Der blaurote Methusalem gehört zu Karl Mays heiteren Jugenderzählungen und verbindet China-Abenteuer, Reisephantasie und Bildungsroman im kleinen Maßstab. Um die skurrile Gestalt des "Methusalem" entfaltet May eine episodische Handlung aus Reise, Verfolgung, Verwechslung und moralischer Bewährung. Der Stil ist lebhaft, dialogreich und humoristisch, zugleich geprägt von den exotisierenden Wissensbeständen des 19. Jahrhunderts. Im literarischen Kontext steht das Werk zwischen bürgerlicher Jugendliteratur, Abenteuerroman und Mays eigener Poetik der sittlichen Erziehung durch Gefahr. Karl May, 1842 in Ernstthal geboren, schrieb aus einer Biographie sozialer Enge, autodidaktischer Bildung und existenzieller Brüche heraus. Seine frühen Erfahrungen mit Armut, Strafe und Außenseitertum nährten ein starkes Interesse an Gerechtigkeit, Verwandlung und moralischer Selbstbehauptung. Da May viele Schauplätze zunächst nicht aus eigener Anschauung kannte, formte er aus Reiseberichten, Lexika und Imagination eine Welt, in der Fernweh und ethischer Anspruch zusammenfallen. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die Mays Werk jenseits der bekannteren Amerika- und Orientromane entdecken möchten. Es zeigt seine komische, erzählerisch bewegliche Seite und erlaubt zugleich einen kritischen Blick auf historische Vorstellungen von China, Jugend, Männlichkeit und Abenteuer.