1986 verschwinden in Brighton 2 kleine Mädchen. Am nächsten Tag werden ihre Leichen in einem Wald gefunden. Beide wurden missbraucht und erwürgt. Karen und Nicola werden bekannt als die Babes in the Wood. Der Fall wird die Polizei von Sussex mehr als 3 Jahrzehnte beschäftigen. Es ist unglaublich, was die Polizei damals alles unternommen hat, um den Täter zu finden. Ein Verdächtiger sticht allerdings hervor: Russel Bishop. Ein Jahr später wird er vor Gericht freigesprochen. Alles deutet auf Bishop als Täter hin, aber der einzige Verdächtige kann nach dem Freispruch nie wieder belangt werden. Der Fall wird zum Cold Case. 1990 wird wieder ein Mädchen missbraucht, doch sie überlebt knapp und kann Bishop identifizieren. Mittlerweile gibt es auch die DNA-Analyse, die 1986 noch nicht zur Verfügung stand. Das reicht für eine Verurteilung. Die Morde an Karen und Nicola bleiben jedoch ungesühnt. Die Eltern kämpfen für eine Gesetzesänderung, die einen erneuten Prozess aufgrund von mit neuen wissenschaftlichen Methoden erlangten Beweisen möglich macht. Im April 2005 wird das Gesetz endlich geändert, aber die Wissenschaft kann Bishop in diesem Fall noch nicht überführen. 2012 dann ein neuer Anlauf. Dieses Mal kann es klappen, allerdings müssen die Beweisstücke sorgfältig ausgewählt werden. Alles muss fachgerecht gelagert und darf nicht kontaminiert worden sein, was lückenlos nachgewiesen werden muss, um Bishop kein Schlupfloch zu bieten. Daher kann Ich verstehen, dass die Polizei von Sussex das Verschwinden von Karens Kleidung als nicht endscheidend einstuft. Die Sachen wurden an die Mutter zurückgegeben, was aus deutscher Sicht komisch klingt. 1991 hat Michelle Hadaway sie Martin Bashir gegeben, in dem Glauben die Sachen würden für eine Doku auf DNA untersucht. Dieser Teil steht nicht in dem Buch, aber wenn man sieht wie hoch die Hürden für verwertbare Beweismittel mit DNA sind und Mrs Hadaway die Sachen wohl kaum fachgerecht lagern konnte, drängt sich die Frage auf, warum die BBC die Sachen untersuchen lassen wollte. Gott sei Dank wurden sie 1986 abgeklebt. Zusammen mit anderen Beweisen reichte es 2018 für eine Verurteilung. Bishop starb später im Gefängnis. Das Buch beschreibt sehr deutlich, wieviel Zeit und Mühe es kostet, einen Fall der so lange zurück liegt, neu aufzurollen und vernünftig für einen Prozess vorzubereiten. Außerdem bietet es viele interessante Einblicke, etwa in die Forensik oder darüber, dass vieles im Hintergrund passiert und Öffentlichkeitsarbeit. Von dem Zeitpunkt 2016 als man Bishop wieder offiziell beschuldigt hat, bis zum Prozess wurde ein Berichterstattungsverbot verhängt, um Zeugen in Ruhe vernehmen zu können. Selbst Social Media war davon betroffen. Alles um einen fairen Prozess zu garantieren, und Bishop kein Schlupfloch für eine Berufung zu bieten. Der Aufwand war enorm und der Erfolg gibt der Polizei recht. Die aktualisierte Ausgabe enthält ein Kapitel, in dem dargelegt wird, wie Bishops damalige Partnerin mit Lügen dazu beigetragen hat, eine Verurteilung 1987 zu verhindern. Da auch sie vor Gericht gestellt werden sollte, konnte man diesen Teil in der Erstausgabe nicht berücksichtigen, aber es ist gut, dass man eine aktualisierte Version auf den Markt gebracht hat, um so viel wie möglich an die Öffentlichkeit zu bringen.