Ist man im ländlichen Osten aufgewachsen oder beschäftigt sich ein wenig mit einer kapitalistischen Gesellschaftordnung, dann wird einem im ersten Drittel des Buches vieles sehr vertraut vor kommen. Im zweiten Drittel verwebt Alexander Prinz dann das ganze mit seiner eigenen Biografie, was wirklich sehr interessant ist, aber auch an der ein oder anderen Stelle ein bisschen konstruiert wirkt, als würde er seine eigenen Erinnerung nostalgisch verklären. Im letzten Drittel beschreibt er dann was er mit Oststolz meint: nämlich das Gefühl was man haben sollte wenn man erkennt was hier seit der Wende geschaffen wurde, die Leistung unserer Eltern und Großeltern die hier trotz widriger Umstände und schlechten Startbedingungen etwas erschaffen haben. Im Grunde einen positiven, anspornenden Rückblick, aus dem man mit Selbstvertrauen und Stärke Teilhabe einfordert, statt sich klein zu machen (oder sich von bestimmten Partei klein machen zu lassen). Dabei lässt er aber auch nicht außer acht das es eben auch einen gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist und das oft beschriebene Ost/West Problem eigentlich ein Oben/Unten Problem ist, das angegangen werden muss.
Das Buch ist lesenswert, hat aber auch ein paar Schwächen. Zum einen liest es sich zwischendrin immer wieder recht zäh, weil es Abschnitte gibt die sich repetitiv anfühlen oder wo ich das Gefühl das er sich selbst gern zuhört. Zum anderen macht er auch selbst immer weider Widersprüche auf, z.B. das er schreibt das man mehr Miteinander brauch, dann aber eine Bildungsoffensive für Unternehmertum vorschlägt, wo ich mir denke, naja Unternehmertum fördert aber eben halt Konkurrenzdenken. Und das hat man an sehr vielen Stellen das er soziale und gesellschaftliche Probleme benennt und er den Vorschlag dann aber am bestehenden System ausrichtet. Also ne tiefergehende Kritik und Lösung findet man in dem Buch halt nicht. Aber für den grundlegenden Apell, den er mit diesem Buch zum Ausdruck bringen möchte, ist das ok find ich.