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Als Gottes Atem leiser ging. Erzählung

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Produktdetails

Titel: Als Gottes Atem leiser ging. Erzählung
Autor/en: Gerhard Köpf

EAN: 9783944818498
Format:  EPUB ohne DRM
CULTurBOOKS

3. Mai 2014 - epub eBook - 76 Seiten

Über das Buch
Gerhard Köpf zeichnet in dieser meisterhaften Erzählung ein sensibles, mit feiner Ironie grundiertes Porträt des so genialen wie sonderbaren Grafen Eduard von Keyserling, der einst zu den Leuchtfiguren Schwabings gehörte. Eine Hommage an einen Verkannten der deutschen Literatur und die Welt der Schwabinger Boheme in den 20er und 30er Jahren.

»Gar oft, wenn ich mit meiner Frau durch die Franz-Joseph-Straße ging, ist er uns dort begegnet«, schrieb ein Zeitgenosse Keyserlings. »Alt, hinfällig und leichenblaß kam er daher, auf seines jungen Dieners Arm gestützt.« In Gerhard Köpfs Erzählung fungiert dieser Diener als Erzähler. Inzwischen selbst alt und auch ein wenig kauzig geworden, sitzt er am liebsten schweigend in Kaffeehäusern, beobachtet das Treiben der Literaten und Künstler und erinnert sich an seine Zeit beim in die Jahre gekommenen Dichter Keyserling. Er erzählt von seiner Bewunderung für den eigensinnigen alten Herrn, den er mit Hingabe pflegte, als er krank wurde, und von dem er so viel lernen konnte über das Leben. Ein »brillantes literarisches Reflexionsspiel« (Deutschlandradio) und »ein Sprachkunstwerk« (literaturkritik.de).

Über den Autor
Gerhard Köpf, Jahrgang 1948, war zwanzig Jahre lang Literaturprofessor an verschiedenen Universitäten des In- und Auslandes, danach Gastprofessor an der Psychiatrischen Klinik der LMU München. Für sein mehrfach übersetztes literarisches Werk erhielt er diverse Auszeichnungen wie den Preis der Jürgen-Ponto-Stiftung (Juror: Golo Mann), den Preis der Klagenfurter Jury beim Ingeborg-Bachmann-Preis, das Villa Massimo Stipendium Rom, den Förderpreis der Berliner Akademie der Künste und den Wilhelm-Raabe-Preis. Köpf lebt in München und spielt gelegentlich kleine Rollen in Film, Fernsehen und Theater.
Jahrgang 1948, war 20 Jahre Literaturprofessor an verschiedenen Universitäten des In- und Auslandes, danach Gastprofessor an der Psychiatr. Klinik der LMU München. Für sein mehrfach übersetztes literarisches Werk erhielt er diverse Auszeichnungen wie den Preis der Jürgen-Ponto-Stiftung (Juror: Golo Mann), den Preis der Klagenfurter Jury beim Ingeborg-Bachmann-Preis, das Villa Massimo Stipendium Rom, den Förderpreis der Berliner Akademie der Künste und den Wilhelm-Raabe-Preis. Köpf lebt in ...

Vier


Bei Marguerite Duras steht geschrieben, es sei die Dämmerstunde, in der schöne Seelen und Verbrecher gleichermaßen zu Bekenntnissen neigen und in der selbst schweigsame Menschen gerne Geschichten erzählen oder Erinnerungen auskramen. Fehlen noch diejenigen, die im wörtlichen und im übertragenen Sinne nicht ganz bei Trost sind. Aber von denen wird selten gesprochen. Man hält sie nicht einmal einer Erinnerung für würdig. Aber im Laufe eines langen Lebens lebt jeder Mensch verschiedene Leben: meist nacheinander, mitunter aber auch gleichzeitig. Vielleicht war mein erstes Leben mein schönstes, jedenfalls mein sorglosestes. Die Rede ist von meiner Kindheit.

Ich kam als Sohn einfacher Leute in den Bergen zur Welt. Mein Vater war Posthalter in N, einem Nest, das leider zur Hitlerzeit seine Seele an den Teufel des Fremdenverkehrs verkauft hat und seit dieser KdF-Sünde immer charakterloser wurde, bis es trotz seiner korrumpierend schönen Landschaft schließlich moralisch vollkommen auf den Hund gekommen war. Im Jahr meiner Geburt wurde anlässlich der Weltausstellung in Paris der Weltpostverein gegründet, Böcklin malte Die Gefilde der Seligen, Nietzsche schrieb Menschliches – Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister, Großbritannien führte Krieg gegen Afghanistan, und die Firma Mannlicher entwickelte das Mehrlader-Gewehr. Es gab weder Telefon noch elektrisches Licht, und dennoch schlugen sich die Menschen mehr oder weniger wacker durchs Leben. Meine gutherzige, sonst aber gänzlich naive Mutter entwickelte schon früh einen ausgeprägten Sinn fürs Fromme, zumal sie im Schatten des Domes von Regensburg als Josephine Seidinger, genannt Fini, aufgewachsen war, ehe es sie unter dem Einfluss einer Tante mit dem Respekt einflößenden Namen Zagglauer in die Berge verschlug. Dort ging sie bei
einem Medizinalrat »in Stellung«, wie man das in jenen Tagen ebenso leichtfertig wie unschuldig nannte. Zehn Jahre war sie mit meinem Vater, einem einfachen, aufrechten und recht ansehnlichen Mann, verlobt, ehe sich beide das Eheversprechen gaben, das sie über fünfzig Jahre hielten, bis dass der Tod sie schied. Da meine Mutter den Kontakt zur Geistlichkeit pflegte, konnte es nicht ausbleiben, dass einer der gesalbten Herren schon früh meine besonderen geistigen Gaben erkannte, die er gerne in den Dienst der Kirche gestellt hätte. Doch war mein Vater dagegen, der mitunter nach dem Genuss einiger Liter Bier bisweilen von der Pfaffia sprach und dabei meist auch eine seiner Lieblingsredensarten zum Besten gab: »Heiliger Sankt Opferstock bringt Geld und Speck in’ Pfaffenrock«. Mit anderen Worten: mein Vater entriss mich gerade noch rechtzeitig den Klauen der »Kuttenbrunzer«, wie er die Herren auch hinter vorgehaltener Hand nannte. Die Gesalbten waren mit meiner ahnungslosen Mutter bereits handelseinig geworden und hatten ihr zum Lohn für meine Kinderseele einen Logenplatz zur Rechten Gottes versprochen. Damals spürte ich zum ersten Mal ganz deutlich den Atem Gottes. Er klang ein wenig nach Bienenschwarm. So genoss ich weiter meine unbeschwerten Jahre und kann mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wann und wie ich überhaupt Lesen und Schreiben gelernt habe. Wohl weiß ich dagegen noch den Tag, an dem ich ein Reifezeugnis in Händen hielt, das mich berechtigte, als erstes Mitglied meiner Sippe eine Universität zu besuchen. Wieder glaubte ich, den Atem Gottes zu spüren, denn dieses Privileg hatte sich so tief in mein Herz eingegraben, dass ich meinen Eltern heute noch dankbar bin für all die Entbehrungen, die sie um meinetwillen auf sich genommen haben. Schon während meiner Pubertät stand für mich fest, dass ich mich der Medizin zuwenden und ein
bedeutender Forscher werden wollte. Nichts faszinierte mich seinerzeit mehr als die Operation toter Vögel. Dies wiederum mag einiges mit dem Herrn Medizinalrat zu tun gehabt haben, bei dem meine Mutter putzte und zu dem sie mich insbesondere in meinen frühen Jahren mitnahm. All die Gläschen und Fläschchen sowie der Duft nach Äther und zuletzt die schnaufende, weiß bekittelte Überwölbung eines großen bärtigen Mannes mit tiefer Stimme und einem goldenen, von einer behaarten Warze gehaltenen Zwicker müssen mich tief beeindruckt haben.

Noch immer erscheint mir jener Sommer des Jahres 1899 als der längste, den es je für mich gegeben hat, denn es war der Sommer nach dem Abitur und vor dem Beginn des Studiums, das in München aufzunehmen ich mir fest vorgenommen hatte. Nichts schien unmöglich, die Welt stand mir offen, und der Fortschritt war überall und in allen Bereich des Lebens zu spüren. Wie sagte mein Graf doch einmal: »Alles, was uns jetzt selbstverständlich erscheint, ist einmal ein Wunder gewesen.« Immerhin gab es bereits Aspirin im Handel, Rutherford entdeckte die Alpha- und Betastrahlen radioaktiver Atome, die Karolinen und Marianen wurden deutsche Kolonien, von Ganghofer erschien Das Schweigen im Walde, kurz: Das 20. Jahrhundert wurde mit einem nie dagewesenen Optimismus erwartet. Ich stürzte mich mit größtem Eifer in das Studium der Medizin, waren doch soeben von Professor Bergmann die Regeln für Die chirurgische Behandlung der Hirnkrankheiten verbindlich niedergelegt worden. Unaufhaltsamer Fortschritt also auch und gerade hier. Und ich mittendrin, immer am Puls der Zeit und auf der Höhe des Geschehens. Das hielt ich damals für den Atem Gottes.

Vergangene Nacht habe ich ihn wieder gespürt. Als ich nicht schlafen konnte, traf ich mich nach vielen Jahren erneut mit meinem Grafen. Ich h
atte gehört, wie er mehrfach nach mir gerufen hatte: Loiblfing, Loiblfing! Wie von fern erkannte ich mich am Siegestor stehend, beide Hände in den Hosentaschen, was mein Graf gewiss missbilligt hätte, denn er legte Wert auf beste Umgangsformen. Vollendetes Betragen war ihm Ausdruck des Geziemenden. So stand ich da, Richtung Nordfriedhof schauend, wo mein Graf mit seinen Schwestern begraben liegt.

Was für ein sonnendurchfluteter föhniger Tag! Eine bunte Menschenmenge schlendert über den Odeonsplatz vor dem Tor zum Hofgarten. Die Wache zieht auf, und die Militärkapelle in der Feldherrnhalle spielt etwas Schmissiges, der Rhythmus erfasst die Spaziergänger und beschleunigt ihren Schritt. Man bleibt stehen, trifft auf Bekannte und schwatzt, oder man schaut voller Verwunderung den frisch aus Paris herbeigewehten Hutmodellen nach. Von den zwei Münchner Quellflüssen der modernen Kunst ist beiläufig kalauernd die Rede, dem Kaulbach und dem Lenbach, wenn rund um den Monopteros die jungen Künstler debattieren, die eleganten Damen flanieren und die Kavaliere um sie herumscharwenzeln, die Verzehrer minimaler Renten ebenso wie die mystischen Schwärmer oder die ewig hungrigen Maler, von denen naturgemäß jeder ein Genie ist, dessen großer Durchbruch unmittelbar bevorsteht. Die heimatlichen Kaffeetafeln sind festlich gedeckt, besorgte Mütter versuchen, ihre Töchter in einer möglichst guten Partie unter die Haube zu bringen, während die Väter bier- und rettichbesessen in kastanienbaumbeschatteten Wirtsgärten herumhocken und über jenes Philistertum lästern, dessen Ursuppe sie selbst bilden. Die Patriziertöchter treibt es auf die Boulevards wie im Fasching auf die Redouten, ganz egal, welch zwielichtiges Volk auch immer sich den Anschein des Mondänen gibt. Kunstbeflissen sind sie samt und sonders, gleichviel ob Biedermann oder Stenz, Kocher
l oder Schankkellner. Und so manchen verschlägt es allein schon aus ökonomischen Gründen in die Bohème, die sich hinter der Maxvorstadt niedergelassen hat. Später wird es dann heißen, so sei die unverwechselbare Münchner Atmosphäre entstanden, »die dem irdischen Dasein die pathetische Schwere« raube.

Schon sehe ich mich durch die Straßen schlendern, vorbei an schmucken Häuserfassaden, wo ich seit meiner Studentenzeit nicht mehr gewesen bin. Obwohl erst Mitte Mai, ist es in der letzten Woche hochsommerlich warm geworden, und die Menschen sind leicht und elegant im Stil der Prinzregentenzeit gekleidet. Die Männer tragen Panama-Hüte, die sie vor den Damen ziehen, die mit ihren Sonnenschirmchen kokettieren. Die jungen Mädchen in hellen Kleidern scheinen barfuss im taunassen Gras zu tanzen. Die Pappeln an der Schwabinger Landstraße, wie die Leopoldstraße damals noch heißt, ragen stolz wie die Offiziere des Königlichen Leibregiments in den wolkenfreien Himmel. Jedermann scheint gut gelaunt und vom schönen Wetter beschwingt. Von der Türkenkaserne her zieht ein Trupp Infanterie zur Übung Richtung Oberwiesenfeld, begleitet vom Schwerereiterregiment. Die Kürasse blinken, die weißen Buschen wehen auf den Helmen, und die Lanzen sind mit weißblauen Wimpeln geschmückt. Die Instrumente der Musikkapelle an der Spitze des Zuges glänzen golden, die Buben laufen nebenher und können es gar nicht erwarten, Soldat zu werden. Der Krieg ist vierzehn Jahre weit weg, kein Mensch denkt an Volksküchen und Lebensmittelkarten, und noch ruft der Zeitgeist nach Höhe und Breite und weniger nach intellektueller Tiefe. Es ist einer dieser Tage, an denen keine Stadt der Welt mit München konkurrieren kann. Alles ist so luftig und heiter, als sei einem südlichen Gott diesseits der Alpen ein Herzenswunsch in Erfüllung gegang
en. So einen geschenkten Tag verbringt man am besten in Muße, vielleicht beim Tambosi in einem Straßencafé. Dort ist der Blick auf den Boulevard unverstellt, und die flanierenden Damen und Herren demonstrieren in Mode, Gestik und Mimik ihre grandiosen Lebensillusionen. Und davon gibt es mehr, als auf alle Münchner Bühnen zusammen passen. Was für eine berauschende Pracht und Heiterkeit. Gerade jetzt erkennt man im Flanieren eine höhere Form der praktischen Philosophie und genießt jene Lebensfreude, die im Traum wenigstens doppelt so...


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