
Die mediävistische Reihe möchte zur Erforschung der Literatur-, Kunst- und Kulturgeschichte des deutschen Südwestens anregen. Methodisch gilt es, von den Handschriften ausgehend den Blick auf die sozialen Formationen zu lenken, in denen Literatur und Kunst produziert, kopiert und rezipiert wurden. Im Mittelpunkt steht der alemannische Sprachraum und damit die Städte- und Klosterlandschaft des Oberrheins, Schwabens und der Deutschschweiz.
The literary, artistic and cultural history of the German southwest (defined in terms of the Alemannic language area) underwent rapid development in the High and Late Middle Ages, turning this region into a cultural landscape of European standing. This development was driven by such phenomena as the first German Arthurian epics, the Hirsau liturgy spread by reform monasteries, the Manessian song manuscript, new types of images such as the Christ and St. John groups, the mystical writings of Heinrich Seuse and the Southwest German sister books as well as the manuscript production of the Lauber workshop in Hagenau. The cultural patrons involved were not just the monastic networks of the Benedictines, Cistercians and Premonstratensians, but also and above all by the Dominicans, Franciscans and their female branches, the Upper Rhine, Swabian and Swiss towns in the Strasbourg-Augsburg-Bern triangle and the aristocratic families and townspeople of this region from the 13th century onwards. This new series aims to encourage research into south-western German culture in the High and Late Middle Ages by publishing anthologies, monographs and editions of previously unpublished texts.
An der Figur des Teufels werden im Mittelalter Weltanschauungen und moralische Überzeugungen verhandelt: Der Teufel repräsentiert alle menschlichen Verfehlungen und steht für die Sünde und das Böse. Texte über den Teufel ermöglichen daher bei ihren Rezipient*innen eine ethische Erfahrung, die zu Selbstreflexion, Gewissenserforschung und Verhaltensänderung führen kann.
Im Fokus der vorliegenden Arbeit stehen das Gewissen und seine Benennungen in der mittelalterlichen Literatur und der theologischen Auseinandersetzung. Es wird herausgearbeitet, wie das Gewissen geformt wird und welche Bedeutung es für das Individuum hat. Eine zentrale Rolle nimmt dabei die im 15. Jahrhundert im Bodenseeraum entstandene Reimpaardichtung Des Teufels Netz ein. Hier ist die Konstellation eines Beichtgesprächs gleichsam invertiert: Der Teufel beichtet einem Einsiedler und gibt sein Wissen über Sünden und Gebote preis. Er gibt so Orientierung für die individuelle Gewissensbefragung.
Unter Rückgriff auf den Ansatz der narrativen Ethik wird an diesem konkreten Beispiel gezeigt, wie Literatur auf das Gewissen und die Gewissensbildung ihrer Rezipient*innen einwirken und zu einer verantwortungsvollen Reflexion des eigenen Lebenswandels beitragen kann.
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