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Stardust 1: Die neue Menschheit

Perry Rhodan Miniserie.
von Uwe Anton
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Produktdetails

Titel: Stardust 1: Die neue Menschheit
Autor/en: Uwe Anton

EAN: 9783845332307
Format:  EPUB ohne DRM
Perry Rhodan Miniserie.
Perry Rhodan digital

19. Juni 2014 - epub eBook - 64 Seiten

Sie sind die TALIN-Jäger ­ und suchen eine Superintelligenz

Im Mai 1513 Neuer Galaktischer Zeitrechnung bricht Perry Rhodan zu einer diplomatischen Mission auf: Mithilfe der exotischen Technik des Polyport-Systems reist er in die ferne Galaxis Anthuresta. Dort will er die Nachkommen jener Menschen besuchen, die einst in das Stardust-System ausgewandert sind.

Die Stardust-Terraner, wie sich die Menschen in Anthuresta nennen, haben bereits ein kleines Sternenreich aufgebaut. Ihre Raumschiffe erforschen die nähere Umgebung, ihre Abgesandten treten in Kontakt zu außerirdischen Völkern. In schier unglaublicher Ferne entwickelt sich eine neue Menschheit mit eigenen Visionen und Träumen.

Doch was wie eine Routinemission begonnen hat, wird rasch zu einem gefährlichen Trip. Perry Rhodan trifft auf einen Netzweber, er erfährt mehr über die gesellschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre, und er muss feststellen, dass eine Gefahr aus der Vergangenheit erwacht. Der Terraner aus der "alten Heimat" wird Zeuge, wie eine Bedrohung entsteht und wächst.

Nur Perry Rhodan und eine Handvoll von Helfern steht gegen die Gefahr - er kämpft für DIE NEUE MENSCHHEIT ...

1.


Stardust-System

1. Mai 1513 NGZ

 

Perry Rhodan warf einen Blick auf das Hologramm in der Zentrale des Shuttles, das ihn nach Aveda bringen sollte – und da war er. Unvermittelt, ohne Vorwarnung.

Ein Netzweber.

Rhodan hätte ihn fast nicht bemerkt. In der dreidimensionalen Darstellung wirkte die Struktur seines Netzes fast so dunkel wie das kalte, schwarze All, das sie umgab. Rhodan erkannte das feine Netzwerk nur, weil es vom fernen Licht der vier Millionen Sonnen des Kugelsternhaufens Far Away erhellt wurde, sodass es sich schwach als Silhouette abzeichnete.

Die Maschenweite des Netzes war sehr eng, betrug nur wenige Meter. Aber der ausgebreitete Netzkörper war gewaltig, füllte allmählich das komplette Holo aus.

Das sind bestimmt zwanzig Kilometer, dachte Rhodan, wenn nicht sogar mehr. Der Netzweber ist ganz nah.

Die Netzfasern selbst schienen auf den ersten Blick hauchdünn zu sein. Rhodan wusste aber aus Erfahrung, dass es sich bei ihnen nur um eine Projektion handelte. Die Hyperstruktur des Wesens sah ganz anders aus. Rückschlüsse auf die wirkliche Erscheinung konnte man aus der optischen Darstellung nicht ziehen.

»Ruf die Hyperortung auf!«, sagte er. »Schnell!«

»Was?« Mehul Tondesi sah ihn verwirrt an. Der Pilot seines Shuttles war ein lächerlich junger Mann, der zu dem Routineauftrag abkommandiert worden war, ihn nach Aveda zu bringen.

Rhodan konnte sich vorstellen, welche Befehle er von Admiralin Eritrea Kush bekommen hatte. Wir erwarten sehr hohen Besuch. Den Polyport-Präfekten. Den Sonderbeauftragten des Galaktikums für die Polyport-Domäne. Sorge dafür, dass er pünktlich und sicher nach Stardust City kommt.

Endlich schaltete Tondesi. Er stellte keine weiteren Fragen, nickte und a
ktivierte die Hyperortung. Ein zweites Holo bildete sich.

Darin wirkten die Netzfasern wie golden leuchtende, engmaschige Fäden.

Der junge Pilot überwand seine Erstarrung und riss die Augen auf. »Das ist doch nicht möglich! Ein Netzweber? Ist das ein Netzweber? Seit fast fünfzig Jahren ist im Stardust-System keiner mehr gesichtet worden!«

»Ich weiß«, sagte Perry Rhodan. Er überlegte fieberhaft. Die Netzweber stellten eigentlich keine Bedrohung dar. Sie waren intelligente Wesen, deren Körper in Gestalt großer fliegender Netze aus hyperenergetischen Strukturen bestanden und die sich von derselben Strahlung ernährten.

Und sie waren natürliche Teleporter, konnten mit der Kraft ihres Geistes bis zu 50.000 Lichtjahre überwinden. In Anthuresta hatten sie Transportfunktionen übernommen, forderten dafür aber einen Preis. Sie verlangten, an der Gedankenwelt derjenigen, die sie transportierten, teilhaben zu können. Weigerten sich ihre Partner, ihre Gedanken zu öffnen, nahmen sie sie mitunter ungefragt.

Die Netzweber labten sich an den Gedanken ihrer Passagiere, verschmolzen mit ihnen. Ihre Kunden hatten mitunter den Eindruck, ihre Gedanken und Gefühle würden von innen nach außen gekehrt und aufgesogen, in einem gewaltigen Treibsand versickern, der sie gierig aufnahm.

Die Passagiere trugen keine Schäden davon, aber ...

Rhodan sah wie gebannt auf das Holo der Hyperortung. Die goldenen Fäden schienen sich immer enger zusammenzuziehen.

Der Netzweber will uns teleportieren!

»Vollen Schub!«, sagte er. »Versuch ... Ach, lass es!« Rhodan verstummte.

Mehul Tondesi sah ihn fragend an. Der junge Pilot mochte sich auf seinen Beruf verstehen, war aber von der Situation eindeutig überfordert.

Doch Mehul wollte das Unausweichliche nicht akzeptieren.
Er hantierte an seinen Kontrollen, versuchte Manöver, die er auf der Akademie trainiert hatte, hoffte darauf, dem Netzweber entrinnen zu können.

Irgendwie erinnerte dieser blutjunge Vertreter der neuen Menschheit, der Stardust-Menschheit, Perry Rhodan an die Terraner, die er gekannt hatte, als er selbst jung gewesen war. An Menschen, die niemals aufgegeben hatten, die notfalls bis zum letzten Tropfen Blut dafür gekämpft hatten, einem anscheinend unausweichlichen Schicksal zu entrinnen.

Die neue Menschheit ist nicht mit der alten vergleichbar!, mahnte sich Rhodan. Zum Glück nicht. Seinen Aufbruch in den Kosmos hatte er mit Soldaten begonnen, die noch im Kalten Krieg zwischen den terrestrischen Atommächten aufgewachsen waren und sich dann von dem ersten Schritt aus dem Solsystem hinaus überlegenen Gegnern gegenüber gesehen hatten.

Dieser junge Pilot hatte niemals Krieg miterlebt, Atlans Sternengöttern sei Dank. Die gesamte Stardust-Menschheit war eine junge und friedlich expandierende Gesellschaft. Vor fast fünfzig Jahren, bei den Kämpfen in der Stardust-Galaxis, war vielleicht ein Drittel der heutigen Bevölkerung noch gar nicht geboren.

Nein, die ersten Terraner hatten sich grundlegend von den Stardust-Menschen unterschieden. Bei aller Erinnerung an den vergleichbaren Schwung, die Tatkraft und Kreativität, die die neue Menschheit an den Tag legte, fielen Rhodan stets die Unterschiede ins Auge. Hier kamen junge Soldaten nicht von einem harten Kampfeinsatz nach Hause, sondern gut ausgebildet von der Akademie.

»Gib es auf.« Rhodan atmete tief durch und lehnte sich in seinem Sessel zurück. »Es ist sinnlos. Wir haben keine Chance.«

Tondesi konnte den Blick nicht von ihm lösen. »Aber ich muss doch ...«

»Es gibt kein Entrinnen«, sagte Rhodan ruhig. »Wir können dem Netz
weber nicht entkommen. Aber uns wird nichts passieren.«

Seine Gelassenheit beruhte auf Erfahrungswerten. Er hatte schon einmal engeren Kontakt mit zwei Netzwebern namens Radyl und Felna gehabt. Das war schon einige Zeit her ...

»Er will uns nichts Böses. Ich weiß nicht, was er von uns will, aber eine Flucht vor ihm ist unmöglich.« Rhodan warf einen Blick auf das Holo. Der Netzweber kam dem Shuttle rasch näher, umschloss es mit einem immer festeren Griff.

Der unsterbliche Terraner wusste, was nun geschehen würde.

Das Netz zog sich enger.

Immer enger.

Dann sprang der Netzweber mit dem Shuttle in die Transition.

 

*

 

Einen Moment lang waren Perry Rhodans Gedanken noch völlig klar.

Er wusste, wer er war und weshalb er hier war.

Hier, in der fernen, nur über das Polyport-System erreichbaren Galaxis Anthuresta, über 660 Millionen Lichtjahre von der heimischen Milchstraße entfernt. Oder genauer gesagt, in dem lebensleeren Kugelsternhaufen Far Away, in dem eine neue Menschheit ihr Zuhause gefunden hatte.

Die Stardust-Menschheit. 804 Millionen Menschen, die ausgewandert waren, als eine unglaubliche Bedrohung die heimatliche Milchstraße an den Rand der Auslöschung gebracht hatte.

Auf der Reise durch das Polyport-System hatte Rhodan lange über die neue und die alte Menschheit nachgedacht. Die erste Generation der Stardust-Terraner hatte die Heimat verlassen, weil unglaublich viele feindliche Raumschiffe über eineinhalb Jahre lang das Solsystem belagert hatten. Wie setzten sich die heutigen Folgegenerationen mit dieser Abstammung eigentlich auseinander? War diese Frage bei der Stardust-Jugend vielleicht schon kein Thema mehr?

Er hatte in der Milchstraße das Distribut-Depot ITHAFOR betreten und war von dort aus mithilfe einer uralten Technik zum Transport-Hof NE
O-OLYMP im Stardust-System gereist. Gute vier Stunden hatte er dafür gebraucht, diese unfassbare Entfernung zurückzulegen.

Eine Routinereise. Nichts Außergewöhnliches. Als Polyport-Präfekt war er nach Far Away gereist, um Repräsentationspflichten zu erfüllen. Die Bevölkerung des Stardust-Systems, die neue Menschheit, sollte über eine Verfassungsänderung und einen neuen Namen für den Kugelsternhaufen Far Away abstimmen. Eine große Feier war angesagt, zu der er selbstverständlich eingeladen worden war. Tetsuro Corris, der aktuelle Administrator der Stardust-Menschheit und sein Gastgeber, fieberte dem Ende des Tages und der Abstimmung entgegen.

Doch dann war der Netzweber gekommen. Er hatte ... er hatte ...

Der Entzerrungsschmerz brandete in Rhodan empor. Er begann peinigend und stechend in Kopf und Nacken, dehnte sich dann auf den Rücken, schließlich den gesamten Körper aus.

Rhodan fiel auf, dass seine Gedanken immer unklarer wurden, verschwommener. Er versuchte, sich zu konzentrieren, doch es gelang ihm nicht. Er spürte, wie etwas an seinem Denken nagte, es zu vereinnahmen drohte.

»Krian«, murmelte er. »Krian ...« Der Mond des Planeten Zeus. Im Stardust-System. In Krians geostationärem Orbit befand sich NEO-OLYMP. Der Polyport-Hof. Dorthin war er gereist, und ... Ein Shuttle hatte ihn nach Aveda bringen sollen, der Hauptwelt des Stardust-Systems.

Ein Shuttle ...

Instinktiv wehrte er sich, als er spürte, wie etwas an seinen Gedanken zerrte, sie geradezu gierig aufsog. Der Vorgang war nicht mit Schmerzen verbunden, doch Rhodan war trotzdem nicht bereit, sich seine Gedanken nehmen zu lassen, seine Gefühle und Erinnerungen.

Es war ... unnatürlich.

Etwas labte sich an seinen Gefühlen und Erinnerungen, ohne dass er etwas dagegen unternehmen konnte. Er fühlte
sich, als würde jemand sein Innerstes vergewaltigen.

Doch dann kamen die Träume.

 

*

 

Rhodan sah unverständliche Bilder. Etwas sickerte aus ihm hinaus, doch er erhielt dafür etwas zurück.

Er hatte nicht danach verlangt, konnte es aber nicht verhindern.

War das ein luzider Wachtraum, wie die Netzweber sie einem manchmal vermittelten? Es war ihre Art der Kommunikation.

Zwei Wesen schlurften unter einem fahlroten Himmel zwischen...


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