Bis zum Mond von Jang Ryujin (erschienen beim kiwiSpace Verlag) erzählt von drei jungen Frauen, die in Seoul versuchen, sich aus engen Lebens- und Arbeitsverhältnissen herauszukämpfen. Der südkoreanische Bestseller mischt Themen wie Female Finance, Healing Fiction und kapitalistische Erschöpfung und zeichnet dabei ein sensibles, manchmal ernüchterndes Bild eines Lebens, das zwischen Snackproduktion, Minibüros und Zukunftsangst stattfindet.
Die Autorin, selbst jahrelang in der Techbranche, schreibt mit erkennbarer Nähe zu den Überforderungen der koreanischen Arbeitswelt. Ihr Roman fragt: Wie entscheidet man über sein Leben, wenn alles um einen herum unerschwinglich wirkt?
Worum gehts?
Da-hae, Eun-sang und Ji-song. Drei Frauen in Seoul, die durch ein System navigieren, das viel fordert, aber wenig zurückgibt. Als eine von ihnen plötzlich mit Kryptowährungen Erfolg hat, eröffnet sich ein mögliches (brüchiges) Schlupfloch aus dem Trott.
Meine Meinung
Ryujin schreibt in einer Mischung aus Humor, Klarheit und Melancholie, die für mich immer dann am stärksten war, wenn sie die Unsichtbarkeit junger Frauen im Arbeitsalltag beschreibt. der Blick auf überteuerte Wohnungen, die beiläufigen Abwertungen im Büro, der stille Wunsch, irgendwann genug zu sein, sowohl für sich selbst und für andere.
Gleichzeitig bleibt die Erzählung aber leider auch oft an der Oberfläche. Viele Entwicklungen sind absehbar, einige Konflikte brechen auf und versanden wieder. Die Dynamik zwischen den drei Frauen hat schöne Momente, aber leider nicht über lange Stecken. Manche Themen ob finanzielle Unabhängigkeit oder die Frage, ob Geld wirklich Freiheit schafft werden nur angerissen und hätten mehr Raum verdient. Zumindest hätte ich es mir vom Klappentext her so erwartet.
Dennoch gibt der Roman denk schon auch einen atmosphärischen Einblick in das Leben junger Frauen in Seoul: die Arbeitsrhythmen, die sozialen Codes, die Mischung aus Erschöpfung und Ambition. Sie zeigen, wie kompliziert Selbstbestimmung wird, wenn strukturelle Grenzen den Alltag diktieren und genau das war für mich das Spannendste am Roman.
Fazit
Bis zum Mond ist ein zugänglicher Roman über Aufstiegshoffnungen und die Zerbrechlichkeit junger Freundschaften im modernen Seoul. Er unterhält, wirft wichtige Fragen auf und zeichnet ein lebendiges Bild urbaner Lebensrealität, auch wenn ich mir mehr Tiefe und auch stärker gezeichnete Figuren gewünscht hätte. Ein Buch für Leser:innen, die Geschichten über Selbstfindung, finanzielle Unsicherheit und weibliche Solidarität mögen, und neugierig sind auf literarische Stimmen aus Südkorea.
Vielen Dank an den kiwi space Verlag sowie an lovelybooks für das Rezensionsexemplar