Worum gehts?
Paris 1889: Um ihre Eltern aus der finanziellen Notlage zu retten, geht Valérie eine Ehe mit dem ihr zutiefst verhassten Baptiste ein. Eine Verbindung, die sie in ein Leben drängt, das sich fremd, eng und falsch anfühlt. Währenddessen setzt Elise ihre Laufbahn als Tänzerin im Moulin Rouge fort doch auch sie muss sich fragen, wie ihre Zukunft aussehen kann und welchen Preis ihre Träume und ihr Leben fordern werden.
Meine Meinung:
Im zweiten und abschließenden Band der Dilogie Montmartre Traum und Schicksal entführt uns Marie Lacrosse erneut ins Paris des späten 19. Jahrhunderts. Die Geschichte knüpft nahtlos an Band 1 an, und ich war sofort wieder mittendrin: im Rausch des Varietés, in schillernden Nächten, auf der Butte Montmartre ebenso wie in den feinen Salons der besseren Gesellschaft. Mit ihrer bildgewaltigen Sprache lässt die Autorin diese Epoche lebendig werden es fühlt sich an wie eine Zeitreise in ein pulsierendes, widersprüchliches Jahrhundert voller Sehnsucht, Glanz und Abgründe.
Erneut stehen Elise und Valérie im Mittelpunkt zwei Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Genau dieser Kontrast macht den Reiz dieser Dilogie aus. Elise, aus einfachen Verhältnissen, kämpft ums Überleben und um Anerkennung. Valérie hingegen stammt aus gutem Hause, wird jedoch ebenfalls von schweren Schicksalsschlägen und gesellschaftlichen Zwängen eingeholt. Die Unterschiede könnten größer kaum sein, und doch zeigt Lacrosse eindrucksvoll: Hinter jeder Fassade wird gekämpft, besonders von Frauen. Die Einblicke in die verschiedenen Bevölkerungsschichten sind faszinierend und schonungslos zugleich. Auch Henri und André begegnen wir wieder starke, vielschichtige Figuren, die der Geschichte zusätzliche Tiefe verleihen.
Die Handlung selbst ist erneut ein echtes Highlight. Historische Fakten und fiktionale Elemente, reale Persönlichkeiten und erfundene Schicksale verweben sich zu einem mitreißenden Pageturner. Traum und Schicksal ist hier Programm. Politische Umbrüche, Solidarität unter den Menschen, große Gefühle, Hoffnungen, zerplatzte Träume und hart erkämpfte Freiheiten prägen diese Geschichte. Besonders eindrücklich fand ich die Perspektive von Simone, Elises Schwester. Ihr Leben an der Seite von Luc ist brutal, beklemmend und zeigt gnadenlos, wie hart diese Zeit sein konnte. Dazu kommen die Kämpfe der Frauen um ihren Platz in der Kunstwelt, die sogenannten Malweiber ein Begriff, der allein schon Bände spricht.
All das sind nur Schlaglichter, Stichpunkte dessen, was hängen geblieben ist samt der Geschichten, die dahinterstehen. Was im ersten Band fesselnd begann, wird hier konsequent, intensiv und emotional weitergeführt. Ich habe dieses Buch gelebt und geatmet und, um es mit La Goulue zu sagen: Ich habe es regelrecht verschlungen. Die schillernden Farben, die rohen Emotionen und die Wucht der Schicksale hallen noch lange nach. Das Zuschlagen des Buches fühlte sich an wie das Erwachen aus einem intensiven, lebendigen Traum. Ich habe alles daran geliebt.
Fazit:
Montmartre Traum und Schicksal von Marie Lacrosse ist der opulente, emotionale Abschluss ihrer grandiosen Dilogie. Leidenschaft, historische Tiefe und starke Frauenfiguren verschmelzen zu einem intensiven Leseerlebnis, das nachhallt wie eine Nacht im Moulin Rouge. Ein Roman, den man nicht einfach liest, sondern erlebt und viel zu schnell verschlingt.
5 schillernde Sterne von mir!