensch seine Umwelt beeinflusst. Menschen sind noch immer selten auf meinen Bildern, da hat
...


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