INHALT:
Wien, 1787. Alfred Wagener studiert Medizin. Besonders fasziniert ihn der Narrenturm, zu dem den Studenten normalerweise gar kein Zutritt gewährt wird. Dort befindet sich von der Stadt abgeschottet, die erste psychiatrische Heilanstalt der Welt. Der Medizinstudent wird jedoch den Verdacht nicht los, dass hinter den Mauern etwas nicht mit rechten Dingen zugeht...
Da er aus keiner reichen Familie stammt, ist er auf ein Einkommen angewiesen und bekommt die Chance, die Tochter eines Grafen zu unterrichten. Doch Alfred hat etwas gegen den Adel, der die anderen zu Menschen zweiter Klasse macht...
Die junge Helene, sesshaft auf Schloss Weydrich, gehört dem Hochadel an. Bevor sie sich zu Hofe zeigen wird, soll sie einen Lehrer bekommen, der sie in Naturwissenschaften und Latein unterrichtet.
Als ihr Vater sie nicht mehr beschützen kann, und sie es mit diversen Intrigen zu tun bekommt, wird ihr Freiheitsdrang immer größer. Und auch der Liebe wegen muss sie kämpfen...
MEINUNG:
Vor dicken Büchern habe ich immer erst einmal Respekt. Aber wenn mich ein Buch überzeugt, kann es gar nicht genug Seiten haben, sondern man ist eher traurig darüber, wenn es zu Ende ist. So ging es mir auch hier!
Schon der Prolog ist äußerst spannend aufgebaut, so dass ich direkt gefesselt war und unbedingt wissen wollte, was da vorgefallen ist. Da fiel mir der Einstieg in das Buch relativ leicht.
Ziemlich beeindrucken konnten mich die Schilderungen über das Bild der Gesellschaft von psychisch Erkrankten zur damaligen Zeit. Eine Klinik, hinter Bäumen versteckt, für die Wahnwitzigen, die aus den Augen der Menschen entfernt werden müssen (S.20) - ganz schön harte Worte. Und auch die Vorstellung, wie die Menschen vorgeführt und wie respektlos sie zum Teil behandelt wurden, machen betroffen.
Da kommt dem Leser Alfred als Protagonist gerade recht, der einfühlsam mit den Patienten umgeht und das Unrecht das geschieht, nicht länger mit ansehen möchte. Der Medizinstudent war mir sehr sympathisch und ich habe seine Geschichte gespannt verfolgt.
Helene hat mir als starke Frauenfigur imponiert. Ich habe sie dafür bewundert, dass sie versucht, aus den adligen Konventionen auszubrechen und für ihre Freiheit kämpft.
Inhaltlich geht es gar nicht all zu viel um den medizinischen/ psychiatrischen Bereich, wie ich zuvor fälschlicherweise angenommen und mir vielleicht auch erhofft hatte. Dafür nehmen Kriegseinsätze, Liebe, der Kampf um Freiheit und diverse Intrigen einen großen Teil der Geschichte ein. Letztere waren mir persönlich ein bisschen zu viele, aber das dürfte Geschmackssache sein.
Insgesamt kam bei mir beim Lesen viel Spannung auf. Trotz der vielen Seiten entstanden für mich keinerlei Längen, so dass meine Aufmerksamkeit aufrecht erhalten werden konnte. Selbst der Kampf im Krieg (worüber ich sonst eher weniger gerne lese), war äußerst spannend geschildert und ich konnte das Buch kaum zur Seite legen.
Die ein oder anderen Entwicklung hätte ich mir noch etwas langsamer vonstattengehend gewünscht (z.B. Zeitpunkt des ersten Kusses), um auf den Leser noch authentischer zu wirken.
Ansonsten habe ich mich wunderbar unterhalten gefühlt und hätte mir gewünscht, dass das Buch nicht endet... ;)
FAZIT: Ein lesenswerter Historischer Roman, der trotz seiner vielen Seiten nicht an Fahrt verliert. Wenn euch die Thematik reizt, kann ich euch das Buch sehr ans Herz legen! Von mir gibt es 4-4,5/5 Sterne!