"Die Erinnerungen kamen zurück wie Treibholz, wurden angespült an den Strand meines Bewusstseins, wo ich sie dann auflesen und ordnen konnte. Aber mein Name blieb verschollen. Und nicht nur er."
"Ich werde erzählen, wie ich im Wilmersee meinen Namen verloren habe."
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INHALT:
Es geschah damals im Winter, als die Zwillinge acht Jahre alt waren.
Die dünne Eisschicht auf dem Wilmersee brach unter ihnen zusammen und sie landeten im eiskalten Wasser. Eine der Schwestern ertrank, während die andere gerettet werden konnte.
Letztere wird deshalb bis heute noch von Schuldgefühlen und Vorwürfen verfolgt:
"Vielleicht hätten wir uns aufteilen sollen, uns trennen, bevor das Eiswasser es tat. Bevor der See uns etwas wegnehmen konnte. So aber behielt der See meinen Namen und Alice' Leben."
Die Mutter hat sie seitdem nie wieder mit ihrem Namen angesprochen und ist gegangen.
Auch der Vater hat sie verlassen.
Sie sind nur noch zu dritt. Ihr Bruder August hört keine Musik mehr und kapselt sich ab. Die ältere Schwester Ingrid verkriecht sich manchmal tagelang in ihrem Zimmer. Alle verschwinden nach und nach.
Die namenlose Ich-Erzählerin sieht keinen Sinn mehr darin, die Schule zu besuchen.
Lediglich in der plötzlich auftauchenden Jora findet sie eine Verbindung. Da ahnt sie noch nicht, welches Geheimnis die junge Frau mit sich trägt ...
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MEINUNG:
Man mag sich kaum vorstellen, wie es für eine Familie sein muss, deren 8-jähriges Kind ertrinkt. Wie es der Zwillingsschwester ergehen muss, die überlebt, aber miterlebt, wie die Familie kaum noch miteinander spricht und auseinanderbricht.
Sie fühlt sich unsichtbar, hat immer noch Gedächtnislücken. Dass sie mit Verlustängsten zu kämpfen hat, konnte ich beim Lesen gut nachvollziehen.
Das Buch beginnt direkt bedrückend und bleibt auch im Verlauf düster und melancholisch. Nur ab und zu erschien es mir gefühlsmäßig etwas zu monoton, was aber gut zum Inhalt gepasst hat.
Der eher poetische, ausdrucksstarke und zum Teil naturverbundene Schreibstil konnte mich ganz besonders überzeugen. Man findet zahlreiche wunderschöne Sätze darin, die zum mehrmaligen Lesen einladen. Dennoch empfehle ich, vorher mal reinzulesen, um einen ungefähren Eindruck von der Sprache zu bekommen.
FAZIT: Für mich ist es insgesamt stille, tiefgründige, gelungene Geschichte über Verlust und Sprachlosigkeit sowie über das Erinnern und Vergessen.
Vor allem das letzte Drittel hat mich sehr gepackt und das Ende fand ich stimmig und habe ich lange so nicht kommen sehen.
In mir klang die Geschichte noch lange nach.
Wer stark melancholische und nachdenkliche Bücher mit schöner Sprache mag, könnte mit dieser Lektüre genau richtig liegen.
4/5 Sterne!
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(C. N.: U. a. Tod, Trauer, Verlust, evtl. Depression, evtl. Selbstverlet*ung - mehr kann ich nicht verraten, ohne zu sehr zu spoilern)