Inhalt:
Nuri wartet in England auf die Bearbeitung seines Asylantrags. Dabei durchlebt er den Kriegsbeginn in Syrien und seine Flucht nach England im Geiste erneut.
Meine Meinung:
Ich bin schwer in das Buch reingekommen. Einerseits lag das ein bisschen am von mir selbst verschuldeten blöden Timing, aber ich brauchte auch einfach lange um die Situation zu erfassen und mich mit Nuri zu identifizieren. Auch als ich drin war, habe ich 3/4 des Buches nur langsam gelesen. Nun aber weil wirklich schreckliche Szenen beschrieben werden. Die Beschreibungen sind selten blutig und nie langatmig. Aber manchmal haben mich einzelne kleine Sätze schon umgehauen. Nein, eigentlich sind es immer die kleinen Sätze mitten im Absatz gewesen, die mir wirklich zu Denken gegeben haben. Am Anfang hat mich das sehr irritiert, aber nach und nach fühlte es sich wie eine Aufforderung an: Die wichtigen, schlimmen, schönen Dinge passieren einfach so, ohne Ankündigung direkt neben Dir. Du musst nur hinsehen. Natürlich weiß ich nicht, ob die Autorin das auch so gemeint hat. Jedenfalls ist diese Erzählweise aufgefallen. Auf diese Weise werden auch viele andere Flüchtlingsgeschichten erwähnt und in Ausschnitten gezeigt.
Es ist deutlich zu spüren, dass die Autorin genau weiß, wovon sie schreibt. Dass sie wahrscheinlich viel mehr weiß, als sie je wissen wollte. Und trotzdem bleibt eine Hoffnung. Nicht durch Kitsch und schöne Reden, sondern durch die Bienen, durch kleine Geste und Momente. Ich weiß gar nicht, wie ich das Beschreiben soll. Das Buch steckt voller Details ohne je überlastet zu sein oder in nervigen Beschreibungen zu enden. Es passt alles zusammen.
Insgesamt:
Ich empfehle das Buch weiter. Es könnte aktueller nicht sein und bietet Dir vielleicht einen ersten Zugang zu einer Welt, die wir sonst nur durch um Zuschauer kämpfende Medien kennen.