Kyoto, Japan, 11. Jahrhundert: Der Justizbeamte Sugawara Akitada wird von seinem ehemaligen Mentor Hirata um Hilfe gebeten. An der Kaiserlichen Universität, in der Hirata lehrt, scheint es einen Erpresser zu geben. Akitada wird vorübergehend vom Dienst freigestellt und geht als neuer Dozent an die Universität, um undercover ermitteln zu können. Bald gibt es Tote und Akitada hat drei verschiedene Fälle zu klären.
Die Reihe um den japanischen Ermittler ist schon früher einmal erschienen, dieser Band im Original 2002, im Deutschen 2004. In der damaligen Reihenfolge scheint Tod am Rashomon Tor der zweite Band gewesen zu sein, es wird in diesem auch an Fälle erinnert, die Akitada schon erfolgreich gelöst hat. Im Original sind anscheinend bisher 24 Bände erschienen. In der derzeitigen Ebook-Neuauflage ist Tod am Rashomon Tor der erste Band, bisher sind zwei weitere erschienen. Es ist ein bisschen schade, dass der offensichtlich erste Band fehlt, doch abgesehen davon, dass ich neugierig darauf wurde, auch über die angesprochenen Fälle zu lesen, hatte ich keine Probleme damit, in die Geschichte einzutauchen.
Der Protagonist stammt aus einer verarmten Adelsfamilie, langweilt sich in seinem Job, und hat noch Mutter und zwei ledige Schwestern zu versorgen, Dienstpersonal ist wenig vorhanden, eine größere Rolle spielt Tora, ein ehemaliger Straßenräuber, den Akitada vielleicht im vorherigen Band als Bediensteten bei sich aufgenommen hat, und der ihn bei seinen Ermittlungen tatkräftig unterstützt. Im Laufe der Geschichte kommen weitere Charaktere hinzu, die möglicherweise den Haushalt vergrößern werden. Akitada und Tora waren mir schnell sympathisch.
Natürlich spielen auch die verschiedenen Dozenten der Universität und einige Schüler eine Rolle, denn in ihren Reihen könnte der Erpresser zu finden sein. Gerade die Dozenten sind dabei recht skurrile Charaktere, mit denen Akitada so seine Probleme hat. Im Laufe der Geschichte kommt zum Charakterensemble auch der Hauptmann der Stadtwache, Kobe, dazu, durch ihn und seine Handlungen erfährt man als Leser:in einiges, nicht immer erfreuliches, über das japanische Rechtssystem jener Zeit.
Ingrid J. Parker lässt das alte Japan lebendig werden und hat gleichzeitig einen unterhaltsamen Kriminalroman geschrieben. Ich hatte nur manchmal das Gefühl, die Sprache könnte dem Setting etwas angepasster sein, das hat mich aber nur am Rande gestört. Die Fälle sind interessant, ich habe fleißig mitgerätselt, die Auflösungen sind jeweils nachvollziehbar.
Das Buch enthält neben den sehr lesenswerten historischen Anmerkungen der Autorin, denen man entnehmen kann, wie gut sie recherchiert hat, ein Verzeichnis der handelnden Personen, in dem auch darauf hingewiesen wird, dass im Japanischen der Famiienname zuerst genannt wird, Akitada ist also der Vorname des Protagonisten.
Mir hat dieser Ausflug ins Japan des 11. Jahrhunderts gut gefallen, der Protagonist ist sympathisch, die Fälle interessant, der Roman gut recherchiert. Ich freue mich darauf, weitere Bände zu lesen.