Cymbeline, eines der späten Dramen William Shakespeares, verbindet höfische Intrige, romantische Prüfung und politische Versöhnung zu einer eigentümlichen Tragikomödie. Im Zentrum stehen Imogen, deren Treue gegen Verleumdung und Machtkalkül behauptet wird, Posthumus' fehlgeleitete Eifersucht sowie ein Britannien, das zwischen römischer Oberherrschaft und nationaler Selbstbehauptung steht. Shakespeares Stil ist hier reif, kunstvoll verschlungen und zugleich experimentell: Märchenmotive, pastorale Flucht, Wiedererkennungsszenen und beinahe tragische Verirrungen münden in eine umfassende Auflösung. William Shakespeare, um 1564 in Stratford-upon-Avon geboren und 1616 dort gestorben, schrieb Cymbeline vermutlich um 1609/10, also in jener Schaffensphase, die auch Pericles, The Winter's Tale und The Tempest umfasst. Seine langjährige Erfahrung als Schauspieler, Theaterunternehmer und Dramatiker ermöglichte ihm eine souveräne Mischung populärer Bühnenwirkungen mit gelehrten Quellen, darunter britische Chronistik und italienische Novellistik. Das Stück spiegelt sein spätes Interesse an Schuld, Vergebung, dynastischer Ordnung und der heilenden Kraft erzählerischer Enthüllung. Empfohlen sei Cymbeline Leserinnen und Lesern, die Shakespeare jenseits der kanonischen Tragödien entdecken möchten. Das Drama belohnt Aufmerksamkeit mit psychologischer Feinheit, poetischer Dichte und einem außergewöhnlichen Sinn für Versöhnung nach moralischer Dunkelheit.