Alice Law hat versehentlich den Tod ihres Doktorvaters Jacob Grimes mitverursacht, weswegen sie ihn nun aus der Hölle befreien möchte, immerhin braucht sie ihn auch noch für ihre Dissertation. Der Titel des Romans, Katabasis, ist daher folgerichtig der altgriechische Begriff für einen Helden, der in die Unterwelt hinabsteigt.
Der Roman spielt in unserer Welt, nur, dass es Magie gibt, und man daher auch Magie studieren kann. Schauplatz ist neben der Hölle die britische Universitätsstadt Cambridge. Magie wird mittels von Kreide gezeichneten Pentagrammen und passenden Worten gewirkt, in der Regel basierend auf Logik und entstehenden Paradoxen. Die Autorin hat dazu eine umfassenden Background geschaffen, Philosophie, Mathematik, Logik sind unter anderem Basis der verschiedenen Theorien, und eine ganze Reihe realer Wissenschaftler sowohl aus antiken als auch aus neueren Zeiten werden dazu herangezogen.
Auch das hier gewählte Konzept Hölle ist kein unbekanntes, es basiert unter anderem auf Dante Alighieri und einige Mythologien, nur dass hier als wahr anerkannt wird, dass Dante oder zum Beispiel Orpheus tatsächlich in der Hölle waren. Die Hölle ist dabei nicht das Gegenteil von Himmel, sondern alle Toten beziehungsweise Seelen, kommen dort hin, müssen gegebenenfalls verschiedene Höfe durchlaufen und können sich, wenn oder auch falls sie es geschafft haben, auf ihre Reinkarnation freuen. Alice muss es also nur heil in und durch die Hölle und ihre verschiedenen Höfe schaffen, Professor Grimes finden, und ihn schließlich irgendwie aus der Hölle schaffen.
Für mich klang das ziemlich spannend. R. F. Kuangs Babel war ein Highlight für mich, Yellowface allerdings für mich nicht mehr ganz so gut, Katabasis schien mir aber wieder näher an Babel zu kommen. Leider wurde ich enttäuscht, bald hatte ich das Gefühl, dass der Geschichte etwas der Sinn fehlt, ein echter roter Faden, es gibt für mich zu viele Längen, wo sich der Roman in Theorien verfängt. Vielleicht habe ich auch nicht den Zugang zur erwarteten Interpretation gefunden. Manchmal hatte ich schon keine Lust mehr, weiterzulesen, aber irgendetwas hielt mich dann doch.
Alice Law und Jacob Grimes sind mir beide unglaublich unsympathisch gewesen, was schon Alices Motivation in Frage stellte, warum sie ihn unbedingt aus der Hölle befreien wollte immerhin gab es einen sehr hohen Preis, der auf jeden Fall zu zahlen war, zusätzlich zu möglichen Gefahren in der Hölle. Ihre Doktorarbeit hätte sie sicher auch ohne ihn zu Ende bringen können, es gab schließlich noch weitere Magielehrende. Alice selbst ist hyperehrgeizig, nicht sehr moralisch, dafür sehr von sich selbst eingenommen.
Ungebeten begleitet wird Alice von Peter Murdoch, auch ein Protegé Grimes und damit Alices Konkurrent. Einmal in der Hölle müssen sich die beiden zusammenraufen. Peter ist auf jeden Fall der sympathischere Part der beiden, seine Lebensgeschichte erfährt man im Laufe des Romans, was ihn mir noch ein Stück näherbrachte. Auch Grimes Lebensgeschichte wird erzählt, am wenigsten erfährt man eigentlich von Alice, obwohl die Geschichte zum sehr großen Teil aus ihrer Perspektive erzählt wird. Es gibt zudem immer wieder Rückblenden zum Geschehen vor der Höllenreise.
Interessant ist auch die Zeit, in der der Roman spielt, er ist wohl in den1980er Jahren anzusiedeln. Das bietet einiges an Gesellschaftskritik, vor allem, was den Universitätsbetrieb angeht, aber auch bezüglich der Rolle der Frau. Unter anderem könnte man es mit Me too-Geschehen bezeichnen. Alice lässt sich darauf ein und kritisiert sogar feministische Bestrebungen.
Die Geschichte ist, wie schon ausgeführt, teilweise sehr langatmig, es gibt aber auch spannende Passagen, manchmal wird es aber auch fast grotesk, besonders bezogen auf eine Familie, die gemeinsam die Hölle unsicher macht. Diese Familie war es unter anderem, die für mich der Geschichte Sinn nahm.
Ich war sehr gespannt auf Katabasis, am Ende wurde ich leider enttäuscht. Das Meisterwerk, das ich erhofft hatte, habe ich nicht bekommen, sondern eine Geschichte, die für mich nicht immer Sinn machte und sich zu viel in theoretischem Background verlor. Dennoch wollte ich sie unbedingt zu Ende lesen, immerhin gibt es auch interessantere und spannende Passagen, so dass ich noch ganz knapp 3 Sterne vergebe.