Das Buch Leuchtende Schatten hatte ich vor ein paar Jahren schon gelesen, es ist also keine Neuerscheinung sondern nur eine Neuauflage als Taschenbuch. Trotzdem hat es mich wieder gefesselt und begeistert. Ich kenne einige Bücher von Iris Wolff und lese sie gerne auch mal immer wieder. Sie hat einen sehr nüchternen Schreibstil, versteht es aber trotzdem Stimmungen und Gefühle in unnachahmlicher Weise auszudrücken. Der Zweig mit den leuchtend roten und verlockenden Kirschen auf dem blaugrauen Hintergrund des Buchcovers gefällt mir sehr gut. Die Kirschen versprechen schöne Sommertage in einer heilen Welt, aber auf einem Blatt sitzt eine Biene, bereit zu zu stechen.
Nachdem sich Harriet und Ella näher gekommen sind, verbringen sie harmonische Sommertage zusammen. Obwohl ihre Familien nicht unterschiedlicher sein könnten, verbindet die Beiden eine echte und tiefe Freundschaft. Trotzdem hat Harriet Geheimnisse, die sich Ella erst enthüllen, als bedrückende Ereignisse ihre Freundschaft überschatten. Mit einfühlsamen Worten erzählt Iris Wolff, wie sich die beiden ungleichen Mädchen näher kommen und schildert anschaulich ihre Ausflüge und kleinen Reisen, die ihnen Harriets Vater ermöglicht. Aber das Alles, ebenso wie die sensible beschriebene aufkeimende Liebe Ellas zu Leo, finden ein abruptes Ende, weil die hässlichen Seiten der damaligen Politik mehr und mehr Raum gewinnen und alles Schöne übertönen und vernichten.
Es ist eine Zeit, die wir uns heute kaum noch vorstellen können, über die wir aber intensiv nachdenken sollten. Auch heute gibt es Tendenzen, die versuchen, Keile zwischen Menschen zu treiben und die wir vielleicht erst wirklich bemerken, wenn es zu spät ist.