Ein Psychothriller bzw. Gruselroman, in dem der angesehene Kriminalschriftsteller Andrew Rush immer mehr von *Pik Bube*, seinem diabolischen Pseudonym, unter dem er Splatterromane schreibt, beeinflusst und getrieben wird. Eine Reise in den Wahnsinn, bei der Verweise auf die Klassiker des Horror-Genres eingebaut sind und vor allen Dingen ausführlich das Werk von Stephen King zitiert wird. Die kafkaeske Ausgangssituation einer scheinbar unbegründeten Plagiatsklage setzt eine Reihe verstörender Ereignisse in Gang und wühlt dunkle Geheimnisse auf. Das kann man einfach als sehr guten Thriller lesen und genießen, aber so richtig wird die Genialität diese recht kurzen Romans erst deutlich, wenn man mit Stephen Kings Arbeiten vetraut ist. Insbesondere *Shining* und *Geheimes Fenster, geheimer Garten* haben offensichtlich als Inspiration gedient. Das ist ohne Frage als Hommage an den großen King gedacht. Die gesamte Handlung ist, wenn man das will, auch rational erklärbar, lediglich das Ende will nicht so recht mit der Erzählperspektive in Einklang zu bringen sein, was aber durchaus zum Gerne des Schauerromans passt. Joyce Carol Oates wird seit Jahren als Anwärterin auf den Literaturnobelpreis gehandelt.*Pik Bube* aus dem Jahr 2015 ist ein Beleg dafür, wie großartig sie ist und wie sehr sie diesen Preis verdient hätte. Ein Kabinettstück, das man gerade von dieser Autorin so nicht erwarten konnte.