Eine einsame schottische Insel, eine verschwundene Frau und ein Mann, der plötzlich glaubt, sie wiederzusehen. Allein diese Ausgangslage von Nebelinsel hatte sofort etwas Düsteres und Unheilvolles. Genau diese Stimmung trägt das Buch besonders zu Beginn auch sehr gut.
Die kleine Insel vor der schottischen Küste wird atmosphärisch beschrieben. Nebel, Regen, raue Natur und Bewohner, die sich merkwürdig verhalten und offensichtlich nicht alles sagen, sorgen für beklemmende Momente.
Während des Lesens hatte ich oft das Gefühl, dass hinter jeder Begegnung noch etwas verborgen liegt. Gerade dieser leicht mystische Einschlag hat für mich lange funktioniert.
Auch Grady Greens Ausgangssituation macht neugierig. Ein Jahr nach dem Verschwinden seiner Frau Abby reist er auf die Insel, um endlich wieder schreiben zu können. Als dort plötzlich eine Frau auftaucht, die Abby zum Verwechseln ähnlich sieht, entwickelt die Geschichte zunächst eine starke Spannung. Man möchte unbedingt wissen, was damals wirklich passiert ist.
Leider verlor sich die Handlung im weiteren Verlauf zunehmend. Die Geschichte wurde immer wirrer und driftete stellenweise stark ins Unrealistische ab. Manche Entwicklungen wirkten eher konstruiert als glaubwürdig, wodurch die zuvor so dichte Atmosphäre immer mehr an Wirkung verlor. Gerade gegen Ende hatte ich mehrfach das Gefühl, dass die Handlung um jeden Preis überraschen wollte.
Das fand ich schade, denn die Grundidee und das Setting hatten enormes Potenzial. Vor allem die Insel selbst blieb mir im Gedächtnis.
Fazit:
Atmosphärisch stark und spannend begonnen, verliert sich der Thriller später zu sehr im Unglaubwürdigen. Die düstere Inselkulisse bleibt im Gedächtnis, die Auflösung leider weniger. 2,5 Sterne.