Im Jahr 1376 wird der Bürgermeister von Füssen tot in einem ausgebrannten Teil des Klosters von Weißenfels aufgefunden. Schnell zeigt sich, dass der Mann bereits vor dem Brand starb und nicht erst in den Flammen umkam. Der plötzliche Tod des Richters Falk verändert alles und stellt seine junge Ehefrau Isabella vor eine Entscheidung, die ihr kaum Spielraum lässt.
Isabella wird zur Erbin eingesetzt, allerdings unter einer klaren Bedingung. Sie muss den Mord an dem Bürgermeister aufklären, andernfalls verliert sie Haus und Hof an ihren Schwager Berthold. Diese Ausgangslage verankert den Kriminalfall fest in existenziellen und familiären Abhängigkeiten.
Die Ermittlungen führen die junge Frau in Bereiche, die Frauen im 14. Jahrhundert nicht zugedacht waren. Politische Verflechtungen, kirchlicher Einfluss und persönliche Feindschaften greifen ineinander. Jeder Schritt kann soziale Konsequenzen nach sich ziehen und machen den Grat, auf dem Isabella sich bewegen kann, schmal. Sie ist auf männliche Unterstützung angewiesen, verliert dabei aber nie die Kontrolle über das Geschehen. Ihre Rolle bleibt aktiv und bestimmend.
Mit Leonhard Stadler, dem neuen Stadtschreiber und Sohn des verhassten Nachfolgers ihres Mannes, erhält sie einen ebenso klugen wie zunächst schwer einzuordnenden Verbündeten. Magnus Bader, Sohn des Medicus, ergänzt das Team mit Wissen und Umsicht. Das Zusammenspiel dieser Figuren wirkt ausgewogen. Vertrauen entwickelt sich vorsichtig, aber Zweifel bleiben bestehen. Als ein Verrat unerwartet zutage tritt, spitzt sich die Situation dramatisch zu und bringt alle Beteiligten in große Gefahr.
Es geht nicht nur um Schuld oder Unschuld, sondern um Macht, Einfluss und das bewusste Verschleiern der Wahrheit. Gerade diese Verknüpfung von persönlichem Risiko und größeren Zusammenhängen verleiht der Geschichte Spannung. Die Kirche erscheint dabei nicht als bloße Kulisse, sondern als aktiver Teil eines Geflechts aus persönlichen Interessen, Abhängigkeiten und Intrigen hinter dicken Mauern.
Manuela Schörghofer erzählt die Geschichte ruhig und klar. Das Personenverzeichnis, das Glossar historischer Begriffe sowie die Karte von Füssen im Jahr 1376 sind sinnvolle Ergänzungen und erleichtern die Orientierung. Sie unterstreichen die sorgfältige Recherche, die dem Roman zugrunde liegt.
Der Krimi lebt weniger von schnellen Effekten als vielmehr von Zuspitzungen, unerwarteten Wendungen und der stetigen Bedrohung, die über den Figuren liegt. Die Geschichte unterhält und bleibt durchgängig spannend. Als erster Band der Reihe führt der Roman überzeugend in die Welt von Isabella Falk ein und macht zugleich neugierig auf weitere Fälle.
Fazit:
Schatten über dem Kloster ist ein stimmiger historischer Krimi, der einen klaren Mordfall mit politischen und gesellschaftlichen Konflikten des Jahres 1376 verbindet. Die Figur der Isabella Falk überzeugt durch Entschlossenheit und Glaubwürdigkeit innerhalb der Grenzen ihrer Zeit. Ein spannender Auftakt, der neugierig auf weitere Fälle macht.