Shanghai Story ist ein Familienroman, der auf eine ungewöhnliche Weise erzählt wird rückwärts durch die Zeit, von 2040 bis 2014. Anfangs war ich skeptisch, ob dieser erzählerische Kniff mehr als nur ein Gimmick sein würde, aber ich wurde positiv überrascht. Statt klassischer Enthüllungen erlebt man hier, wie sich familiäre Dynamiken über die Jahre hinweg entwickelt haben. Diese Erzählweise macht das Buch zu einem besonderen Leseerlebnis.
Im Zentrum stehen Leo und Eko, ein wohlhabendes Paar in ihren Vierzigern, und ihre drei Töchter. Ihre Geschichte entfaltet sich in Shanghai, Japan und Paris, begleitet von wechselnden Perspektiven sowohl von innen, aus der Familie heraus, als auch von außen durch Nebenfiguren wie die Nanny oder den Fahrer. Dadurch entsteht ein facettenreiches Porträt einer Familie, die mit Liebe, Erwartungen und gesellschaftlichen Zwängen ringt. Besonders beeindruckt hat mich, wie empathisch und unaufgeregt die Autorin die Charaktere und ihre Beziehungen zeichnet.
Die Struktur des Romans hat Vor- und Nachteile. Die einzelnen Kapitel lesen sich wie miteinander verbundene Kurzgeschichten manche sind besonders stark, andere fühlen sich wie Bonusmaterial an, das nicht unbedingt zur Haupthandlung beiträgt. Die Zeitsprünge sorgen für Spannung, hinterlassen aber auch das Gefühl, dass einige Handlungsstränge unvollendet bleiben.
Familiäre Beziehungen, Mutterschaft und die Frage nach Identität stehen hier im Mittelpunkt.
Trotz kleinerer Schwächen ist Shanghai Story ein lesenswertes Debüt mit einer außergewöhnlichen Erzählweise und tiefgründigen Charakteren. Die melancholische, oft poetische Sprache macht es zu einer eindringlichen Lektüre. Ich hätte mir an manchen Stellen mehr Tiefe gewünscht, aber insgesamt war es eine faszinierende Reise durch die Zeit.