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BLEEDING KANSAS

Zombie-Thriller.
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Produktdetails

Titel: BLEEDING KANSAS
Autor/en: L. Roy Aiken

EAN: 9783943408591
Format:  EPUB ohne DRM
Zombie-Thriller.
Übersetzt von Torsten Scheib
Luzifer-Verlag

23. Juni 2017 - epub eBook - 300 Seiten

Derek Grace ist gut in dem, was er tut.
Irrsinnig gut!

Und das, obwohl ihn die Jahre ohne Job etwas außer Form gebracht haben. Doch als die Toten nicht tot bleiben, sondern sich über die Lebenden hermachen, ergeben sich für Derek plötzlich ganz neue Perspektiven. Eine Karriere, wie geschaffen für einen Mann, der genug vom tatsächlichen American Way of Life gesehen hat. Einen Mann, der sich dringend abreagieren muss.

Für Derek bedeutet das Ende der Zivilisation nur, vom Regen in die Traufe gekommen zu sein. Mit dem Unterschied, dass abgesehen von den blutgierigen Zombies eine echte Chance auf Freiheit und ein besseres Leben besteht. Zumindest, wenn er es schaffen sollte, sich 600 Meilen durch ein zombifiziertes Kansas zu kämpfen, zu seiner Familie. Natürlich vorausgesetzt, dass sie noch am Leben sind ...

Derek Samuel Grace, eben noch ein unbedeutender Niemand, entsteigt den blutbeschmierten Trümmern der Welt, um sich einen Namen zu machen: Derek Grace ist der Dead Silencer.

Sie lieben gute Zombie-Romane? Dann lesen Sie auch: 900 MEILEN von S. Johnathan Davis und Z BURBIA von Jake Bible!
L. Roy Aiken tat alles, was er konnte, um zu vermeiden, ein Schriftsteller zu werden. Er war Abteilungsleiter in einem Supermarkt, arbeitete in einem Stahlwerk, war Qualitätsmager eines Restaurants, leitete einen Comicladen, war Assistent in einem Pathologie-Labor und nebenbei Vater.
Jetzt, älter und ausgesprochen arbeitsunfähig, besinnt er sich seiner schriftstellerischen Fähigkeiten und arbeitet als Reporter für die Imperial Beach (Kalifornien) Times und als Kolumnist für das POINT-Magazin.

1

Das ist er also, der Tag, dem wir schon so lange entgegengefiebert haben – und er fängt nicht gut an. Claire wacht verschleimt und mit erhöhter Temperatur auf und ist zu kaputt, um mich zum Flughafen zu fahren. Viel mehr außer einem »Tut mir leid, hoffentlich geht’s dir bald wieder besser« gibt’s da nicht zu sagen, ehe sie sich wieder ins Bett verkriecht.

Bevor ich mich versehe, wuchte ich mein Gepäck in den Kofferraum des Taxis, dessen Fahrer, wie sich herausgestellt, eigentlich auch hätte krank machen müssen. »Tja, tut mir leid, Mann, aber Sie wissen ja wie’s läuft«, rechtfertigt er sich. »Keine Arbeit, keine Kohle!«

»Wem sagen Sie das«, entgegne ich, während ich mich auf den Rücksitz fallen lasse.

»Airport, häh?« Der Taxifahrer schnäuzt sich und präsentiert daraufhin seine verklebte Hand. »Wo soll’s hingehen?«

»Kansas City.«

»Kansas City! Kansas City, here I …« Gott steh mir bei, er versucht allen Ernstes, diesen alten Song zu trällern. Zum Glück hält ihn ein Hustenanfall davon ab. Aus meiner Hosentasche angle ich mir ein Taschentuch und presse es gegen Mund und Nase.

Er schnieft vernehmlich, nachdem er sich wieder gefangen hat. »Und was gibt’s dort?«

»Ein Vorstellungsgespräch.«

»Echt jetzt? So weit weg vom Schuss? Hoffe, die zahlen auch entsprechend!«

»Oh ja.«

»Hört sich gut an! Ich wünschte, ich würde mal so einen Job abgreifen!«

»Ich auch.«

»Ha! Das hab ich gehört
! Also – was haben Sie vorher die ganze Zeit gemacht?«

»War arbeitslos.«

»Oh. Nirgends was gekriegt?«

Ich muss erst seinen nächsten Hustenanfall abwarten, bevor ich antworten kann. »So ungefähr.«

»Da müssten Sie doch jetzt viel euphorischer wirken.«

»Mir geht viel durch den Kopf.«

»Oh.« Einem kurzen, bellenden Husten folgt ein lang gezogenes, gurgelndes Schnaufen. »Ja, es ist nicht einfach da draußen.«

»Yeah.«

»Wie lange waren Sie arbeitslos?«

»Lange genug.« Vier Jahre, aber wer zählt schon?

»Also ich muss leider arbeiten, verstehen Sie, was ich meine? Aber wenn ich zu Hause wäre, würde ich unter Garantie ver…« Der Fahrer leitet die nächste Runde Husten ein und sträubt sich bockend und zitternd mit seinem ganzen, hinter dem Lenkrad klemmenden Körper. Mehr kann er nicht tun, um weiterhin auf die vor uns liegende Straße zu blicken.

Quälend lange Sekunden später und nachdem ich mich schon gefragt hatte, ob er die rote Ampel über den Haufen fahren will, steigt er auf die Bremse. Allmählich und mit schlingerndem Heck kommt das Taxi quietschend zum Stillstand. »Wie wäre es mit einem Stück Kümmere-dich-um-deinen-eigenen-Scheiß zum drauf rumkauen?«, sage ich. »Wenn ich diesen Flug verpasse, wird mein Haus zwangsvollstreckt und nächsten Monat sitzt dann meine Familie auf der Straße! Wenn Sie’s nicht rechtzeitig zum Flughafen schaffen, suche ich mir eben einen anderen, der es kann!«

»Whoa, Mann, schon okay. Schon okay! Ich k
rieg’ das hin!«

»Kriegen Sie es auch hin, ohne mich vollzutexten wie eine alte Klatschbase? Können Sie einfach nur Ihr beschissenes Maul halten?«

»Hey, nicht frech werden! Wollte ja nur ein wenig Konversation betreiben!«

»Bringen Sie mich einfach nur zum Flughafen! Ich bin ohnehin schon spät dran!«

»Himmel, Mister, ich sagte doch schon, dass ich das hinkriege!«

Es wird grün und wir fahren weiter. Das ich so ungehalten gewesen bin, tut mir leid. Anständige Mittelständler sollten niemals vor ihren Untergebenen so eine Tonart anschlagen. Aber da ich eben ein einfacher Arbeiter mit altmodischen Ansichten bin, besteht mein Problem darin, dass ich niemanden als Untergebenen auffasse; so sehr er mir auch auf die Nerven gehen mag.

Zufrieden registriere ich, dass der Taxifahrer nun die Klappe hält, was im Gegenzug außerdem seine Hustenanfälle reduziert. Trotzdem bleibt das Taschentuch an Ort und Stelle, bis er die Parkzone vorm Flughafen angesteuert hat. Der Kofferraumdeckel springt auf, ich steige aus, atme gesegnete, keimfreie Luft und greife mir mein Gepäck.

Keine Ahnung, wie viel Trinkgeld so ein Taxifahrer kriegt. Ich kann mir ja kaum diese Fahrt leisten. Also kriegt er 15 Prozent. Ist mehr als dieser geschwätzige Ansteckungsherd eigentlich verdient hätte.

Vielleicht kriege auch ich mehr, als ich verdient hätte.

»Alles klar?«, frage ich den Fahrer, bevor ich mich abwende.

»Hören Sie, ich wünsche Ihnen alles Gute«, sagt er. »Ich weiß, wie nervös Sie sein müssen.«

»Yeah. Versuchen Sie, wieder gesund zu werden.«

Ich gehe davon aus, dass damit die
Sache abgeschlossen ist, doch weit gefehlt. Der Weg zur fetten Dame hinterm Ticketschalter entpuppt sich als Spießrutenlauf, der mich an niesenden und bellenden Leuten vorbeiführt. Die Ticketfrau hat ein rotes Hitlerbärtchen unter ihrer Nase, weil sie selbige scheinbar zu oft mit ihren dreilagigen Taschentüchern geputzt hat.

Ich hätte nichts gegen eine Greifzange oder ein paar Latexhandschuhe, um damit meine Bordkarte in Empfang zu nehmen. Um Himmels Willen, ich kann es mir nicht leisten, krank zu werden und somit die beste Chance auf eine einträgliche Stelle seit Jahren entgehen zu lassen! Wahrscheinlich liegt es an der Jahreszeit. Als ich mich vom Schalter abwende, scheint jede Person in meinem Blickfeld an der einen oder anderen Form der ›Mayday Malaise‹ zu leiden. So verkündet es jedenfalls der Text hinter der Kabelnachrichten-Königin Stefani Dunham auf Fernsehschirmen überall am Flughafen.

»Hierbei scheint es sich um eine andersartige Form des gewöhnlichen Grippevirus zu handeln«, sagt sie. »Von der Tatsache abgesehen, dass jeder Dritte davon betroffen zu sein scheint, bleibt man aber dennoch mehr oder weniger arbeits- und aufnahmefähig! Manche Stimmen behaupten natürlich, dass die gegenwärtige wirtschaftliche Lage Schuld daran ist, dass sich amerikanische Arbeitnehmer unter keinen Umständen krankschreiben lassen wollen.« Unsere Vorzeigecheerleaderin-Schrägstrich-Nachrichtensprecherin zieht eine Schnute, damit jeder weiß, was sie von manchen Menschen hält.

»Unabhängig von den Ursprüngen handelt es sich laut Medizinern um einen sogenannten Aerosolvirus, der sich frei in unserer Luft bewegt!« Das Konterfei einer grauhaarigen Eminenz erscheint, der in einem vornehmen Büro irgend
welche kundige Erklärungen ablässt. Dann ist wieder Stefani dran: »Und hier sind wir auch nicht immun dagegen!« Theatralisch hüstelt sie in ein Taschentuch. »Das und eine laufende Nase! Ein großes Dankeschön gilt daher meinem Team von der Maske, das dafür sorgt, dass ich vorzeigbar bleibe! Hey, wir machen weiter – welche andere Wahl bleibt uns auch?«

Bei meinem irischen Glück wird dies genau jener Virus sein, den ich auch abkriegen werde. Claire hatte es ja schon gerade so bis ins Badezimmer geschafft und der bedauernswert-blöde Taxifahrer hatte ebenfalls massive Probleme. Ich rufe meinen Kontakt in Kansas City an. Nach einer halben Ewigkeit meldet sich Giselle. »Mr. Grace! Welchem Umstand verdanken wir die Ehre? Sind Sie noch in Colorado Springs? Am Flughafen, richtig?«

»Yeah, und zwar genau vorm Terminal. Ich wollte nur sicherstellen, dass das Bewerbungsgespräch nicht abgesagt wurde.«

»Warum sollte es?«

»Wegen der zurzeit grassierenden Grippe. Jeder scheint ja krank zu sein!«

Giselle lacht. »Ach, das! Zwar haben sich auch bei uns ein paar Leute krank gemeldet, aber davon lassen wir uns gewiss nicht aufhalten. Sie sind aber nicht krank, oder?«

»Oh, nein, nein. Mir geht’s bestens. Ich war nur … besorgt.«

»Schön. Dann rufen Sie mich doch bitte an, wenn Sie in KC gelandet sind. Hoffentlich schaffen Sie es, bevor Rob zum Golfplatz aufbricht. Spielen Sie Golf?«

»Ist schon ein Weilchen her«, lüge ich. »Wenigstens werde ich ihn dann gut aussehen lassen.« Ich verachte Golf, ebenso die Sorte Menschen, die es spielen. Aber es ist deren Welt, zu der ich mir Einlass erschwindeln möchte.
Weg vom Sklavenmarkt und hinein in das Reich der professionell Überbezahlten.

»Klingt, als würden Sie klarkommen. Und nochmals: Vergessen Sie nicht, mich nach der Landung anzurufen.«

»Werde ich. Vielen Dank, Giselle.«

»Und das Sie mir nicht krank werden!«

Genau. Sofern mich meine Frau nicht angesteckt hat oder der Taxifahrer oder die Ticketlady oder der halbe Flughafen – und nun verschwinde ich in einer engen Aluminiumröhre und darf rückgeführte Atemluft inhalieren, die voll ist mit den Keimen und Viren einer ganzen Woche.

Und frische Erreger gibt es außerdem. Die Sitze im Flugzeug sind gerade Mal zur Hälfte belegt und jeden zweiten Passagier scheint es...


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