Dr. John Watson kehrt verletzt aus dem Krieg zurück und sucht nun eine bezahlbare Wohnung, um sich dort von seinen Verletzungen erholen zu können, und um vor allem Ruhe zu haben. Ein ehemaliger Freund stellt den Kontakt zu Sherlock Holmes her, der einen Mitbewohner sucht. Die beiden ungleichen Männer freunden sich sogleich an und wagen den Versuch einer WG. Dabei stellt Watson fest, dass Holmes zeitweise eigenartig ist. Er ist ein brillanter Denker, Chemiker und Analyst, aber zwischenmenschlich klappt es nicht so bei ihm. Die Vorliebe Holmes, sich Kriminalfällen zuzuwenden, findet auch bei Watson Anklang und schon bald werden die beiden von der Polizei zu Rate gezogen. Ein Toter liegt in einem verlassenen Haus. Kein Blut, keine Gewalteinwirkung ist zu sehen. Nur das Wort Rache ist rot an die Wand geschrieben. Holmes ist sofort in seinem Element und zusammen mit Watson macht er sich daran, den Fall zu lösen.
Der erste Fall von Dr. John Watson und Sherlock Holmes wird langsam aufgebaut, denn erst erfahren wir, wie die beiden sich kennengelernt haben und letztendlich in der berühmten Baker Street 221b eine Wohngemeinschaft bilden. Dies geschieht ziemlich unspektakulär und man merkt von Anfang an, dass zwischen Watson und Holmes eine gewisse Faszination herrscht. Denn Watson, ganz Medizinier und damit natürlich Wissenschaftler, studiert Holmes auf seine ganz eigene Art und Weise und findet dies natürlich hochinteressant. Holmes, der Watson eigentlich am Anfang nur als Mittel zum Zweck ansieht, nämlich die Miete mit ihm zu teilen, um sich eine schöne Wohnung leisten zu können, merkt erst im Laufe der Geschichte, was er an Watson hat und bezieht ihn immer mehr in seine Art zu Denken ein.
Und gerade dieses analytische Denken ist es, dass uns alle so fasziniert. Schon gleich, wenn wir Holmes das erste Mal im Buch treffen, macht er seine Erkenntnisse klar und weiß genau, dass Watson gerade aus dem Krieg heimgekehrt ist und nun seine Gesundheit im Vordergrund steht. Watson dagegen weiß nicht genau, wie ihm geschieht, doch er merkt, dass er mit Sherlock Holmes jemand ganz Besonderen vor sich hat und will weiter herausfinden, wohin das alles führen könnte.
Dass sich daraus die wohl berühmteste Detektei der Geschichte entwickeln wird, ist ihm hier nicht klar.
Die Dynamik zwischen den beiden Protagonisten ist faszinierend. Sie verstehen sich von Anfang an und scheinen auch gleich eine Art Vertrauen zu entwickeln. Watson, der eigentlich seine Gesundheit schonen will und Ruhe und Frieden braucht, lässt sich von dem ruhelosen Verhalten Sherlock Holmes anstecken und willigt ein, Recherchen einzuholen, in dem man kreuz und quer durch das wunderschöne London fährt und mit diversen Personen redet. Während Watson sich auf das Gesprochene konzentriert, ist Sherlock eher an den Nebeninformationen interessiert und ihm fallen Details auf, die einem nicht sofort ins Auge springen würden. Was natürlich dazu führt, dass er den Mörder entlarven kann und auch noch genau herausfindet, wie der Mord verübt wurde.
Das Buch ist in zwei Teile unterteilt. Der erste handelt vom Mord und der Aufklärung, der zweite von der Vorgeschichte des Mörders. Dies war erst etwas ungewohnt, da ich mit einer Geschichte in der Geschichte nicht gerechnet hatte. Aber diese Vorgeschichte war genauso spannend zu lesen, wie die eigentliche Mordgeschichte selbst.
Am Ende kommt nochmals Watson zu Wort und es gibt eine Art Abschlussplädoyer, was nochmals einen Aha-Effekt auslöst. Zumindest bei mir. Denn so konnte ich nochmals genau nachvollziehen, wie der große Sherlock Holmes auf die Lösung des Falles kam.
Dies war meine erste Holmes-Geschichte in geschriebener Form. Klar kennt man den Detektiv und seinen Gehilfen Dr. Watson. Ich habe die Filmreihe mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman gesehen und geliebt. Aber gelesen habe ich noch nichts. Deswegen war es sehr interessant, den Schriftsteller auf seinem Weg zu begleiten und die Protagonisten so kennenzulernen, wie er sie sich vorgestellt hat.
Begleitet wird die Geschichte von Illustrationen des Vaters von Arthur Conan Doyle. Hier sieht man deutlich, dass die künstlerischen Talente in den Genen der Familie liegen. Auch der Onkel und Großvater waren Maler.
Dies wird nicht mein letzter Sherlock-Holmes-Roman bleiben und ich freue mich auf viele weitere Romane und Kurzgeschichten. Schon allein die pragmatische Schreibweise hat mir sehr gut gefallen.
Meggies Fussnote:
Wenn Sie das Unmögliche ausgeschlossen haben, muss das, was übrigbleibt, wie unwahrscheinlich es auch sein mag, die Wahrheit sein. Zitat Sherlock Holmes aus Das Zeichen der Vier