Arabische Nächte entfaltet eine poetische Welt des Orients, in der Liebessehnsucht, Sinnlichkeit, Weisheit und Vergänglichkeit zu kunstvoll verdichteten Miniaturen verschmelzen. Hans Bethge schreibt nicht im Ton philologischer Übersetzung, sondern als Nachdichter: Er verwandelt Stoffe, Motive und Stimmungen arabischer Erzähl- und Lyriktraditionen in eine geschmeidige, musikalische deutsche Prosa und Verssprache. Das Buch steht damit im Kontext des europäischen Orientalismus um 1900, zugleich aber auch der symbolistischen Suche nach fremden Formen, durch die das Eigene neu wahrnehmbar wird. Bethge, 1876 geboren und als Lyriker, Essayist und Herausgeber berühmt geworden, widmete einen bedeutenden Teil seines Werkes der poetischen Vermittlung außereuropäischer Literaturen. Seine Bekanntheit verdankt sich besonders seinen freien Übertragungen ostasiatischer Dichtung, die Gustav Mahler inspirierten. Arabische Nächte entspringt derselben künstlerischen Haltung: weniger antiquarische Rekonstruktion als empfindsame Aneignung, getragen von Sprachmusik, Bildungshunger und der ästhetischen Neugier einer kosmopolitischen Moderne. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die historische Weltliteratur, poetische Prosa und die Geschichte literarischer Kulturbegegnungen schätzen. Wer Bethge liest, begegnet nicht dem Orient selbst, sondern einem aufschlussreichen deutschen Traum von ihm-reizvoll, kunstvoll und kulturgeschichtlich bedeutsam.