In Satan und Ischariot III führt Karl May die mehrteilige Verfolgungs- und Enthüllungshandlung um Verrat, Habgier und moralische Verblendung zu ihrem dramatischen Abschluss. Der Roman verbindet exotische Reiseliteratur, Abenteuerprosa und christlich geprägte Ethik: Landschaftsschilderung, Spannungsszenen und dialogische Belehrung dienen nicht bloß der Unterhaltung, sondern einer Prüfung von Schuld, Gerechtigkeit und Läuterung. Im literarischen Kontext des späten 19. Jahrhunderts steht das Werk zwischen populärem Fortsetzungsroman, Kolonialphantasie und moralischer Erzählkunst. Karl May, 1842 in Sachsen geboren, schrieb aus einer Biographie heraus, die von Armut, sozialem Aufstieg, Scheitern und Selbstentwurf geprägt war. Seine Gefängniserfahrungen, seine ausgedehnte Lektüre und sein Wunsch nach sittlicher Erneuerung flossen in Figuren wie Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi ein. Gerade die Gegensätze von Verbrechen und Besserung, Täuschung und Wahrheit dürften Mays Gestaltung dieses Romans wesentlich bestimmt haben. Empfohlen sei dieses Buch allen Lesern, die Abenteuerliteratur nicht nur als Handlung, sondern als kulturelles und ethisches Dokument verstehen möchten. Satan und Ischariot III bietet Spannung, Pathos und Welterzählung, zugleich aber Einblick in Mays religiös-humanitäres Denken und in die Erzählmechanismen einer wirkungsmächtigen deutschen Unterhaltungsliteratur.