Der Ring des Nibelungen entfaltet in vier Musikdramen - Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried und Götterdämmerung - einen mythischen Weltentwurf von Macht, Schuld, Liebe und Untergang. Ausgehend vom geraubten Rheingold und dem verfluchten Ring verbindet Wagner nordische Sagen, Edda-Stoffe und deutsche Heldendichtung zu einer modernen Tragödie. Sein alliterierender Vers, die Leitmotivtechnik und die Idee des Gesamtkunstwerks schaffen eine epische Dramaturgie, die Mythos als Kritik politischer Herrschaft und bürgerlicher Besitzlogik lesbar macht. Richard Wagner (1813-1883) war Komponist, Dramatiker, Theoretiker und einer der einflussreichsten, zugleich umstrittensten Künstler des 19. Jahrhunderts. Seine revolutionären Erfahrungen von 1848/49, sein Exil, seine Lektüre Feuerbachs und Schopenhauers sowie sein lebenslanges Ringen mit Kunst, Erlösung und gesellschaftlicher Ordnung prägten die Konzeption des Rings. In dem Werk verdichten sich persönliche Obsessionen, ästhetische Programmatik und zeitgenössische Krisendiagnose. Dieses Buch empfiehlt sich allen, die Wagner nicht nur hören, sondern in seiner sprachlichen, philosophischen und dramaturgischen Architektur verstehen wollen. Es bietet Zugang zu einem Schlüsselwerk der europäischen Moderne, dessen Fragen nach Machtverzicht, Naturzerstörung und Verantwortung unvermindert aktuell sind und Leser wie Forschende gleichermaßen herausfordern.