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In der Heimat gefangen - Eine Kindheit zwischen Krieg und Vertreibung

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Produktdetails

Titel: In der Heimat gefangen - Eine Kindheit zwischen Krieg und Vertreibung
Autor/en: Werner Kutscha

EAN: 9783475543517
Format:  EPUB
Familiy Sharing: Ja
Rosenheimer Verlagshaus

13. August 2014 - epub eBook - 368 Seiten

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Als 14-Jähriger erlebt der Autor den Einmarsch russischer Truppen in sein östlich der Neiße gelegenes Heimatdorf. Als dann im Juni 1945 die plötzliche Ausweisung der deutschen Bewohner erfolgt, werden seine Eltern und er unter militärischer Bewachung festgehalten. Der Vater wird als Arzt für die Versorgung der neu angesiedelten polnischen Bevölkerung benötigt.
Bei diesem Bericht handelt es sich um ein erschütterndes autobiografisches Zeitdokument. Der Kampf ums Überleben, der Schrecken und die Schikanen, denen die Familie ausgesetzt war, werden auf ergreifende Weise dargestellt.
Der 1931 in Königshütte (Oberschlesien) geborene Prof. Dr. Werner Kutscha war lange Zeit Chefarzt am Vinzentiuskrankenhaus in Landau und lehrte nebenbei an der Universität Heidelberg/Mannheim. In seinem Buch beschreibt er die Erlebnisse aus seiner Kindheit während der sowjetischen Besatzung.

Der Tag
22. Juni 1945, früher Morgen


Die ersten Sonnenstrahlen des Tages fielen auf mein Gesicht und weckten mich auf.

Ein herrlicher, ein wunderschöner Tag brach an! Wirklich! Wirklich?

Ja, es schien so. Nach Wochen der Verzweiflung und Angst vielleicht endlich wieder ein Tag, an dem es besser werden würde. Verglichen mit dem, was gerade hinter uns lag, konnte es ja nur noch besser werden, dachte ich.

Lange Zeit war der Krieg für uns Kinder etwas Unwirkliches, zumindest extrem Fernes geblieben, lebten wir doch in einem kleinen Dorf in der Nähe einer industriell bedeutungslosen Kleinstadt. Es gab keine Fliegerangriffe, keine Bomben, auch keinen Hunger. Das war besonders wichtig: Wir hungerten nicht. Das haben wir erst später gelernt … Mein Vater war Landarzt, und manche Bauern zahlten das Honorar lieber in Naturalien wie Kartoffeln, Mehl oder Federvieh. Den Krieg gab es nur in Form von Nachrichten. Wir hörten von zerstörten Großstädten, von Gefallenen, auch aus dem eigenen Dorf. Gewiss, das war furchtbar, und die Erwachsenen machten ernste Gesichter, aber was wussten wir Schuljungen schon vom Tod? Wir hatten an den Sieg zu glauben. Bei jeder Sportveranstaltung trichterten uns niederrangige Vertreter des Regimes mit wild fuchtelnden Gesten ihre Parolen von Sieg und Heldentum ein. Helden sollten wir alle werden, wie die Vorbilder in der Geschichte und den Heldensagen, und in der Schule lasen wir in schönem Versmaß den unsinnigen Spruch des Römers Horaz:

»Dulce et decorum est pro patria mori …« – »Süß und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben.«

Er war nicht dafür gestorben!

Wir auch nicht! Bei uns war nichts passiert. Was sollte schon passieren? Der Krieg tobt
e woanders.

In den letzten Kriegstagen legte sich jedoch der erste Schatten auf unsere jungen, noch zarten Gemüter. Drohende Gewitterwolken zogen auf. Man hörte vom so genannten Sandberg aus den fernen, grollenden Geschützdonner der immer näher kommenden Front. Sie war ja Ende April 1945 nur noch 30 Kilometer entfernt! Es klang, wie wenn schwere Balken von einem Wagen abgeladen wurden. Ja, da wurde schweres Gut abgeladen: Tod und Verderben! Wirklich bewusst war mir das allerdings nicht. Natürlich, dort tobte ein Kampf, aber im Kampf galt: »Tod den Feinden!« Das hörten wir ja täglich. Dass der Tod auch uns treffen könnte, daran dachten wir Jungen nicht. Der Geschützdonner konnte ja nur den Feinden gelten. Und die würden wir doch besiegen! Ja, so naiv wurden wir in der Schule und in der »Hitlerjugend« erzogen. Die Eltern hielten zwar vorsichtig dagegen, aber laut aussprechen durften sie das nicht.

Einmal ging mein Vater mit mir nachts auf den Sandberg. Er sagte kein Wort, legte seinen Arm um meine Schultern und schaute auf die im Dunkeln dahinjagenden Wolken. Was mag er wohl gedacht haben? Er wusste immerhin, was das unaufhörliche Geräusch zu bedeuten hatte. Und ich? Ich konnte mir keine Vorstellung machen, aber eine unheimliche Ahnung begann in mir aufzusteigen. Irgendetwas Furchtbares musste es sein, da sich da unaufhaltsam auf uns zu bewegte, das spürte ich allemal.

Dann der unvergessliche Donnerschlag: die letzten beiden Tage vor dem Kriegsende. Plötzlich tauchten Tiefflieger auf und schossen auf alles, was sich bewegte. Es bewegten sich nur Zivilisten, alte Männer, Frauen und Kinder. Man jagte sie geradezu und schoss auf sie. Man traf sie! Es gab Verwundete. Im benachbarten Dorf Reichenau wurden schnell noch ein paar Bomben abgeworfen. Militärische Einrichtungen, von einigen lächerlichen, nicht ge
schlossenen Panzersperren abgesehen, gab es nicht. Und die wurden von den Bomben auch nicht getroffen. Dafür kam ein Kind ums Leben.

Dann zog die russische Armee durch das Dorf, lauter vom erbarmungslosen Kampf gezeichnete Soldaten, gewöhnt an tausendfaches Sterben und Töten. Sie waren gefühllos, ohne Mitleid und Erbarmen, Soldaten, die immense Entbehrungen hinter sich hatten und denen Eigentumsrechte anderer nichts mehr bedeuteten. Entsetzlich! Es geschahen furchtbare Dinge. Ich sah viele Frauen weinen. Menschen schrien vergeblich um Hilfe. Es waren unbeschreibliche Schreie! Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt und dabei oft so schwer verletzt, dass einige von ihnen starben, und ihre Männer, Brüder und Väter wurden brutal zusammengeschlagen, angeschossen, erschossen.

Mein Vater, praktischer Arzt und Geburtshelfer, hatte plötzlich Verwundete zu versorgen. Ausgerechnet jetzt, wo doch der Krieg gerade zu Ende gegangen war! Ich sah Schwerverletzte, denen mein Vater nicht mehr helfen konnte. »Muss ich sterben? Ist der Tod schon da?«, hatte einer gesagt, dem das Blut aus einer hässlichen Brustwunde quoll. Mein Vater antwortete: »Er ist noch nicht da, aber er steht vor der Tür.« Der Arme lächelte einen Moment fast froh: »Noch nicht?« Er versuchte die Hand meines Vaters zu fassen, doch dann fiel sein Kopf auf die Seite … Die Tür war aufgegangen, er war lautlos hereingekommen, der Tod. Später sagte mein Vater zu mir: »Man darf als Arzt den Patienten nicht belügen, aber ihm auch nie die Hoffnung nehmen.« Ich habe das nie vergessen …

Es war entsetzlich! Verzweiflung machte sich unter den Menschen breit, und es gab einige Selbstmordversuche. Die grausamen Erlebnisse dieser Tage sollten mich noch lange verfolgen und nachts in schweren Träumen heimsuchen.

Wir
aber, wir hatten Glück in jenen Tagen. Natürlich wurden wir alle bedroht, bestohlen und ausgeplündert, eine meiner Schwestern entging nur knapp einer Vergewaltigung. Aber sonst stieß unserer Familie nichts zu.

Gegen Ende Mai zogen die Russen ab und wurden durch polnisches Militär ersetzt. Damit nahmen die Vergewaltigungen und Plünderungen ein Ende. Es hieß, die Polen seien menschlicher, und die Schreckensherrschaft sei vorüber. Würde das Leben jetzt wieder erträglich werden? Die Mädchen und jungen Frauen hatten sich wochenlang in Scheunen versteckt, halb wahnsinnig vor Angst. Wir hatten sie nachts heimlich mit Essen und Trinken versorgt. Jetzt krochen sie wieder hervor, dreckig und übel riechend, aber froh, dass ihnen nichts passiert war, froh, dass sie wieder ans Tageslicht konnten. Worüber man sich in der Not doch freuen kann!

Wir atmeten auf, wenn auch ein wenig misstrauisch. Ein wenig? Nein, sehr! Trotzdem, das Leben schien sich etwas zu normalisieren. Die Bauern gingen wieder auf die Felder. Es gab wieder Lebensmittelzuteilungen. »Na also, es wird ja!«, rief man sich mit verhaltenem Optimismus zu. Auch die polnischen Soldaten grüßte man freundlich.

War das der Frieden? Auch von ihm hatte ich keine rechte Vorstellung (und das sollte auch noch lange Zeit so bleiben). Aber heute, am 22. Juni 1945, schien die Sonne! Und wie sie schien!

Ich, der gerade 14-Jährige, sprang aus dem Bett und schaute aus dem Dachfenster der kleinen Mansarde, in der bis kurz vor Kriegsende unser Dienstmädchen geschlafen hatte – jetzt gab es kein Dienstmädchen mehr, und so konnte ich das Zimmer beziehen. Herrlich! Hier war ich für mich in meinem kleinen Reich. Hoch oben, kurz vor dem Himmel! Wenig elterliche Kontrollen. Kindliche Freiheit. Ich hatte vorher mit einer meiner Schwestern in einem Zim
mer geschlafen. Jetzt hatte ich ein Zimmer für mich! Mein ganz persönliches Zimmer! Ich konnte nun abends lesen, so lange ich wollte. Und das tat ich auch!

Und morgens konnte ich über das ganze Dorf sehen.

Im Morgendunst verschwamm der ferne, große Wald, der Tschau, wie er genannt wurde, der bis ins heutige Tschechien reichte. Hier hatten wir in den Ferien Heidelbeeren gesammelt und natürlich auch gegessen. (Vom tödlichen Fuchsbandwurm und seinen Eiern auf den Beeren wusste man damals noch nichts.)

Anders als die meisten Wälder, wie wir sie heute in Deutschland kennen, war »unser« Wald urwüchsig, durchzogen von ungepflegten Wegen, aus denen sich dicke Wurzeln erhoben, über die einst schon die Gendarmen bei der Verfolgung des legendären Räuberhauptmanns Karasek gestolpert sein mögen. Verbrecher hin oder her, für uns Jungs war Karasek ein Held, und wir spielten im Tschau leidenschaftlich gern Räuber und Gendarm. (Natürlich wollte jeder am liebsten Räuber sein.)

Für uns war das ein Urwald, etwas geheimnisvoll mit seinem langen, zarten Gras und hohem, weichen Moos, auf dem man herrlich barfuß laufen konnte, mit einem Bach, auf dem wir Papierschiffchen fahren ließen, wenn wir in der Nähe Kühe hüteten. Grenzenlos und fast ein wenig verzaubert erschien uns dieser Wald.

Ein Sommertag begann, zum Träumen geschaffen.

Irgendwo wieherte ein Pferd, bellte ein Hund. Auf den Steinen am Rande unserer Hofeinfahrt räkelte sich die Nachbarskatze. Das Dorf erwachte langsam, wie ein verschlafenes Kind, nichts Böses ahnend. Es begann schon warm zu werden. Die Vögel zwitscherten. Lerchen stiegen jubilierend von den nahe gelegenen Feldern auf.

Ich sah hinüber zu den Nachbarn, wie wenn ich ahnte, dass ich
sie für lange Zeit...


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