Mit Savannah Hoffnung auf eine neue Freiheit legt Malou Wilke den Abschlussband ihrer Siedler-Saga vor. Und eines lässt sich gleich vorweg sagen: Dieser Roman ist ein runder, inhaltlich stimmiger Abschluss aber eben auch einer, der seine Leserinnen und Leser stark fordert.
Als Finale funktioniert das Buch vor allem dann gut, wenn man Band 1 und 2 kennt. Wer hofft, einfach in den dritten Teil einsteigen zu können, wird schnell eines Besseren belehrt. Schon zu Beginn versucht die Autorin, nicht nur die wichtigsten Figuren, sondern gefühlt das gesamte Personal der vorherigen Bände erneut einzuführen inklusive zusätzlicher Namen und Nebenfiguren. Das Ergebnis ist eine regelrechte Figurenflut. Nicht umsonst finden sich am Ende des Buches drei eng bedruckte Seiten Figurenverzeichnis. Trotz dieser Hilfe fühlte ich mich beim Lesen oft erschlagen. Hier hätte deutlich gegolten: Weniger ist mehr.
Hat man diese anfängliche Überforderung jedoch überwunden, entfaltet der Roman viele seiner Stärken. Wilke zeichnet erneut ein eindrucksvolles Zeitporträt des Siedlerlebens: Die Sorgen, Nöte und täglichen Kämpfe der Menschen werden glaubwürdig und mit viel Feingefühl dargestellt. Besonders gelungen ist die Darstellung der Konflikte zwischen Siedlern und Indigenen. Diese werden nicht eindimensional erzählt, sondern zeigen unterschiedliche Perspektiven, Ängste, Missverständnisse und Machtverhältnisse. Gerade diese Grautöne machen den Roman authentisch und nachdenklich.
Auch emotional überzeugt der Abschlussband. Offene Handlungsstränge werden zusammengeführt, Figuren bekommen Abschiede, Neuanfänge oder Konsequenzen für ihr Handeln. Man spürt, dass die Autorin ihre Saga bewusst und sorgfältig zu Ende bringt. Das Gefühl von Ankommen und Abschluss ist deutlich spürbar.
Unterm Strich ist Savannah Hoffnung auf eine neue Freiheit ein würdiger Abschluss der Siedler-Saga: atmosphärisch, historisch interessant und emotional dicht allerdings mit deutlichen Schwächen im Bereich Übersicht und Figurenmanagement. Wer die Reihe von Anfang an verfolgt hat, wird dennoch belohnt und verabschiedet sich mit einem wehmütigen, aber stimmigen letzten Blick auf diese Welt.