Worum geht`s?
Ein junger Mann taumelt durch den Wald. Sein Körper übersät von blauen Flecken und Schnittverletzungen, im Bauch eine klaffende Wunde. Mit letzter Kraft versucht er, Sanna eine Botschaft zu übermitteln. Doch bevor er sagen kann, was ihn an diesen Punkt gebracht hat, verstummt er. Was wollte er ihr mitteilen?
Meine Meinung:
Mit Rotwild setzt Maria Grund ihre Berling-und-Pedersen-Reihe fort, und auch diesen Band habe ich nahezu am Stück verschlungen. Der Schreibstil der Autorin, die düstere Atmosphäre, die schon aus der Landschaft heraus zu kriechen scheint, und die eigenwilligen Ermittlerfiguren ziehen mich einfach immer wieder hinein.
Wir ermitteln erneut Seite an Seite mit Sanna und Eir, und diesmal wird es für beide nicht nur fachlich, sondern auch persönlich zur Grenzerfahrung. Sanna wird mit ihrer Vergangenheit und Jack konfrontiert, während Eir in einen Albtraum gerät, der deutlich tiefer geht als ein gewöhnlicher Fall. Mit Niklas tritt zudem ein neuer Chef auf den Plan, den ich noch nicht greifen kann. Er wirkt kollegial und freundlich, gleichzeitig aber auch glatt und schwer einzuschätzen. Da bin ich gespannt auf mehr. Alice muss man einfach mögen, während Anton bei mir diesmal ein paar Sympathiepunkte eingebüßt hat.
Der Fall selbst ist packend konstruiert und erneut eng mit politischen Strukturen des Landes verwoben. Wir begegnen Obdachlosen, die ihre Lager immer wieder verlegen müssen, erleben Widerstand und heimliche Bewegungen innerhalb der Gesellschaft. Gerade das wirkt so erschreckend, weil es reale Parallelen hat. Parallel dazu entfaltet sich die Mordermittlung rund um den jungen Mann, die zunächst wie ein grausames Einzelverbrechen erscheint, sich aber nach und nach als weit komplexer herausstellt. Genau hier liegt die besondere Stärke von Maria Grund: Ein Mord bleibt nicht bloß ein Mord, sondern wird zum Spiegel gesellschaftlicher Spannungen und marginalisierter Lebensrealitäten. Die Ermittlungen sind rasant, fesselnd und durchzogen von den persönlichen Entwicklungen der Figuren, die dem Ganzen zusätzliche Tiefe verleihen. Ich habe auch diesen Band wieder sehr geliebt. Es ist nicht neu, aber es ist anders. Es hat Atmosphäre, aber auch Tiefe. Es ist mitreißend und emotional und ich freue mich schon sehr auf Fall 3!
Fazit:
Mit Rotwild beweist Maria Grund erneut, wie eindringlich und beklemmend gesellschaftliche Abgründe mit einem packenden Thriller verwoben werden können. Die Autorin verbindet düstere Atmosphäre, politische Untertöne und persönliche Konflikte zu einem Fall, der wirklich genial ist. Zwischen Wald, Gewalt und leisen Zwischentönen entfaltet sich eine Geschichte, die unheimlich spannend und fesselnd ist. Gerade die emotionale Nähe zu Sanna, Eir und ihrem Umfeld macht diesen Band besonders intensiv. Für mich ist das ein weiterer Beweis dafür, wie vielschichtig und mitreißend diese Reihe erzählt ist.
5 düstere Sterne von mir!