Winnetou III vollendet Karl Mays berühmten Wildwest-Zyklus als elegische Abenteuererzählung, in der Old Shatterhand und Winnetou ihre Freundschaft im Angesicht von Verrat, Gewalt und moralischer Bewährung bis zur tragischen Konsequenz führen. Der Roman verbindet spannungsreiche Verfolgungen und Landschaftsbilder mit einem stark idealisierenden, ethisch aufgeladenen Stil: Der Westen erscheint weniger als historischer Raum denn als Bühne für Treue, Opfer und Versöhnung. Literarisch steht das Werk zwischen populärer Reiseerzählung, Kolportage und spätromantischer Heldenlegende. Karl May, 1842 in ärmlichen Verhältnissen geboren, schrieb viele seiner Reise- und Abenteuerromane zunächst aus der Imagination heraus. Eigene soziale Entbehrung, religiöse Prägung, Haft- und Krisenerfahrungen sowie ein ausgeprägtes Bedürfnis nach moralischer Selbstverwandlung prägen seine Figurenkonzeption. In Winnetou gestaltet May den edlen Fremden als Gegenbild europäischer Habgier und als Projektionsfigur eines humanitären, christlich gefärbten Ideals. Empfohlen sei Winnetou III allen Leserinnen und Lesern, die Abenteuerliteratur nicht nur als Spannung, sondern als kulturgeschichtliches Dokument verstehen möchten. Trotz problematischer zeittypischer Stereotype bleibt der Roman ein wirkungsmächtiges Zeugnis deutscher Fantasien vom Westen und ein bewegender Abschluss einer literarischen Freundschaftsmythologie.