W. B. Yeats: Gesammelte Erzählungen versammelt jene Prosatexte, in denen der große irische Dichter seine poetische Welt in erzählerischer Form entfaltet: keltische Sagen, Visionen, Liebesmythen, alchemistische Träume und Begegnungen mit dem Übernatürlichen. Stilistisch verbinden die Erzählungen symbolistische Verdichtung, archaisierende Sprachmelodie und moderne psychologische Unruhe. Im Kontext des Irish Literary Revival erscheinen sie als literarische Wiedererfindung einer nationalen Imagination. William Butler Yeats, 1865 in Dublin geboren und 1923 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, war nicht nur Lyriker, sondern auch Dramatiker, Essayist, Theatergründer und Suchender zwischen Politik, Mystik und Kunst. Seine Beschäftigung mit irischer Folklore, Theosophie, Rosenkreuzertum und spiritistischen Systemen prägte diese Prosa entscheidend. Zugleich spiegelt sie Yeats' lebenslange Frage, wie individuelle Erfahrung, kollektives Gedächtnis und metaphysische Ordnung zusammenwirken. Diese Sammlung empfiehlt sich allen Leserinnen und Lesern, die Yeats jenseits seiner berühmten Gedichte entdecken möchten. Sie eröffnet einen Zugang zu den erzählerischen Quellen seiner Symbolwelt und zeigt, wie Mythos, Geschichte und ästhetische Form einander durchdringen. Wer europäische Moderne, irische Literatur oder fantastische Prosa studiert, findet hier ein ebenso anspruchsvolles wie eindrucksvolles Werk.