Worum gehts?
Sydney hat ein Händchen für die falschen Männer. Als sie Tom kennenlernt, fühlt es sich plötzlich anders an. Ruhiger. Sicherer. Er ist aufmerksam, charmant, scheinbar perfekt. Während sich Sydney langsam auf ihn einlässt, erschüttert eine Mordserie an jungen Frauen New York. Und dieses leise, unangenehme Bauchgefühl meldet sich immer deutlicher bei ihr.
Meine Meinung:
Der Freund ist bereits mein dritter Thriller von Freida McFadden und ich bin immer noch nicht vorbereitet auf das, was sie mit mir anstellt. Ihre Geschichten sind nicht laut, nicht effekthascherisch, sondern beunruhigend präzise. Sie setzt dort an, wo wir uns sicher fühlen: im Alltag, in Beziehungen, in kleinen Routinen. Und genau dort beginnt das Unbehagen. Auch dieses Buch zieht sich langsam zu, wie eine Schlinge, die man erst bemerkt, wenn sie schon zu eng sitzt.
Die Handlung entfaltet sich auf zwei Zeitebenen. In der Vergangenheit begleiten wir Tom, damals Schüler, heute Arzt, freundlich, kontrolliert, jemand, dem man vertraut und sofort seinen Eltern vorstellen möchte. Vielleicht zu schnell. In der Gegenwart erleben wir Sydney. Eine Frau mit einem ganz normalen Leben, einer engen Freundinnenclique und dem Wunsch nach Liebe, die nicht wehtut. Sie wirkt echt, verletzlich, greifbar und genau das macht es so schwer, sie durch diese Geschichte zu begleiten.
Denn von Anfang an stimmt etwas nicht. Sydneys Date, mit dem das Buch einsteigt, ist ein Alptraum. Parallel dazu erschüttert in der Vergangenheit eine Mordserie an Schülerinnen Toms Heimatort. In der Gegenwart werden in New York junge Frauen ermordet. Freida McFadden verzichtet auf explizite Brutalität, doch die Gewalt ist ständig spürbar. Sie liegt zwischen den Zeilen, in den Gedanken, in der Angst, die langsam wächst. Mit jeder Seite zieht das Tempo an. Mit jedem Kapitel glaubt man, Muster zu erkennen und fühlt sich im nächsten Moment wieder verloren. Ich war überzeugt, die Lösung zu kennen. Ich war mir sicher. Und lag komplett daneben. Genau darin liegt die Stärke dieses Buches. McFadden spielt mit Vertrauen und Nähe. Besonders stark fand ich den Kontrast zwischen dem normalen New Yorker Alltag und den grausamen Verbrechen. Menschen gehen arbeiten, treffen Freunde, verlieben sich während nur ein paar Wohnungen weiter jemand stirbt. Die Botschaft ist brutal ehrlich: Es gibt keine sichere Distanz. Es kann jeden treffen. Jederzeit. Überall. Auch dich.
Der finale Showdown ist typisch Freida McFadden. Kalt. Konsequent. Überraschend. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, war vollkommen gefangen in der Geschichte und habe jede Seite aufgesogen. Am liebsten hätte ich es in einem einzigen Atemzug gelesen. Ein echter Pageturner, der dieses nervöse Kribbeln hinterlässt dieses Ich brauche sofort das nächste Buch-Gefühl.
Fazit:
Der Freund von Freida McFadden ist ein düsterer, emotionaler Thriller, der zeigt, wie dünn die Linie zwischen Nähe und Gefahr ist. Ein Buch, das verunsichert, fesselt und mit spannenden Twists überrascht und überrumpelt.
Für mich ein klarer Pageturner und daher 5 Sterne von mir.