Sommer, Sonne, Sommerspiele - Was kann es Schöneres geben als William Shakespares "Sommernachtstraum" vor der beeindruckenden Kulisse der Burg Perchtoldsdorf? Nun ja, vielleicht ein Glas "Schüttelwein" aus dem Weingut Nöhrer?
Doch als während der Premiere der Komödie Norbert "Nobsi" Obermayer, der Darsteller des "Oberon" ermordet wird, wird aus dem "Sommernachtstraum" ein Albtraum in der Sommerhitze.
Charlotte Nöhrer, ihres Zeichens ehemalige Polizistin und Neo-Winzerin ist am Ort des Geschehens. Eigentlich wollte sie ja nur ihre neueste Weinkreation unter die Leute bringen, aber ihr polizeilich geschulter Instinkt lässt sie ihre Nase tiefer in die Ermittlungen stecken als nötig.
Noch sind die Ermittlungen im Fall "Nobsi" nicht abgeschlossen, da fällt schon die nächste Leiche zwar nicht vom Himmel, aber dafür aus der Liebesschaukel. Diesmal trifft es "Titania" - im Theater- wie auch im echten Leben mit Oberon verbandelt.
Hat Renate Obermayer sich des fremdgehenden Ehemanns und seiner Geliebten entledigt?
Meine Meinung:
Dieser Krimi besticht durch eine ungewöhnliche Schreibweise: Obwohl wir alle in der Schule gelernt haben, dass Eigennamen kein Artikel vorangestellt werden darf, bemüht Christian Schleifer genau dieses. Wir lesen also von "der" Charlotte (immer mit stummen "e - auf französisch" wie er sie selbst betonen lässt), "dem" Leo (Charlottes Cousin und Polizisten von Perchtoldsdorf). Das mag für einige Leser gewöhnungsbedürftig sein, verleiht dem Krimi aber einen österreichischen Charme.
Genau wie der Schreibstil sind auch die Charaktere ein wenig ungewöhnlich, aber liebevoll ausgestaltet.
Das Setting ist stimmig. Manche Leser mögen sich vielleicht daran stoßen, dass recht große Mengen Alkohol konsumiert werden und zahlreiche Protagonisten am nächsten Morgen mit einem gewaltigen Brummschädel aufwachen. Allerdings ist das gelebte Realität in einem Ort, der vom Weinbau lebt.
Gut gelungen ist auch die Darstellung der Generationenkonflikte. Sei es in der Familie oder sei es im Winzerverband, in dem die alten Herren keine Neuerungen zulassen wollen. Das Bewahren von Althergebrachten verleitet den Obmann Zaitler zu einer Sachbeschädigung.
Hin und wieder gleitet der Autor in Nebenhandlungen ab, die aber rechtzeitig wieder eingefangen werden.
Dass das Mordmotiv - passend zu William Shakespeare - "Eifersucht" ist, wird wohl keinen Leser überraschen. Wer allerdings auf wen eifersüchtig war, schon.
Meine Meinung:
Dieser Krimi ist das gelungene Debüt von Christian Schleifer im Kölner Emons-Verlag. Für die unterhaltsamen Lesestunden gebe ich hier gerne 5 Sterne.