Worum gehts?
1986 wird Sanna als junge Polizistin in einen kleinen Ort geschickt. Dort wird ein Mädchen vermisst. Bei ihren Nachforschungen stößt Sanna auf Verbindungen zu einem zwei Jahre zurückliegenden Mordfall. Ist der damals verurteilte Täter doch nicht der Mörder?
Meine Meinung:
Die Berling-und-Pedersen-Reihe hat mich bislang wirklich überzeugt, also war die Vorfreude auf Band 3, Krähentochter von Maria Grund, entsprechend groß. Und dann katapultiert uns die Autorin einfach mal komplett zurück ins Jahr 1986. Kein langsames Reingleiten, kein behutsamer Übergang. Zack, Vergangenheit. Der Schreibstil ist wie gewohnt atmosphärisch und lebendig. Man spürt die Kälte, die Enge des kleinen Ortes, das Misstrauen, das wie Nebel zwischen den Häusern hängt. Das Buch liest sich schnell, weil man permanent wissen will, was hinter all dem steckt.
Was mich allerdings irritiert hat: Ich habe die ganze Zeit damit gerechnet, dass wir irgendwann in die Gegenwart zurückspringen. Dass sich Vergangenheit und Jetzt verweben. Aber nein. Dieses Buch gehört ganz allein Sanna. Es erzählt ihre Anfänge, ihren Kampf darum, als junge Frau in einer männerdominierten Polizei ernst genommen zu werden. Eir habe ich ehrlich gesagt vermisst. Vor allem die besondere Dynamik zwischen den beiden. Die Verbindung zur eigentlichen Serie ist eher lose, fast wie ein eigenständiger Vorgeschmack auf das, was Sanna für die Zukunft prägt.
Inhaltlich geht es diesmal um verschwundene Jugendliche. Der Mord an Olof Palme wird am Rande erwähnt, bleibt aber eher Hintergrundrauschen. Das fand ich ein wenig schade, weil gerade diese politischen Verflechtungen die ersten beiden Bände für mich so besonders gemacht haben. Was mich dagegen absolut gepackt hat, waren die Ermittlungen mit den Mitteln der 80er. Keine digitalen Datenbanken, keine schnellen Abfragen, kein technischer Luxus. Nur Intuition, Gespräche, Beobachtungen und Hartnäckigkeit. Zu sehen, wie Sanna sich durch ein Geflecht aus Lügen, Schweigen und Halbwahrheiten arbeitet, war richtig stark.
Die Schauplätze sind düster und intensiv beschrieben, fast schon bedrückend. Die Figuren bleiben lange undurchsichtig, jeder scheint etwas zu verbergen. Und gegen Ende zieht das Tempo spürbar an. Die Wendungen kommen dichter, der Druck steigt und das Finale? Unerwartet, erschreckend und gleichzeitig erschreckend logisch. Genau diese Mischung bleibt hängen. Und jetzt sitze ich hier und denke mir: Gut gespielt, Maria Grund. Wirklich gut gespielt. Gut, dass Band 4 schon vor der Türe steht.
Fazit:
Krähentochter von Maria Grund ist kein klassischer Serienband, sondern eine intensive Reise in Sannas Vergangenheit. Wer eine direkte Fortsetzung der Berling-und-Pedersen-Dynamik erwartet, wird überrascht sein im positiven wie im irritierenden Sinne. Der Roman punktet mit dichter Atmosphäre, starken Ermittlungsdetails aus den 80ern und einer spannenden Figurenentwicklung. Besonders Sannas Kampf um Anerkennung verleiht der Geschichte emotionale Tiefe. Trotz kleiner Abzüge wegen der losen Serienanbindung ist Krähentochter ein packender, eigenständiger Thriller, der neugierig auf alles macht, was noch kommt.
4 Sterne von mir!