In der Freien Reichsstadt geht es im Frühjahr 1581 so beschaulich zu, dass schon die Lochmägde entlassen werden. Meister Frantz, Nachrichter zu Nürnberg, hat reichlich Muße, sich mit seinem ersten Sohn und seinem Zahnweh zu beschäftigen - und da überschlagen sich die Ereignisse.
Die Autorin hat die geschilderten Fälle und Verbrechen den überlieferten Aufzeichnungen jener Zeit übernommen, den nüchternen Eintragungen der Ratsverlässe und aus Meister Frantz Tagebuchaufzeichnungen jedoch eigenes Leben eingehaucht.
Wieder begegnen wir Max und Kathi aus dem ersten Band. Max, nun Stadtknecht, muss eine Diebsbande aufspüren, die einsame Gehöfte im Nürnberger Umland überfällt, und stolpert als Erstes über die Leiche einer erhängten Fuhrmannsfrau. Selbstmord? Schnell kommen Zweifel auf. Doch wer ermordete Anna Presiglin? An Verdächtigen herrscht kein Mangel, und immer verwickelter wird die Geschichte. Meister Frantz will um jeden Preis vermeiden, einen Justizmord verüben zu müssen, und drängt seine Gehilfen Max und Kathi auf eine gründliche Untersuchung.
Die Meister-Frantz-Reihe bietet neben Spannung und liebenswerten Charakteren eine Menge gut recherchiertes Hintergrundwissen und Lokalkolorit, was sie wohltuend von unrealistischen Henkerfiguren anderer Autoren abhebt. Der Henker als Mann mit Gewissen, der Unehrliche, dem seine Ehre über alles geht, der Familienmensch und liebende Vater, den ein grausames Schicksal in eine ungeliebte Rolle gezwungen hat, die er dennoch gewissenhaft ausfüllt.
Ausgesprochen empfehlenswert