"Silvercloak Unter Feinden" ist der Auftakt der Silvercloak-Saga von L. K. Steven und entführt in eine düstere, moralisch graue Fantasywelt voller Intrigen, Geheimnisse und innerer Konflikte.
Die Handlung wird fast vollständig aus Saffrons (Saff) Perspektive erzählt, was mir sehr gut gefallen hat, da man ihr Innenleben, ihre Motive und ihre Zerrissenheit intensiv miterlebt. Besonders berührend fand ich den Blick auf ihre zerbrochene Kindheit: Als Kind musste sie mitansehen, wie ihre Eltern von den Bloodmoons ermordet wurden ein Trauma, das sie bis heute antreibt. Saff hat ihr Leben der Rache verschrieben, und dieser innere Antrieb zieht sich konsequent durch die gesamte Geschichte.
Der Schreibstil ist locker und flüssig, sodass ich problemlos in die Geschichte hineingekommen bin. Saff ist ein spannender, vielschichtiger Charakter: moralisch nicht eindeutig, bereit zu lügen, zu betrügen und Grenzen zu überschreiten, um ihr Ziel zu erreichen. Gerade das macht sie so interessant. Ihr Weg führt sie undercover zu den Bloodmoons und Schritt für Schritt näher an die Wahrheit, bis ihre eigene Lüge schließlich aufzufliegen droht.
Besonders fesselnd fand ich die Dynamik zwischen Saff und Levan. Ohne es zu wollen, lässt sie sich auf Gefühle ein, die sie eigentlich nicht zulassen darf. Die Enemies-to-Lovers-Spannung entwickelt sich langsam und glaubwürdig. Was man vor allem gegen Ende über Levan erfährt, macht große Lust auf den nächsten Band und verspricht noch einiges an Konfliktpotenzial. Auch Saffs Reise zu ihrem Erbe und das Aufdecken der verschiedenen Geheimnisse sowohl ihrer eigenen als auch der der Bloodmoons waren spannend mitzuverfolgen. Das letzte Kapitel hebt sich clever ab und öffnet eine neue Perspektive, die mich besonders auf die Fortsetzung neugierig macht.
Insgesamt ist die Geschichte ein gelungener Auftakt mit einer starken Protagonistin, düsterer Atmosphäre, moralisch grauen Figuren und einer Geschichte, die Lust auf mehr macht. Ich freue mich sehr auf den nächsten Band der Reihe.