"Es ist eigenartig, gerade eben verstieg ich mich in die Illusion, es sei nichts geschehen, doch ich sehe dich vor mir und Der Schöne im Mohn steht auf der Staffelei, er ist Zeuge für alles, was vorgefallen ist, er ist mein Lebenswerk und damit der Spiegel meines Lebens."
Selten hat mich eine Lebensgeschichte so berührt, wie die der Berliner Aktmalerin Emma Bendes in Der Schöne im Mohn. Dagmar Fohl zeichnet in einer sehr niveauvollen, farbigen und einfühlsamen Sprache das Leben und Arbeiten einer jungen Malerin, die Anfang des 20. Jahrhunderts als Schülerin von Käthe Kollwitz ohne Kompromisse ihren künstlerischen Weg verfolgt. Sie hat kein anderes Ziel, als männliche Akte zu malen und begibt sich damit ins Abseits und in ungeahnte Sphären. Um Anatomie studieren und mit nackten männlichen Modellen arbeiten zu können, geht sie nach Paris, kehrt schließlich nach Berlin zurück und trifft auf ihr Traummodell. Immer stärker steigt die Spannung, die die Autorin aufbaut. Wohin treibt es die Malerin?
Ein tief bewegender, spannungsgeladener Roman, der dem Leser das Seelenleben einer obsessiven Malerin näherbringt und gleichzeitig einen interessanten und sachkundigen Einblick in die Aktmalerei und in die Situation der Frauen im Kunstbetrieb der Jahrhundertwende gewährt.
In jeder Hinsicht zu empfehlen. Wunderschön gestaltet ist auch die bibliophile Hardcover-Ausgabe mit Lesebändchen.