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Glas

Eine Kunst.
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Produktdetails

Titel: Glas
Autor/en: Patricia Görg

EAN: 9783847760023
Format:  EPUB ohne DRM
Eine Kunst.
AB Die Andere Bibliothek

8. Oktober 2014 - epub eBook - 110 Seiten

Zerbrechlich wie das Leben - Glas.

Patricia Görgs klare, schnörkellose, poetische Novelle über das Streben nach Perfektion, die Leere der Macht, die Unfreiheit der Kunst und das Scheitern.
Johann Kunckel, der Alchemist, der Glaskünstler ist auf der Suche nach der perfekten Entdeckung. Sein Labor auf der Pfaueninsel vor Potsdam wurde ihm von Kurfürst Friedrich Wilhelm zu diesem Zweck überlassen.
Dieser kommt gerne selber vorbei und wohnt dem Experimentieren bei - Wunderwerk Natur - und fördert Kunkels Leben und Streben mit monetären Zuwendungen. Umgeben von Menschen, die nur das gewünschte Bild von ihm weitergeben fristet dieser - wie Kunckel - ein recht freudloses, unausgefülltes Da-Sein - »Natürlich sehen Maler, die den Großen Kurfürsten portraitieren die Leere, die ihn umgibt.[...] Natürlich würden sie gerne malen, was sie sehen, da es jedoch keiner vor ihnen getan hat, zögern sie, und während sie noch zögern, fährt ihr Pinsel wie von selbst ins Bild und füllt es mit Allegorien.«
Mit dem Tod des Großen Kurfürsten und dem Antritt von König Friedrich I. geht der Traum des Alchimisten buchstäblich in Flammen auf...

Patricia Görg, Jahrgang 1960, lebt seit 1979 in Berlin. Bekannt und vielfach ausgezeichnet, erschienen von ihr: Glücksspagat. Erzählung (2000), Meer der Ruhe. Ein Abenteuerbuch (2003), Tote Bekannte. Zeitgeschichten (2005), Meier mit Y. Ein Jahreslauf (2008) und Handbuch der Erfolglosen (2012).

I
(1686)


Johann Kunckel öffnet die Augen.

Auf seiner Insel tagt es. Gähnsanfter Wind biegt Gräser über einer gerodeten Lichtung, Tautropfen springen von den Gräsern ab und zerplatzen, die Erde riecht frisch, und am Rand der Lichtung warten ausgekühlte Ofenanlagen darauf, dass man sie neu befeuert.

Eben noch lag er in der Brutkammer übler Träume. Kunckel, der Alchemist, erinnert sich, unter gemauertem Himmel ein philosophisches Ei gewärmt zu haben, aus dem schließlich krüppliger, verbackener Unrat schlüpfte aber jetzt schüttelt er solche nächtlichen Fehlschläge ab, setzt seine Perücke auf und tritt hinaus auf die Lichtung, die kristallin glitzert. Bald wird die Sonne gleichmäßig Hitze geben. Gelb schwimmt ihr Widerschein auf der Havel. Der Fluss ist breit und langsam hier, schwappt kaum hörbar an die Ufer der Insel, wirkt wie ein See. Draußen sind einige Fischerboote. Johann Kunckel geht bis zum Wassersaum, blickt ostwärts, indem er die Hand über die Augen hält gegen die Blendung.

Was die Fischer von ihren Booten aus sehen, klein in einer kleinen Bucht der Potsdamer Landschaft, ist ein Mann, der ihnen fern bleibt, denn sie dürfen den Werder nicht betreten, auf dem Kunckel arbeitet, sehen nur manchmal schwarze Rauchsäulen von dort aufsteigen. Viel zu weit weg, um sein Gesicht zu erkennen, denken sie es sich undurchschaubar.

In Wahrheit hat dieser Mann klare, ins Energische geläuterte Züge, die selbst durch eine Perücke nicht verwässert werden. Wellige Kaskaden fließen ihm vom Scheitel bis über beide Schultern, doch sein Blick funkelt dazwischen hervor, und sein Schnurrbärtchen, an den Enden aufgedreht, wiederholt den Schwung der Nasenlippenfurchen, die sich bis tief in die Wangen ziehen, starkes und cholerisches Temperament verratend. Überdies scheint er ein zäher Arbeiter zu sein: Sein Kinn lässt gar keinen anderen Schluss zu.

Kunckel stemmt die Arme in die Seiten. Während seine Handflächen nach außen zeige
n, beginnen seine Finger eigene Läufe. Höchste Zeit, aus der Starre eines Porträtierten zu kommen. Er zwinkert. Ein Hahn schreit, und er ahmt ihn kurz nach, als wolle er seine Helfer wecken. So endet die Besinnlichkeit des frühen Morgens.

Schon drehen sich Windmühlenflügel auf der Insel, wird das Mehl für Brot und das Malz für Bier gemahlen, schon werden Tiere gefüttert und Korn gebrannt. Einige von Kunckels Leuten hacken Holz. Einige andere mauern ein Kellergewölbe. Es entsteht in einer Baugrube seitlich von der Lichtung, ein Stück abseits von Hütten und Unterständen, in denen ausgekühlte Öfen darauf warten, neu befeuert zu werden. Die Wände der Grube, wo sie noch blank liegen, zeigen Schicht für Schicht den märkischen Boden, unbesiedelt und arm, bis zurück zum Geschiebe der letzten Grundmoräne.

Kunckel besichtigt die Fortschritte. Er will, dass die Kellermauern dort einen Meter Dicke haben, um den geheimsten Teil dessen, was er tut, unter die Erde zu verlagern, aber er wird sich gedulden müssen. Noch fehlt die nächste Ladung Backsteine, die längst per Schiff hätte kommen sollen.

Früher schlief diese Insel, sich selbst überlassen, während auf ihr Generationen von Kaninchen mit ihrer Vermehrung beschäftigt waren, und nur manchmal das Schicksal zwischen sie fuhr, sie an den Ohren packte, in den Nacken schlug und aus dem Vermehrungsparadies abtransportierte. Jetzt steht das Hegergelände leer, längst wieder überwuchert. Eichenwildnis bedeckt den größten Teil der Insel, sie verdunkelnd. Seit sie dem Alchemisten gehört, ist diese Wildnis allerdings an der Nordostspitze der Insel gelichtet, macht einem wachsenden Werk Platz.

Welche Stoffe sind brauchbar, um Brauchbares zu erzielen? Wie wandeln Stoffe den, der sie verwandelt?

Fragen der Ehre. Fragend hantiert der Mensch in vollgestellter Leere.

Nichts geht Kunckel über das Probieren, seien die überlieferten Rezepte auch noch so hermetisch. Er weiß, dass manche Materia, gehörig trak
tiert, flüchtige Wunder vollführt, dass sie sich zu verfärben, zu verkehren oder zu verstecken scheint, aber er weiß ebenfalls, dass unermüdlich verfeinerte Erfahrung, und nur sie, diesen faulen Zauber bändigt. Viele Tricks, ersonnen in Hinterstuben, in denen Lügen in Tiegeln schmoren, durchschaut er. Goldmacher mehren sich wie Karnickel, bieten ihre Dienste an und bringen eine ganze Kunst in Verruf. Seit Generationen zieht ein vorgeblicher Midas nach dem anderen durchs Land, berührt Geldschatullen, flüstert, dass alles, was er berühre, in geradezu fluchwürdigem Reichtum ende und endet selbst am Galgen. Goldmacherschicksal.

Kunckels Probierstube bleibt ernsthaften Experimenten vorbehalten.

Auf der Suche nach dem Stein der Weisen, der, ins Unedle geworfen, dieses unverzüglich ins Edle läutert, haben die Alchemisten viel im Dreck gewühlt. Haben üble Dämpfe eingeatmet, Metalle zu mörderischem Magma zerschmolzen, sich verbrannt, verätzt, vergiftet und um ihre Ehre gebracht. Oft wurde ihnen einfach nur schwarz vor Augen. Das ist der Bodensatz. Im magischen Morast, bedeckt von Tausenden verklausulierten, tausendfach verschlüsselten Enthüllungen, schlummert vielleicht der Stein der Weisen vielleicht auch nicht. Auch Kunckel hat danach geforscht. Bedrängt von Finsternissen, fasste er den Entschluss, sich einer lichteren Materie zuzuwenden: Glas.

Angefangen in Kunckels eigenem Labor, in dem er ohne seine gläsernen Apparaturen nicht arbeiten könnte, bis hin zu Kirchenfenstern, die farbglühende Bilder über Steine schütten, hilft dieser Stoff dem Mensch beim Menschsein.

Und weil Glas nicht reagiert mit dem, was es beherbergt, weil es ungerührt ist sogar von ätzenden, giftigen, brodelnden Momenten, bildet es das perfekte Gefäß, zumindest für Experimentatoren wie Kunckel. Er unterhält ein ganzes gläsernes Eingeweidegebilde aus Flaschen, Kolben, Bechern, Kelchen, Trichtern, Phiolen und Retorten, aus Zirkulatorien und Destillierhauben, die er variabel ve
rbindet, um der Hermetik ins Klare zu entkommen, wobei seine vertraglich abgesicherte Aufgabe hier auf der Insel nicht lautet: Erkenne!, sondern: Mache Kristallglas!

Über die Wiese, deren Tau nun völlig abgetrocknet ist, läuft durch schwankende Sonnenflecken ein Kerl, ein Gehilfe mit Schürze und Lederkappe, Kunckel entgegen, der ihn in Gedanken versunken erst nur wie eine grobe Schraffur wahrnimmt doch dann kommt der Gehilfe so nah, dass man sein Gesicht erkennt. Es ist der Aschekocher. Unglücklich sieht er aus. Er braucht einen Rat. Die beiden gehen, durchs hohe Gras zwei weitere Spuren tretend, zu dem Unterstand am Rand der Lichtung, vor dem gehacktes Holz liegt und wo von Kunckel optimierte Gerätschaften in Dauerbetrieb sind, denn Asche gekocht werden muss immer. Bäume wachsen und müssen fallen, müssen brennen, um Asche zu liefern, die portionsweise in Bottiche gefüllt wird und mit Wasser übergossen steht. So laugt das Wasser die Asche aus. Wieder wird Feuer gemacht, diesmal, um die Lauge in einem Kessel zu kochen, bis auf seinem Grund nur trockenes graues Salz bleibt, Wandlungssalz aus Asche, die vorher Pflanze war: graues, halb rohes, halb fertiges Zwischenwesen, sich kurz ausruhend inmitten einer Gleichung, traktiert, unterwegs, die Farbe wechselnd auf dem Weg in den Nutzen.

Wandlungsfrohe Essenzen, die keine Nymphen mehr sind, lassen sich befreien und in Metamorphosen locken. Graues Salz macht den Anfang. Es soll noch heller, soll weiß werden. Natürlich, das wissen der Glasmacher so gut wie sein Gehilfe, kann jeder Schritt misslingen. Hoch über ihnen tasten zwei riesige einzelne Eichen mit verkrusteten Blättern nacheinander, durch aufsteigende Dämpfe in absterbende Gestalten verwandelt.

Während der Aschekocher ihm aufzählt, dass er abgelagerte Holzscheite so fein gehackt hat, dass sie eine gleichmäßige, nicht zu kräftige Flamme geben, dass er das Feuer geschürt hat, um es in Gang zu halten, dass er das Salz ins Mundloch des Ofens gefüllt
und stetig gerührt hat, dann wieder nach dem Feuer gesehen, ob es das Salz nur zum Glühen, nicht zum Schmelzen bringt, kurz, dass er alles richtig gemacht hat, aber nun ist die Gräue noch im Salz während Kunckel dies hört, pendelt er unduldsam von einem Fuß auf den anderen. Er entringt dem Gehilfen die Stocherstange, mit der jener während seiner Rede gestikuliert hat, und holt eine Probe aus dem Ofen. Dann sieht er sie sich genau an. Conclusio: Hier fehlt Hitze! Um die Gräue aus dem Salz zu zwingen, muss zielstrebig auf dem schmalen Grat zwischen Zuviel und Zuwenig gehandelt werden, eine Sache tausendfacher Versuche, von der einiges abhängt, weil Glas nur so perfekt sein kann wie jeder einzelne seiner Bestandteile. Dieses Salz hier, grau und klumpig, sieht aus wie die Arbeit eines Anfängers. Kunckel wird es erst akzeptieren, wenn die Körner keinen Halt mehr aneinander finden, wenn sie vor Weiße bläulich schimmern. Nur ein reiner Stoff, mit anderen reinen Stoffen vermischt, kann etwas Neues ergeben. Ist das so schwer? Es ist die Quintessenz. Sie liegt in der Luft, klar greifbar, obwohl mittlerweile der Ofen das Firmament mit Rauch schwängert.

Kunckel fragt sich: Warum die Ungenauigkeit? Kann einer kein Euphoriehandwerker sein?

Betreten feuert sein Gehilfe wieder den Ofen an.

Kunckel steht neben einem Haufen Sand, der wie eine Wanderdüne neben ihm aufragt. Während die Bauern sich damit plagen, lässt Kunckel den Sand aus der Umgebung kommen, äußerst zufrieden über die feine, quarzhaltige Qualität.

Er nimmt eine Handvoll davon und winkt gleichzeitig den Gemengemacher herbei, der gerade die Schmelzerei verlässt, seinem Meister...


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