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Abbitte

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Bücherpreis, Kategorie Inte…
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Produktdetails

Titel: Abbitte
Autor/en: Ian McEwan

ISBN: 3257233809
EAN: 9783257233803
Ausgezeichnet mit dem Deutschen Bücherpreis, Kategorie Internationale Belletristik 2003 und dem Nati.
Originaltitel: Atonement.
Übersetzt von Bernhard Robben
Diogenes Verlag AG

1. April 2004 - kartoniert - 544 Seiten

Die Abgründe und die Macht der Leidenschaft und der Phantasie: An einem heißen Tag im Sommer 1935 spielt die dreizehnjährige Briony Tallis Schicksal und verändert dadurch für immer das Leben dreier Menschen.
Ian McEwan, geboren 1948, lebt und schreibt in London; las mit zwanzig Kafka und Freud als sich ergänzende Texte; wurde als Literaturstudent von Angus Wilson und Malcolm Bradbury gefördert, von Philip Roth für ein Schriftsteller-Stipendium nominiert, für den ersten Erzählungsband mit dem Somerset-Maugham-Preis ausgezeichnet, gelangte mit dem zweiten auf die Bestsellerliste der 'Sunday Times'; erscheint deutsch von Christian Enzensberger, Harry Rowohlt und Wulf Teichmann im Diogenes Verlag.

Kabale und Liebe in England

"Abbitte" - der neue Roman des Booker-Preisträgers Ian McEwan Vergessen wir alles, was wir bisher von Ian McEwan gelesen haben - die "Schwarzen Hunde", "Liebeswahn" oder "Amsterdam". Alles gute Romane, zurecht gelobt für ihre fesselnde Erzählweise, für den schwarzen Humor, für die psychischen Grenzsituationen, in denen sich die Figuren permanent bewegen, und nicht zuletzt für die stets garantierten Überraschungen mit Schockwirkung.

Doch nun hat der 54-jährige in Oxford lebende Ian McEwan sein absolutes Meisterwerk vorgelegt, das wie eine Summe aus allen vorangegangenen Romanen daherkommt. Noch nie zuvor hat der Booker-Preisträger des Jahres 1998 ein so weites Themenareal beackert und seine Figuren über einen derart langen Zeitraum unter die sezierende Lupe genommen. Trotz des riesigen Umfangs ein einziges Lesevergnügen, wie ein Sprinter hechelt man atemlos von Seite zu Seite dem Ziel entgegen. Jane Austen und Virginia Woolf werden häufig als McEwans Paten für diesen Roman zitiert. Das ist ziemlich offenkundig, aber bei einem solchen Meisterwerk darf man ungeniert noch höher greifen und Dostojewskijs "Schuld und Sühne" und Schillers "Kabale und Liebe" anführen. Eine unstandesgemäße Beziehung wie in Schillers "bürgerlichem Trauerspiel" spielt nämlich auch bei McEwan eine zentrale Rolle.

Cecilia Tallis, Tochter aus wohlhabendem Haus, hat sich in Robbie Turner verliebt, den Sohn einer Putzfrau. Nicht etwa Cecilias Eltern hadern mit dieser Beziehung, sondern ihre 13-jährige Schwester Briony - ein aufgewecktes Mädchen, vom Wunsch beseelt, Schriftstellerin zu werden und mit einer entsprechenden Fantasie ausgestattet. Dem kleinen Luder fallen Liebesbriefe des Paares in die Hände, und sie heftet sich wie eine Detektivin an ihre Schwester. Fast die Hälfte des kapitalen Umfangs hat Ian McEwan ("mich interessiert das menschliche Innenleben, das nicht von oberflächlicher Logik angetrieben ist") der Schilderung eines einzigen heißen Sommertags im Jahr 1935 gewidmet. Die flirrende Hitze auf dem Anwesen in Surrey (40 km südlich von London gelegen) lässt nichts Gutes ahnen. Es entlädt sich nicht etwa ein kräftiges Sommergewitter, sondern eine üble Denunziation zerstört das großbürgerliche Idyll.

Eine Cousine der Tallis-Schwestern wird vergewaltigt, und Briony behauptet, Robbie - den Freund ihrer Schwester - als Übeltäter erkannt zu haben. "Briony gehörte zu jenen Kindern, die eigensinnig darauf beharren, dass die Welt genau so und nicht anders zu sein hat." Ins Weltbild der englischen Zwischenkriegsgesellschaft passt auch Robbies Vita. Wohl nur ein "social underdog" kann zu einer solch scheusslichen Tat fähig sein. Robbie wandert ins Zuchthaus, Cecilia glaubt an dessen Unschuld und sagt sich von ihrer Familie los - die kleine Briony hat Schicksal gespielt, eine folgenschwere Kabale inszeniert, ohne dass sie sich zunächst der Tragweite bewusst wird.

Aus der Sicht von Robbie (inzwischen Mitglied der Armee) wird der zweite Teil des Romans erzählt, in dessen Mittelpunkt die Schlachten des Zweiten Weltkriegs stehen, der Rückzug der britischen Truppen nach Dünkirchen, wo einst McEwans Vater kämpfte.

So anatomisch detailliert wie der Autor eingangs Cecilias Entjungferung beschrieben hat, so schockierend präzise geht er auch mit entsetzlich verstümmelten Soldatenkörpern, abgeschossenen Gliedmaßen und zerfetzten Köpfen um. Briony will unterdessen Schuld abtragen und arbeitet als Krankenschwester. Ist es eine unterschwellige Form der Sühne, als ihr bei der Behandlung eines Kriegsverletzten plötzlich dessen Hirnmasse entgegen tritt?

Mit Fortschreiten der Handlung entwickelt sich ein ambivalentes Verhältnis zur Protagonistin. Briony kämpft schwer mit ihrer Schuld, von der sie niemand befreien kann. Die Irreversibilität der schwerwiegenden infantilen Verfehlung schwebt wie ein Damoklesschwert über Brionys Leben. Zuletzt erleben wir sie als erfolgreiche, betagte Schriftstellerin von fast achtzig Jahren, die bald (wie McEwans Mutter) von einer Altersdemenz heimgesucht wird. "Es gibt niemanden, kein Wesen, an das sie appellieren könnte, mit dem sie sich versöhnen, das ihr verzeihen könnte." So konnte sie nur schreibend versuchen, die Schuld zu bekämpfen, Abbitte zu leisten (englisch: atonement), oder - um McEwans implizites Wortspiel aufzunehmen - eins zu werden ("at one ment"), mit sich selbst ins Reine zu kommen.

Nur große Literatur vermag es, den Leser durch ein Wechselbad der Gefühle zu schicken, in Wellenbewegungen die Figuren zu verachten und zu lieben. Ian McEwan hat dies mit großer psychologischer Raffinesse geschafft.

© Peter Mohr, www.titel-magazin.de

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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Gold zum lesen - von Tilman Schneider - 07.05.2008 zu Ian McEwan „Abbitte“
Es ist ein endlos heißer Sommer im Jahre 1935. Cecilia und der Sohn der Haushälterin Robbie flirten immer wieder und Cecilias dreizehnjährige Schwester Briony beobachtet das ganze sehr genau, denn sie selbst schwärmt heimlich für ihn. Ihre Phantasie ist groß und sie schreibt sehr gerne Geschichten und Theaterstücke. Einige Tage später beobachtet sie ihre Cousine Lola wie diese scheinbar sexuell belästigt wird. Bei ihrer Aussage bringt sie Robbie ins Spiel und beschuldigt ihn der Tat. Eine furchtbare Katastrophe nimmt ihren scheinbar unaufhaltsamen Lauf. Ein ganz großes Stück Literatur von einem genialen Autor. Die Sprache ist Gold wert.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Vergeben und vergessen oder? - von Polar - 26.06.2007 zu Ian McEwan „Abbitte“
In guten Büchern bedarf es eines kleinen Anstosses, um das Leben der Menschen darin zum Einsturz, zur Umkehr oder Bestätigung zu bringen. Daß die dreizehnjährige Briony imstande ist, dies durch eine unwahre Behauptung zu schaffen, indem McEwan uns behutsam auf den Punkt hin führt, an dem wir erschüttert danebenstehen und zusehen müssen, mit welch kindlicher Naivität sie ihre Macht über das Leben anderer ausübt, gehört zu den einfühlsamensten Erzählpassagen der letzten Jahre. In Büchern wie Der Zementgarten hat der Autor bereits bewiesen, wie scharf umrissen er die Verwirrungen der Kindheit zu beschreiben versteht. Weniger überzeugend der Erste Weltkrieg, den hätte es nicht gebraucht, auch wenn McEwan auch hier zu erzählen versteht. Der wiederum gelungene Schluß hingegen, indem eine gealterte Briony auftritt, besitzt viel von der Ironie, die Ian McEwan seinen Romanen manchmal unterzieht. Ein lesenwertes Buch mit zwei, drei Schwächen, es gibt nicht viele Romane, die das von sich behaupten können.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Der beste Roman aus England seit Jahren! - von Elisabeth Stein-Salomon (Akademische Buchhandlung Knodt) - 15.11.2006 zu Ian McEwan „Abbitte“
McEwan stellt seinem Roman ein Zitat von Jane Austen voran, was einen breit angelegten Familienroman voller romantischer Intrigen und tragischer Missverständnisse verspricht und dieses Versprechen wird in einem gewissen Maß auch eingelöst. Doch viel stärker erinnert die Art, wie der Autor auf der ersten Hälfte der 530 Seiten seines Romans die Ereignisse eines einzigen fiebrigen Sommertages schildert, an Virginia Woolf. Der beste Roman aus England seit Jahren!
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