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Der Geschmack von Asche

Das Nachleben des Totalitarismus in Osteuropa.
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Produktdetails

Titel: Der Geschmack von Asche
Autor/en: Marci Shore

EAN: 9783406654565
Format:  EPUB
Das Nachleben des Totalitarismus in Osteuropa.
Übersetzt von Andrea Stumpf
Beck C. H.

28. Februar 2014 - epub eBook - 376 Seiten

Die Jahrzehnte kommunistischer Herrschaft in den osteuropäischen Ländern haben in praktisch jeder Familie Fragen aufgeworfen, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs irgendwie beantwortet werden müssen. Diese "posttraumatischen" Störungen in Ländern und Gesellschaften, die nach ihrer Identität suchen, sind das Thema dieses Buchs. Es ist eine Reise in die Seelenlandschaften der Menschen und die Summe einer zwanzigjährigen Beschäftigung. Marci Shore spürt den Geistern des Kommunismus im gegenwärtigen Osteuropa nach, vor allem in Polen, Tschechien, der Slowakei und Rumänien. Sie interessiert sich für das, was Geschichte aus den Menschen und ihren Leben gemacht hat. Sie hat Menschen in Prag, Krakau, Warschau, Vilnius, Kiew, Moskau, Bukarest besucht, aber auch in der Provinz und in den jeweiligen Enklaven in New York, Jerusalem und Wien. Das Buch ist von hoher literarischer Qualität, geradezu betörend schön geschrieben. Es atmet eine tiefe Humanität, und man spürt, dass die Ich-Erzählerin eine ungewöhnlich kluge und sympathische Frau ist; sie wirkt wie ein Medium zwischen den porträtierten Menschen und dem Leser, durch das hindurch man sich sehr gut in die jeweilige Situation hineinversetzen kann, von der sie berichtet.
Marci Shore, 1972 geboren, ist Historikerin und lehrt als Professorin an der Yale University. Für ihr erstes Buch, "Caviar and Ashes. A Warsaw Generation s Life and Death in Marxism, 1918-1968", wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem "Fraenkel Prize in Contemporary History" und dem "National Jewish Book Award". Marci Shore ist verheiratet mit Timothy Snyder ("Bloodlands").

Wahrheit


Im Februar 1990 besuchte Václav Havel, der neue Präsident der postkommunistischen Tschechoslowakei, Washington, um dort seine erste Rede zu halten.

«Das Bewusstsein bedingt das Sein», erklärte Havel dem amerikanischen Kongress. «Und nicht andersherum, wie die Marxisten behaupten.»

Keiner wusste, was das bedeuten sollte, aber es klang gut.

«Wenn ich so reden könnte», sagte ein Journalist, «dann würde ich für den Posten Gottes kandidieren.»

Im Juni 1993 fuhr ich zu Recherchen für meine Abschlussarbeit nach Prag. Die Frauen trugen kleine Hunde in großen Handtaschen herum, und in der U-Bahn fuhren die Rolltreppen beunruhigend schnell. Neben dem U-Bahnhof Hradčany plärrten aus den Lautsprechern vor einem Café Dolly Parton und Kenny Rogers «Islands in the Stream», dann kam B.J. Thomas, der «Raindrops Keep Falling on My Head» sang. Ein paar Meter weiter führten kopfsteingepflasterte Stufen zu der Burg hoch.

Die Prager Burg thronte auf einem Hügel über der Moldau, die mächtigen, nicht sehr hohen Gebäude waren in blassen Rosa- und Grautönen gestrichen und öffneten sich zu großen Innenhöfen. Beherrscht wurde dieser Ort nicht von dem leuchtenden Neoklassizismus des Neuen Königlichen Palastes, sondern der dunklen Neogotik des Veitsdoms mit seinen Buntglasfenstern und Wasserspeiern. Das Burgareal stellte eine eigene, verzauberte Welt dar, mit gewundenen kleinen Straßen, von denen eine zu dem Goldenen Gässchen aus der Frührenaissance führte, gesäumt von himmelblauen, sonnengelben und tiefroten Häusern, winzigen, wie für Elfen gebauten Behausungen. Es war ein märchenhafter Ort. Jenseits der Burgmauern aber, auf den Straßen, war die Tschechoslowakei keine Märchenwelt – zumindest n
icht nur. Das Prag des Sommers 1993 war eine Stadt, in der die überkommenen Regeln ihre Geltung verloren hatten. Und noch wusste niemand, wie die neuen Regeln aussehen würden. Das Ende des Kommunismus hatte einem nackten Manchesterkapitalismus Platz gemacht. Der freie Markt wurde buchstäblich als frei von Verantwortung und nahezu frei von Beschränkungen begriffen, ein Selbstbedienungsmarkt.

Ich lernte Martina kennen, eine Sozialpsychologin in den Dreißigern. Da sie einige Zeit an amerikanischen Universitäten verbracht hatte, sprach sie gut Englisch. Der Sturz des Kommunismus eröffnete ihr die Möglichkeit, eine akademische Laufbahn in den USA einzuschlagen. Was die tschechische Gesellschaft betraf, war sie sowohl stolz als auch kritisch. Jahrelang waren die Leute mit relativer Stabilität und niedrigen Preisen ruhig gehalten worden. Sie waren eingelullt worden und sich dessen die ganze Zeit über bewusst gewesen. Martina brachte mir eine Redewendung aus der kommunistischen Ära bei: «Wir tun so, als würden wir arbeiten, und sie tun so, als würden sie uns dafür bezahlen.» Den Übergang zum Kapitalismus beschrieb sie als den Umzug von einem Zoo in einen Dschungel. Mit dem Niedergang des Unterdrückungsstaates hatte sich das Verbrechen rasend schnell verbreitet. Immer mehr Frauen waren zur Prostitution gezwungen. Neofaschistische Skinheads machten die Straßen unsicher. Darüber hinaus waren mafiöse kommunistische Gruppen nach wie vor mächtig, und was die Tschechen «Lustration» nannten, hatte das Land in eine moralische Krise gestürzt.

Das lateinischstämmige Wort «Lustration» bedeutet so viel wie «Reinigung». Gemeint waren eine politische Überprüfung und eine Befreiung des öffentlichen Lebens von den ehemaligen kommunistischen Kolaborateuren. Letzteres bezog sich insbesondere auf die Zuarbei
ter des Geheimdienstes – sie machten einen großen Anteil der Bevölkerung aus, wie die tschechischen Bürger nach der Samtenen Revolution erfuhren, als ein vormaliger Dissident namens Petr Cibulka beschloss, ein geheimes Mitarbeiterverzeichnis der Geheimpolizei publik zu machen.

«Möchten Sie wirklich wissen», fragte Martina, «ob Ihr Nachbar, womöglich auch Ihr Freund oder Liebhaber, ein Spitzel war?»

Einige Tage darauf fuhr ich nach Bratislava, der Hauptstadt der neuerdings unabhängigen Slowakei. Während sich Deutschland 1989 wiedervereinigt hatte, hatte die Tschechoslowakei sich geteilt. Als ich im Sommer in Prag ankam, hatte sie schon nicht mehr existiert. Seit dem 1. Januar 1993 waren die Tschechische Republik und die Slowakei zwei unabhängige Länder. In dieser Situation lernte ich Miloš kennen, der einige Jahre zuvor an der Comenius-Universität in Bratislava Physik studiert hatte. Er war kein besonders fleißiger Student gewesen und wurde auch kein Physiker. Stattdessen kandidierte er als Mitglied der Bewegung für eine demokratische Slowakei, einer nationalistisch-populistischen Partei unter der Führung des demagogischen Vladimír Mečiar, für das Parlament. Unverhofft errang Miloš einen Sitz. Nur wenige Monate später kam es im Januar 1993 zur «samtenen Teilung», und die Tschechoslowakei gehörte der Vergangenheit an. Es hatte kein Referendum gegeben. Miloš erklärte mir, dass man unmöglich eines hätte abhalten lassen können. Ein Referendum unter allen tschechoslowakischen Bürgern wäre ungerecht gewesen, weil es in der Tschechoslowakei doppelt so viele Tschechen wie Slowaken gab, so dass die Slowaken ohne weiteres hätten überstimmt werden können. Und ein Referendum ausschließlich unter den Slowaken wäre unfair gewesen, denn wenn die Slowaken f&uum
l;r eine Trennung gestimmt hätten, hätte die tschechische Repulik als legitimer Nachfolgestaat der Tschechoslowakei deren internationale Rechtsansprüche geltend machen können. Viele Leute bezweifelten, dass die Tschechen oder Slowaken für eine Teilung gestimmt hätten, hätten sie denn die Wahl gehabt. Stattdessen übernahmen Vladimír Mečiar und sein tschechisches Gegenüber Václav Klaus die Verhandlungen über die Auflösung der Tschechoslowakei. Im Sommer 1993 wurde die gerade unabhängige Slowakei in den Europarat in Straßburg aufgenommen, der sich für die Integration Europas und die Förderung der Demokratie einsetzt. Miloš, ein gutaussehender und fröhlicher Mann ohne größere politische Erfahrung, wurde der slowakische Repräsentant im Europarat. Jetzt suchte er einen Englischlehrer.

Vor dem Europarat musste Miloš Reden in englischer Sprache halten. Er sprach ein wenig Englisch, mehr oder weniger unter Absehung der Grammatikregeln, was ihn aber nicht weiter störte. Er war charmant und ein begnadeter Kommunikator. Ich versuchte, ihm die englischen Zeiten zu erklären. Er lachte – es seien zu viele, für so viele Zeiten hätte er doch gar keine Verwendung, bestimmt wären sie auch gar nicht nötig. Ich half ihm beim Überarbeiten seiner Reden, aber irgendwann verlor er immer die Lust und wollte lieber in eine Bar gehen und etwas trinken. So ernst müsse man das Ganze nicht nehmen.

Auch wenn Bratislava den Eindruck eines Provinznestes machte, gab es an jeder Ecke eine Bar. Die Hauptstadt der Slowakei war längst nicht so aufregend wie Prag, aber sie hatte ihren Reiz. Der Hauptplatz mit dem runden Brunnen in der Mitte war gesäumt von manieristischen und Jugendstilhäusern, die in Pastellfarben gestrichen waren. An den gewundenen Straßen der Altstadt reihten sich die Straßenc
afés und Weinkeller.

Miloš war mit seinen dreißig Jahren ein lebhafter Mann, der gerne flirtete. Unbeschwert, sorglos. Er hatte eine junge Frau und eine kleine Tochter, die beide Maria hießen. Miloš und seine Frau hatten sich im Studium kennengelernt, sie war die bessere Studentin gewesen.

«My woman», sagte er stets, wenn er von ihr sprach.

«My wife», korrigierte ich ihn.

Er vergaß es immer wieder.

Ich versuchte, es ihm zu erklären: «‹Wife› verweist auf eine Beziehung wie mein Bruder, mein Vater, meine Tochter. ‹Woman› ist ein generisches Nomen. Und wenn man das generische Nomen mit einem Possessivpronomen ergänzt, klingt es so, als ob sie dir gehört.»

Er dachte kurz darüber nach.

«Wie ein Haus?», fragte er.

«Ja, genau, wie ein Haus», sagte ich.

«Ja, ja, genau, wie ein Haus!»

Miloš, die beiden Marias und ich reisten durch die Slowakei nach Dudince, einen Kurort. Miloš erzählte mir, dass die Leute «wegen des Wassers» hierherkämen, auch wenn ich kein Wasser sah und wir uns weit vom Meer entfernt zwischen weißen Hotels umgeben von grünem Ackerland befanden. Wir badeten im Hotel-Pool und fuhren in einer Pferdekutsche über Land. Wir unternahmen Spaziergänge und tranken Rotwein gemischt mit Coca-Cola, und Miloš erzählte mir von der Revolution.

Als Student hatte Miloš einen Filmclub an der Universität gegründet. Amerikanische Filme waren grundsätzlich verboten, ebenso Filme der tschechischen Neuen Welle aus den Sechzigern. Aber der liebenswerte und kontaktfreudige Miloš freundete sich mit dem Leiter des Filmarchivs an und schaffte es so, einige zensierte Filme vorzuführen, wie die Adaptionen von Milan Kunderas Der Scherz und James Simon Kunens B
lutige Erdbeeren
, eine Chronik der...


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